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„Hilfe!“, möchte man schreien: „Sind denn jetzt alle jeck jeworden?“ Der Wirtschaftsnobelpreis 2010 ist mit einer Million Euro dotiert und die können sich nun die US-Wirtschaftswissenschaftler Peter A. Diamond und Dale T. Mortensen sowie der Brite Christopher A. Pissarides teilen.

Den Preis bekommen sie dafür, dass sie sich „praxisnah“ mit den Arbeitsmärkten befasst haben – obwohl sie deshalb statt 333.333,33 Euro besser eine monatliche Rente in Höhe von 349 Euro verdient gehabt hätten. In der Pressemitteilung heißt es dazu, dass die Politik sich die Erkenntnisse der drei Wissenschaftler habe zunutze machen können. Man mag nun „glauben“, dass sich auch die deutsche Politik die Erkenntnisse dieser „Wirtschaftsnobelpreisträger“ zunutze gemacht hat, denn von den 5,61 Millionen erwerbsfähigen Menschen, die im September 2010 Leistungen nach SGB III oder SGB II erhalten haben, hat jedenfalls niemand etwas davon „gemerkt“.

Die drei Wissenschaftler hat die Frage umgetrieben, wieso bei einem Anstieg der Arbeitslosigkeit ein gleichzeitiger Mangel an Arbeitskräften bestehen kann? Laut Presse haben sie sich gefragt, „warum es gleichzeitig eine hohe Zahl von Arbeitslosen bei starker Nachfrage nach Arbeitskraft“ geben könne. Allein schon für diese Fragestellung müsste man ihnen den Nobelpreis wieder aberkennen. Sofort! Denn das Problem ist doch genau das: Es kann eben nicht mehr genügend Nachfrage nach Arbeitskräften durch die Unternehmen gehalten werden, einfach weil den Unternehmen die Mittel dazu fehlen! In der Ökonomie ist nun einmal „Geld“ mit dem Begriff „Nachfrage“ gleichzusetzen. Der „Bedarf“ ist etwas ganz anderes. Den hat man. Leider oft genug, ohne das entsprechende „Kleingeld“ im Portemonnaie zu haben – und dann kann man eben keine Nachfrage nach der gewünschten Sache halten.

„Bedürfnis“ ist etwas ganz anderes als Nachfrage. Das ist sehr einfach zu verstehen und auch ebenso einfach zu merken, wenn man es sich auf folgende Weise veranschaulicht: Wer vor einer Bedürfnisanstalt steht, weil er ein dringendes Bedürfnis hat, der braucht trotzdem noch die fünfzig Cent, damit sich die Tür für ein zivilisiertes Entleeren der Blase öffnet. Hat man dieses Geld nicht, dann hat man zwar immer noch das Bedürfnis, kann aber leider nicht „Nachfrage halten“ – und das kann dann schon mal in die Hose gehen… in diesem Fall sogar im wahrsten Sinne des Wortes.

Natürlich möchten die drei Ökonomie-Professoren gerne für ihre „Praxisnähe“ gelobt werden, doch soweit wollten sie sich wohl der Wirklichkeit nicht annähern, dass sie dem begrifflichen Unterschied zwischen „Nachfrage“, Bedarf“ und „Bedürfnis“ derart trivial auf den Grund gegangen wären. Stattdessen haben die drei Herren – so wird der Nobelpreis für sie legitimiert – das „theoretische Fundament für Suchmärkte“ gelegt. Das hat nun nichts mit Google und anderen Suchmaschinen im Internet zu tun. Was sie genau damit meinen, bleibt auch im akademischen Dunkel, nur noch folgende Ausführung ist der Presse zu entnehmen: „Die Suchtheorie ist darüber hinaus auf viele andere Märkte mit Problemen beim Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage übertragen worden, etwa den Immobilienmarkt. Die Ansätze finden auch in den Bereichen Geldpolitik, Finanzwirtschaft sowie Familienpolitik Anwendung.“

Man möchte sich hinschmeißen, wenn man so lesen muss, was man heutzutage anbieten kann, um dafür 333 Tausend Euro zu erhalten. Wenn man dann auf den eigenen Lohnzettel schaut und die ihm zugrunde liegende Leistung noch in allen Knochen spürt, dann möchte man auch noch andere Dinge schmeißen – und fragt besser nicht „wohin“! Früher hieß es ja noch, „wer suchet, der findet“. Dass dem nicht mehr so ist, haben diese drei Nobelpreisträger herausgefunden. Heute findet der, der Arbeit sucht, eben keine Arbeit mehr – vielleicht, weil er sich gar nicht auf dem Arbeitsmarkt bewegt, sondern auf dem „Suchmarkt“? Es könnte beinahe einleuchten: Wer auf dem Goldmarkt unterwegs ist, findet dort vermutlich keinen Wein. Auf den Devisenmärkten findet man ja auch keine Seidenstrümpfe. Logo. Demzufolge würden also die Arbeitgeber deshalb keine Arbeitnehmer finden, weil diese ja auf dem „Suchmarkt“ sind und nicht auf dem Arbeitsmarkt. Weshalb sich Arbeitgeber und Arbeitssuchende dann allerdings auch auf den Suchmärkten nicht treffen, ist doch genauso komisch, wie dass sie auch auf den Arbeitsmärkten scheinbar nicht zusammenfinden. Wahrscheinlich sind die einen auf den „Arbeitgebersuchmärkten“ und die anderen auf den „Arbeitnehmersuchmärkten“?

