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titelt Spiegel-Online. Wenn da stünde „am deutschen Wesen, wird die Welt genesen“ wäre es in etwa genauso viel wert. Denn wenn es um Gesundung und Genesung geht, dann sollte man doch zumindest die Krankheitsursache kennen und vor allen Dingen die Zusammensetzung der Medizin und ihre Qualität.

Ist ein Patient wieder „gesund“, wenn er nach Chemotherapie oder Bestrahlung noch ein paar Jährchen weiter existiert, in dieser Zeit aber nicht wissen kann, ob, wann und in welchem Organ der Krebs wieder ausbricht? Ähnlich „gesundet“ die Welt an ihrem Geld, wenn nur ein kleiner Teil der Weltbevölkerung es schafft, auf hohem Niveau zu überleben.

Es ist nicht die Vergangenheit, die unser Leben bestimmt, sondern die Zukunft. An den Vorstellungen über und Zielen für die Zukunft richtet sich menschliches Handeln aus. Die gewünschten Ergebnisse entscheiden über die in der Gegenwart favorisierten Strategien, Maßnahmen, Denkweisen und Verhaltensregeln. Unsere ökonomischen Ziele – unsere Wünsche an die Zukunft in ökonomischer Hinsicht – können nicht viel taugen, wenn wir unser Heute anschauen. Nicht das Heute von George Soros, Susanne Klatten und Bill Gates. Sondern unser Heute und das unserer Nachbarn. Auch das Heute von Menschen, die wir im Fernsehen sterben sehen und über deren Elend wir in der Zeitung lesen.

Jan Fleischhauer, langjähriger Wirtschaftsjournalist beim Spiegel, hat den Artikel geschrieben und er wagt die Behauptung, dass die Leistungsbilanz des Kapitalismus eigentlich ganz okay wäre. Er gehört zu den Menschen, die unter Heilung die völlig eingeschränkte, veränderte und sieche Lebensweise eines After-Chemo-Patienten verstehen. Mehr ist halt nicht drin an Zukunft. Er stellt ganz richtig fest, dass er keine Ratschläge zur Verbesserung der Währung von jenen Menschen annehmen würde, deren Geschäftsmodell – wie bei George Soros – gerade in der Erschütterung derselben liegt. Doch es reicht nicht aus, nur zu wissen, von wem man nichts annimmt, welchen Arzt und welche Methode man meidet. Veränderung kommt nur von den Menschen, die eine bestimmte Vorstellung von der Zukunft entwickeln und alles daran setzen, in der Gegenwart die entsprechenden Schritte zu unternehmen. Was erwarten wir von der Zukunft? Wie soll das Leben für unsere Kinder und unsere Enkelkinder sein? Wie viel Wohlstand für wie viele Menschen darf es sein? Wer bekommt eine Chance und wer nicht? Wie viel Krieg, Hunger und Elend soll die Zukunft der Menschheit beinhalten?

„Das kann man letztlich doch nicht wissen“, werden auf diese Fragen sogar jene antworten, die es eigentlich wissen sollten: Unsere Politiker und „Experten“. Und genau das ist das Problem: Diese Herrschaften haben – selbst wenn es sich um Frauen handelt – keine konkreten Vorstellungen von der Zukunft. Sie glauben, da sei etwas, das uns geschieht, ohne dass wir auf darauf einen Einfluss hätten. Und deshalb ändern sie nichts. Doch wenn wir nichts ändern, wird alles nur noch schlimmer. Das ist den meisten Leuten inzwischen auch klar. Wir wissen aus der Vergangenheit, dass ökonomische Katastrophen Menschenleben „en masse“ kosten. Wir sehen auch in der Gegenwart Menschen sterben, doch gelingt es uns nicht, ihr Elend mit unserem Denkfehler bezüglich Geld und seiner Funktion in Zusammenhang zu bringen. Am Elend der Gegenwart ist das Klima schuld, die dummen Politiker, die gierigen Banker, die faulen Müßiggänger. Ja, so haben die alten und seit langem verwesten Römer auch gedacht.

