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Die EU – vertreten durch Binnenkommissar Michel Barnier – glaubt, durch ein Verbot von Leerverkäufen und strengere Kontrollen des Derivatehandels bei der Bekämpfung von Finanzkrisen einen wichtigen Schritt weiter zu kommen. Das mit dem „Schritt weiter“ mag sein – doch leider nur in Richtung Abgrund!

Zwei neue Verordnungen sollen die Finanzwelt zur Räson bringen, doch die Vorsilbe „Ver“ drückt schon den vorprogrammierten Misserfolg aus. Denn die „gefesselten Geldhäuser“ werden arge Probleme haben. Mit den Geldbesitzern. Und wir „Normalbürger“ in der Folge auch.

Denn immer mehr von uns werden dadurch zu „Nicht-Geldbesitzern“ – wenn wir es nicht schon sind. Wenn nämlich nicht mehr hohe Renditen das Geld der Geldbesitzer in die „Geldhäuser“ locken – was denn dann? Ein Kaffeekränzchen mit Joseph Ackermann vielleicht? Oder die schönen Beine der Bankangestellten in den Investmentabteilungen? Haben die EU-Kommissare über dem stetigen „Verordnungen erarbeiten“ etwa vergessen, dass es Dinge gibt, die man nicht verordnen kann? Die Verfügungs- und Entscheidungsgewalt über unser jetziges Geld gehört eindeutig zu diesen Dingen. Wer kann Herrn Soros „befehlen“, wo und bei wem er sein Geld anzulegen hat? Wer kann ihm befehlen, es überhaupt irgendwo anzulegen oder ihm verbieten, es zum Beispiel im hauseigenen Safe zu deponieren und es so außerhalb der Reichweite von jedermann und auch jeder Frau zu bringen?

Wer kann dem Wind befehlen, zu wehen, oder dem Löwen, zu brüllen – um es einmal poetisch auszudrücken? Der Wind bläst wann und wo er will. Der Löwe brüllt nur, wenn es ihm gefällt. Und der Geldbesitzer stellt sein Geld nur dann zur Verfügung, wenn ihm Zins- oder Renditeangebote „schmecken“. Wenn es für eine Geldanlage nur noch 2 Prozent gibt, dann kann diese Anlage so „seriös und sicher“ sein wie sie will – der Geldbesitzer macht seine eigene Rechnung. Und weil auch viele Millionen in einem relativ kleinen Safe unterzubringen sind, hat der Geldbesitzer keine Probleme damit, sein Bares zunächst einmal genau dort ruhen zu lassen. Dafür gibt es dann zwar gar keine Zinsen, doch es befindet sich zu 100 Prozent in seiner unmittelbaren Verfügungsgewalt und niemand kann am Ende des Tages zu ihm kommen und ihm sagen, dass das Geld „leider futsch“ ist.

Hier reden wir über des Bankers und des Politikers Furcht vor der „Kreditklemme“, die unser aller Furcht sein sollte. Denn wenn die Reichen, bei denen sich inzwischen ein großer Teil der Geldscheine angesammelt hat – speziell die 500er, von denen in Europa genauso viele Scheine ausgeben worden sind wie von den 50ern (!) – es vorziehen, diese nicht mehr zu verleihen, dann haben wir alle mächtig Trauer. Dann geht bald nichts mehr. Außer den Bach runter.

Den Geldhäusern „Fesseln“ mittels irgendwelcher Verordnungen anlegen zu wollen, ist so nutzlos wie ein Geschwür am Hintern und so überflüssig wie ein Loch im Kopf. Der Geldschein ist immer noch Privatbesitz, so dass sein Besitzer mit ihm machen kann, was er will. Und genau da liegt das Problem. Die Ursache für die wirtschaftlichen Nöte, die uns nicht mehr verlassen werden, bis wir genau dieses Problem gelöst haben. Verordnungen werden nicht dazu beitragen, dass das Geld ein unproblematischer Bestandteil unseres Wirtschaftslebens wird. Dies geschieht erst dann, wenn der Geldschein de facto „sozialisiert“ ist, so dass niemand mehr ein Interesse daran haben kann, das Geld in seine Verfügungsgewalt zu bekommen.

