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Alles dreht sich um Hartz IV. Viele rechnen wochenlang, andere debattieren monatelang. Alles streitet um Hartz IV. Jeder hat eine Meinung, manche sogar ganz extreme und ziemlich ekelhafte. Auch wenn das für die Betroffenen ketzerisch klingt und gar nicht witzig: Der Hartz IV-Streit ist eine riesige Nebelbombe, so wie die „Gesundheitsreform“ eine große Farce ist.

Politiker, die von allen guten Geistern verlassen sind, führen gegen die „unmäßigen Erwartungen“ der Hartz-IV-Bezieher die vielen „fleißigen, ehrlich und hart arbeitenden Niedriglöhner“ an, denen man es weder „vermitteln“ noch „antun“ könne, dass die 100%igen „Hartzer“ nun 10 Euro mehr im Monat bekommen.

Zumindest CSU-Mann Harderthauer entrüstet sich dergestalt in den Medien. Was ist das für ein Mann, dem offensichtlich der Gedanke völlig fremd ist, dass elendig niedrige Löhne mit zum schlimmsten Unrecht gehören, das man Menschen zufügen kann? Für ihn ist es wohl normal, dass Menschen, die sich den Rücken krumm arbeiten, dafür gerade so viel bekommen, dass es so eben zum Überleben reicht. Zum gesunden Überleben allerdings schon nicht mehr. Aber wo kämen wir auch hin, wenn jeder gesund sein wollte?

Was sind das eigentlich für Politiker? Wie sind die nur zu diesen Fratzen mutiert, die uns aus jeder Talkshow und jedem Zeitungsbericht entgegengrinsen? Wie verroht sind diese Leute seelisch und geistig? Solche Politiker führen zum Beispiel folgende Worte im Mund: „Hartz IV ist kein Wunschkonzert. Da geht es nach objektiven Kriterien!“ Prima, kann man da nur sagen, dann können wir uns ja mal endlich über die „objektiven Zinsmilliarden“ unterhalten, die Monat für Monat von „unten nach oben“ wandern.

Lasst uns endlich reden über die 6 Millionen Zinseinkünfte pro Tag, die alleine Frau Klatten kassiert. Wer zahlt diese Beträge? Und wofür? Wir haben schließlich nichts anderes als unser „Sozialprodukt“, aus dem ALLES finanziert werden muss – inklusive unser aller Ernährung. Aber Leute wie Herr Harderthauer scheinen kein Problem damit zu haben, wenn von jedem Mittagsmahl zunächst der Löwenanteil an die wenigen Superreichen abgeführt wird. Da die Logik unseres Finanzsystems dazu führt, dass 5 % der Bevölkerung über 80% der Vermögen verfügen, finden sie es eben nicht anstössig über die Verteilung der Brosamen mit Leidenschaft und Inbrunst zu streiten. Warum auch nicht, bei einem immer noch recht ordentlichen Anteil aus dem Brosamentopf, den die Politiker erhalten.

Politiker hadneln wohl immer nach dem Motto: Was das Volk nicht weiß, macht es nicht heiß. Aber diese Rechnung wird auf Dauer nicht aufgehen. Denn die Menschen werden erkennen, dass diejenigen, die – auf welchem Weg auch immer – in die Lage gekommen sind, so viele Zinseinkünfte in einer einzigen Nacht zu erzielen, dass davon ganze Legionen von Menschen ein ganzes Jahr lang ernährt werden können, diese „Vermögenszuwächse“ a) nicht mehr nötig haben, sie b) volkswirtschaftlich nicht mehr sinnvoll einsetzen können und sie daher c) zu weiteren Zinsgewinnen einsetzen werden. Alles andere macht ja keinen Sinn in diesem verrückten Finanzsystem. Selbst wenn diese Logik in den sicheren Untergang führt.

Dabei könnte das „Sozialprodukt“ die Decke sein, die uns alle wärmt. Doch diese Decke wird immer kürzer und daher wird, wie im Kindergarten, immer stärker daran gerissen und gezerrt. Dabei ist es eben nicht Hartz IV, das dazu führt, dass diese Decke immer kürzer wird. Die Zinszahlungen, die aus dem gesamtwirtschaftlichen Erzeugnis völlig diskussionslos und ebenso gnadenlos abgeführt werden, sind das eigentliche Problem. Alle, aber auch alle, die über die Hartz IV-Sätze „von Berufswegen“ streiten, sind Leute, die kein Problem damit haben, dass von 100 kg Essen schon mal 80 kg auf die Teller von 5 Prozent der Bevölkerung gewuchtet werden und die restlichen 95 Prozent sich dann um die „gerechte Verteilung der Reste“ kümmern sollen. Und der Irrsinn dabei: Dieser „Löwenanteil“ wird immer größer!

Sollte es Politikern nicht auffallen, dass sie sich mitten in einer völlig verfehlten und würdelosen Diskussion befinden, wenn darüber abgestimmt werden muss, ob 5 Euro mehr im Monat bei den Hartz IV-Sätzen „zu vertreten“ und vor allen Dingen zu finanzieren sind? Fällt denn diesen Leuten nicht auf, dass an der gesamtwirtschaftlichen Situation etwas nicht stimmt und dass diese Schieflage nicht beseitigt werden kann, wenn immer mehr Menschen zuerst knapsen, dann knausern, schließlich hungern und am Ende verhungern müssen? Sind unsere Politiker am Ende gar unfähig, zu denken? Wirklich zu denken? Es sieht sehr danach aus.

Wir glauben nicht, dass das Volk im Allgemeinen irgendwie „schlauer“ ist. Kann es nicht sein, denn sonst wären solche „Amtsschimmel“ schon längst nicht mehr im Dienst. Aber es gibt im Volk zumindest einige Leute, die denken können. Doch die werden wohl nie Politiker werden, denn das hält kein Schwein aus. Nur wer das Zeug zum Berserker hat, kann heute noch Politiker sein oder werden wollen.

Wenn es uns nicht gelingt, den Fokus auf das wirkliche Unrecht am Menschen, den tatsächlichen Irrsinn zu lenken, dann werden wir weder Unrecht noch Wahnsinn überwinden und daran kaputt gehen. Solange wir mit dem Tunnelblick auf Hartz IV schauen und uns auch nur ansatzweise dazu verleiten lassen, hier nach „Lösungen“ zu suchen, so lange sind wir Teil des Problems und nicht der Lösung. Solange uns nicht wirklich interessiert, was der Zinsmechanismus anrichtet und solange wir nicht die Kraft entwickeln, genau darüber – und nicht über irgendeinen „Politikerschnullimist“ – öffentlich zu sprechen und den Finger auf diese Wunde zu legen, so lange sind wir „dem Untergang geweiht“. Das hört sich vielleicht poetisch an, ist aber schlicht und ergreifend wahr.

Damit sei nicht gesagt, dass wir in den Reichen die „Sündenböcke“ erblicken sollen. Nein! Definitiv nicht. Denn sie sind auch nur Profiteure eines irrsinnigen Systems, dem wir längst nicht mehr hilflos ausgeliefert sein müssten, weil die Lösung schon parat liegt. Es sei damit nur gesagt, dass wir, wenn wir etwas Grips einsetzen, alle gut überleben können. Und wenn wir nicht bereit sind, unseren Verstand einzusetzen und die Logik walten zu lassen, dann werden wir eben den Preis für „dümmliches Gerede und Verhalten“ zu zahlen haben. Und zwar alle. Ausnahmslos.


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