Ohne eine konkrete Zukunftsvorstellung wird es aber nicht mehr sehr lange weitergehen für die Menschheit in diesem Universum. Wir sind definitiv zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen, auch wenn das viele nicht verstehen. Sie essen Dinge, die 6.000 Kilometer entfernt produziert werden. Sie benutzen Geräte, die auf drei verschiedenen Kontinenten in 87 voneinander getrennten Arbeitsschritten zusammengesetzt wurden. Wenn diese globalen Zusammenhänge immer weniger funktionieren und die ökonomischen Verbindungen immer schwerer aufrecht erhalten werden können, dann haben wir eben nicht die Probleme von 1929. Schön wäre es – zumindest für die, die überleben. Wir können das Ausmaß der Katastrophe nicht dadurch eindämmen, dass wir das Niveau der internationalen Arbeitsteilung herunterfahren. Wer will schon in Jutesäcken herumlaufen? Chinakohl für die Chinesen und Weißkohl für die Deutschen? Wie toll ist das denn?

Die Zukunftsvorstellung, die wir brauchen und die auch etwas taugt, schließt alle Völker der Welt mit ein. Leben ist für alle drin, keiner muss wegen ökonomischer Systemfehler krepieren und die Raubzüge des Kapitals, die Ausbeutung der Massen können überwunden werden. Das Geld – unser Tauschmittel – sammelt sich dann nicht länger zwangsläufig bei immer weniger Superreichen, denen fast die ganze Welt gehört. Die Welt gehört dann wieder den 6 oder 7 Milliarden Menschen. Freien Menschen. Ökonomisch freien Menschen.

Auch mit dieser Vorstellung kommen viele nicht klar und sind felsenfest davon überzeugt, dass „der Mensch an sich“ mit Freiheit nicht klar kommt. Doch auch hier verwechseln sie Ursache und Wirkung. Eine Ökonomie, die systemisch die Menschen in wenige Superreiche und viele Arme aufteilt – ungeachtet der jeweiligen Fähigkeiten und Leistungen und Beiträge des Individuums – verhilft dem Großteil der Menschen zur „Sklavenmentalität“ und zur „Bettlergesinnung“. Armut adelt den Menschen eben nicht!

Zur Emanzipation des Menschen, zum geistigen, kulturellen und gesellschaftlichen Fortschritt, ist eine Bedingung erforderlich, die quasi das Faustpfand für alle anderen Freiheiten darstellt, die der Mensch so kennt und zum Teil in langen und blutigen Kämpfen mühsam errungen hat. Die Bedingung lautet: Freigeld! Ohne Freigeld gibt es keine ökonomische Freiheit und ohne ökonomische Freiheit taugen alle anderen Freiheiten nichts und verkommen zur Farce: Pressefreiheit, die nur auf dem Papier steht, Reisefreiheit, die sich keiner leisten kann, Religionsfreiheit, die bei der Kirchensteuer endet. Das braucht niemand, will niemand und niemand sollte für solch ein miserables Endergebnis gekämpft haben.

Der Autor des Spiegelartikels fordert zu Recht, dass Ökonomie schon in den Schulen gelehrt werden solle. Doch dann beklagt er die allgemein verbreitetet Unkenntnis über die Lehren genau jener Ökonomen, deren Werke doch offensichtlich am Desaster beteiligt sind: Keynes, Friedman, Schumpeter. Von Soros sollen wir keinen Rat in Währungsfragen annehmen, doch Ökonomen, deren Lehre sich bereits als lückenhaft und letztlich erfolglos erwiesen haben, sollen in den Schulen gebüffelt werden? Hallo? HALLO! Ist da noch wer Zuhause?

Wer uns kennt, weiß, welche Lektüre wir zur Aufrechterhaltung und Gewinnung geistiger Klarheit empfehlen. Gesell. Doch den kann kein Wirtschaftsjournalist des Spiegels empfehlen, selbst wenn er es wollte. Im Kapitalismus hat die Freiheit halt einen stolzen Preis, der leider allzu oft im Gewand des Verzichts daherkommt.


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