Ein Geld, das keine Probleme mehr macht, die Wirtschaft so richtig ankurbelt und sie auch auf Dauer rundlaufen lässt, muss in etwa so sein wie ein stinkender Fisch: Keiner will ihn wirklich in seiner Nähe haben, ihn besitzen, ihn im Safe einschließen und für schlechte Zeiten aufbewahren. Die Wahrheit ist so offensichtlich wie schwierig zu verstehen: Geld macht nur dann einen Sinn, wenn es öffentliches Gut ist und seine Funktion einzig und allein darin besteht, die Tauschvorgänge innerhalb der Volks- und Weltwirtschaft zu organisieren.

Wer einen Sinn darin erkennt, Dosen von Erbsen im Keller aufzuhäufen, um irgendwann einmal damit bezahlen zu können, der hat in ökonomischer Hinsicht nicht mehr Verstand als der Mensch, der glaubt, der Geldschein sei ein gutes Mittel, um „Werte aufzubewahren“ oder gar, der Geldschein könne für ihn „arbeiten“. Das funktioniert immer nur für eine kurze Zeitspanne. Einige wenige Jahrzehnte, in denen es so aussieht, als könne eine auf dem Zinssystem basierende Wirtschaft blühen und gedeihen. Doch am Ende stellt sich – wieder einmal – heraus, dass eine Volkswirtschaft „mit dieser Masche“ höchstens 60 Jahre durchkommt – danach wird es immer schneller immer fürchterlicher!

Auf Dauer gewinnt noch nicht einmal der reichste Mann der Welt. Weil es letztlich unmöglich ist, in einer Welt zwischen Milliarden verarmter und verhungernder Menschen allein – oder auch in der Gesellschaft von einigen wenigen „Mitzinsgewinnern“ – zu überleben. Das ist nicht der Weg, wie man dem „clash of civilization“ trotzen kann.

Toll wäre es, wenn unsere EU-Kommissare und Politiker sich einmal mit solchen Gedanken abmühten und alle Dinge fein säuberlich sortierten: Hier die Dinge, die in die Rubrik „Symptome“ fallen, dort die Dinge, die den Titel „Ursache“ verdienen. Hier das Machbare und Logische, dort das Unmögliche, der Nonsense. Hier das Notwendige, dort das Nutzlose. Strenge Gedanken-Mülltrennung statt strenger, ungeordneter Verordnungswut. Das wäre was!

Jeder Mensch hat Angst vor „geistiger Leere“ und der Kopf der meisten Politiker wäre ziemlich leer, wenn sie in Wirtschaftsfragen wissenschaftlich korrekt vorgehen würden. Der „kopfinterne“ Bestand an funktionierendem ökonomischem Gedankengut würde bei fast allen Menschen ziemlich schnell zusammen schmelzen, wenn sie sich auf eine lösungsorientierte Vorgehensweise einlassen müssten. Unsere gewohnten neuronalen Verbindungen gäben dann nichts mehr her – und das fühlt sich schrecklich an! Wenn wir aber nicht bereit sind, das bisher nicht in Betracht gezogene  neu zu denken, dann werden wir wohl weder den Staats-, noch den Weltbankrott verhindern – und unseren eigenen kulturellen Untergang auch nicht.

Leider werden wir, die wir wissen wie eine Währung professionell zu machen ist, auch nicht übrig bleiben und können uns daher am Ende noch nicht einmal vor die kleine, zerknirschte Gruppe der Überlebenden stellen und erklären: „Sehr ihr, wir haben es euch doch immer gesagt!“

Eigentlich schade.

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