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Silvio Gesell
Jean Silvio Gesell  wurde am 17. März 1862 in Sankt Vith (heute Belgien) geboren und verstarb am 11. März 1930 in der Obstbau-Genossenschaft Eden bei Oranienburg. Gesell war Kaufmann, Finanztheoretiker, Sozialreformer und Begründer der Freiwirtschaftslehre. Er lebte abwechselnd in Argentinien, der Schweiz und in Deutschland.

Seine Erkenntnisse
Silvio GesellUnter dem Einfluss der wirtschaftlichen Krisen Argentiniens auf die eigene Geschäftstätigkeit erfasste Gesell die hohe Bedeutung einer gleichmäßigen Umlaufge-schwindigkeit des Geldes für eine krisenfreie Wirtschaft. Gesell schlussfolgerte, dass Geld der Wirtschaft nur als Tauschmittel dienen, sie aber nicht als Hortungsmittel lähmen darf. Alles in der Natur unterliege dem rhythmischen Wechsel von Werden und Vergehen, nur das Geld scheine der Vergänglichkeit alles Irdischen entzogen.
Da das Geld im Gegensatz zu Waren und menschlicher Arbeitskraft weder „rostet“ noch „verdirbt“, kann ein Geldbesitzer sein Geld nach Gesell ohne Nachteil zurückhalten, „horten“. Er kann warten, bis die Waren für ihn billig oder die Zinsen hoch genug sind. Mit dem Zuwarten stört er den Wirtschaftskreislauf. Händler werden gezwungen, ihre Preise zu senken. Durch die Marktüberlegenheit des Geldbesitzers sah Gesell das freie Kräftespiel zwischen Verkäufer und Käufer grundlegend gestört. Geld muss diese Überlegenheit genommen werden, damit aus ihm ein funktionierendes Tauschmittel wird, das   auf dem Markt keine Vormachtstellung mehr hat.  Wenn dem Geldschein ein Datum aufgedruckt wird, ab dem der Schein weniger kaufen kann, dass ist Geld einem ständigen Weitergabedruck unterstellt. Jeder Geldbesitzer werde sein Geld nicht zu lange zurückhalten, sondern damit Waren oder Dienstleistungen kaufen, laufende Rechnungen begleichen oder es langfristig den Banken zu Weiterverleihen überlassen, um so die Kaufkraftminderung zu umgehen. Geld wird dadurch in den Umlauf gezwungen. Damit wird die Grundbedingung für die aktive Steuerung der Geldmenge erfüllt.
Dieses Geld nannte Gesell „Freigeld“. Die Ausgabe des Freigeldes soll dem Staat vorbehalten sein, der hierfür ein Währungsamt einzurichten hat. Bei Inflationsgefahr wird das Währungsamt Freigeld einziehen, bei Deflationsgefahr solches ausgeben. Mit ihm ist die schädliche risikofreie Hortungsfähigkeit des Geldes überwunden.  
Gesell forderte auch sehr nachdrücklich die Ablösung der Währung von der Golddeckung.
In Ergänzung zu flexiblen Wechselkursen schlug Gesell die Bildung einer internationalen Zahlungsvereinigung (Internationale Valuta-Assoziation, IVA) und die Einführung einer internationalen Währung mit Umlaufsicherung vor. Damit wollte er den internationalen Zahlungsverkehr erleichtern und ihn von bestehenden Länderwährungen unabhängig machen.
Gesell erkannte auch im Bereich des Bodenrechts die Möglichkeit, leistungslose Einkommen zu beziehen. Diese besteht für die Bodeneigentümer darin, von ihren Pächtern und Mietern Bodenrente zu verlangen. Darüber hinaus würden Großgeldbesitzer, denen leistungslose Einkommen aus Zinsen nach der Einführung von Freigeld beschnitten seien, auf den Aufkauf von Grundstücken ausweichen. Dadurch würden die Grundstückspreise in unermessliche Höhen klettern, sehr zum Nachteil aller Übrigen, weil jeder Mensch zum Leben und Arbeiten auf Boden angewiesen sei.
Um auch hier Abhilfe zu schaffen, forderte Gesell, den Boden gegen Entschädigung in öffentliches Eigentum zu überführen, ihn zugleich aber seinen bisherigen Eigentümern gegen Entrichtung einer ständig wiederkehrenden Nutzungsabgabe an den Staat weiterhin zur Nutzung zu überlassen. Die darauf errichteten Gebäude und sonstigen Einrichtungen bleiben hingegen weiterhin Privateigentum. Damit fließt die Bodenrente der Allgemeinheit zu. Handel und Spekulation mit Boden wären unmöglich. Die Höhe der Abgabe solle für jedes Grundstück gesondert in einem Meistbietungsverfahren ermittelt und von Zeit zu Zeit veränderten Verhältnissen angepasst werden. Bei diesen Überlegungen ging Gesell davon aus, dass Boden ein Produkt der Natur und nicht des Menschen ist. Die Erde sollte allen Menschen gleichermaßen gehören. Deshalb durfte für Gesell Boden kein privates Eigentum sein, im Gegensatz zu den darauf bestehenden Einrichtungen.
Die Einkünfte des Staates aus den laufenden Bodennutzungsabgaben wollte Gesell in voller Höhe an die Mütter verteilt haben gemäß der Zahl ihrer Kinder. Mit der Auszahlung der Bodenrente an die Mütter verfolgte Gesell das Ziel, Frauen von Männern wirtschaftlich unabhängig zu machen.
Zusammen mit dem Wegfall des Urzinses sollte der Wegfall der Bodenrente den Arbeitenden das Recht auf den vollen Arbeitsertrag sichern.


Bisher umgesetzte Erkenntnisse
Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges wurden wichtige Erkenntnisse in der Währungs- und Wirtschaftspolitik umgesetzt. Diese waren freie Wechselkurse, Lösung der Währungen von der Bindung des Geldes an Golddeckung sowie der Einführung einer internationalen Währung. Internationale Währung sind die 1969 geschaffenen Sonderziehungsrechte (engl. Special Drawing Rights, SDR) des Internationalen Währungsfonds. 1973 wurde der Übergang zu freien Wechselkursen der großen Währungen eingeleitet. Schließlich wird die Aufhebung der Golddeckung mehr und mehr zur Wirklichkeit. Weiterhin gehören der Abbau von Handelsbeschränkungen und Zöllen dazu.


Was noch zu tun bleibt
Was von Gesells Forderungen noch offen ist, ist die Einführung einer Umlaufsicherung auf den offiziellen Währungen und damit die Lösung des Zinsproblems. J. M. Keynes hat – in Kenntnis Gesellscher Gedankengänge – in den Verhandlungen zum Abschluss des Bretton-Woods-Abkommens (1944) eine umlaufgesicherte internationale Währung namens Bancor gefordert, ist aber erfolglos geblieben.


Ebenso steht die Lösung der Bodenfrage noch aus.

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