Und dann gibt es ja auch noch all die „berufsspezifischen“ Suchmärkte… da kann man schon mal aneinander vorbeilaufen! Kennt man ja: Wenn alle hektisch herumrennen und sich gegenseitig suchen, dann findet am Ende keiner niemand. Doch auch diese einfache Weisheit bringt uns nicht weiter, denn sehr zum Ärger vieler Zeitgenossen hocken doch die Arbeitslosen viel zu unbeweglich zuhause rum und sind permanent auf dem Sofa oder im Bett anzutreffen. Dort könnte man sie also schon finden – aber dort hat ja niemand etwas zu suchen…

Genug der Spötterei und Verhöhnung preisgekrönter Experten. Freiheitswerker müssen nicht lange nachdenken wie es dazu kommt, dass gleichzeitig immer mehr Menschen arbeitslos werden während zeitgleich immer mehr Unternehmen auf der Suche nach Arbeitskräften sind. Wir reden hier nicht von unterschiedlichen Problemen, sondern von einem. Und dieses Problem heißt Zaster, Schotter, Kohle, Moneten, Knete oder auch „Nachfrage“.

Je mehr Geld für die Befriedigung von Zinsansprüchen fällig wird, desto weniger Geld steht der Realwirtschaft zur Verfügung. Denn die Zinsgewinne sind inzwischen so gewaltig, dass die wenigen Zinsgewinner nichts „Richtiges“ damit mehr anfangen können und es einfach weiter in die Spekulation schicken. Und wenn in der Realwirtschaft das Geld fehlt, dann heißt dies, dass den Leuten das Geld fehlt, um einzukaufen – und dass in der Folge den Unternehmern die Einnahmen fehlen und sie deshalb Leute entlassen müssen. Und diesen Entlassenen fehlt anschließend das Geld, um „Nachfrage zu halten“, weshalb anderen Unternehmen die Einnahmen fehlen und sie deshalb… was wohl tun?

Um im Kapitalismus „wettbewerbsfähig“ zu bleiben, muss ständig an der Kostenschraube gedreht werden. Kredite bekommen die Unternehmen nur für Investitionen in Produktionen, die perspektivisch menschliche Arbeitskraft einsparen, damit das Unternehmen auf dem Papier und in der Bilanz renditeträchtig genug erscheint. Viele Mitbewerber gehen aber trotz aller „Sparmaßnahmen“ Pleite, wodurch sich die Auftragslage für die verbliebenen Unternehmen erhöht. Bei denen sind nun aber zu wenige Leute beschäftigt, weshalb sie gerne weitere Menschen einstellen würden. Doch diese brauchen oftmals bestimmte Qualifikationen. Und wenn die Firma, die Pleite gegangen ist, im Norddeutschen angesiedelt war und die Firma, die jetzt händeringend Arbeitskräfte sucht, im Süddeutschen zu finden ist, dann gibt es „Reibungsverluste“.

Bildungspolitik, die von einem hochverschuldeten Staat betrieben wird, der an allen Ecken und Enden „sparen“ muss, trägt das ihre dazu bei, das Problem zu verschärfen. Ausbildung wird aber mehr gefordert als betrieben – denn sonst hätten ja die ganzen „Investitionen zur Rationalisierung“ keinen Sinn gemacht. Die aus der „Hartz-IV-Mühle“ sind auch „raus“ aus dem Spiel, oder wer wollte diese „Loser“ noch einstellen? Wohlmöglich sind die sogar noch verschuldet? Das absolute K.O.-Kriterium!
Und jene, die weder zu krank, noch zu alt, weder zu jung noch zu unqualifiziert sind, sondern gerade richtig und für den Job geeignet… die haben doch tatsächlich schon eine Arbeit! Na so was. Und mehr als das, was sie dort bekommen, kann man ihnen auch nicht bieten, denn sonst stimmt die Rendite nicht mehr. Ausländer könnten die Rettung sein – zumindest wenn das deutsche Volk etwas ausländerfreundlicher oder, besser noch, die Ausländer nicht ganz so arg „ausländisch“ wären. Aber auch die Besten der Besten kann man nicht so einfach aus Indien abtransportieren und hier ans Band oder an den PC setzen. Bis die soweit wären, bräuchte es wieder eine Menge Geld. Das hat man aber nicht. Zumindest nicht bei den Arbeitnehmern – und noch nicht einmal bei den Arbeitgebern! Denn auf der Kohle sitzen nur die Kapitalbesitzer. Und die geben sie nur für ordentliche „Rendite“ her, die ein Unternehmer aber nur dann erwirtschaften kann, wenn er an den Arbeitskräften spart…

So. Und nun kommen die Herren Experten und „Nobelpreisträger“ daher und bringen in dieses Tohuwabohu Ordnung, ohne das Währungsproblem anzugehen? Das ist schlicht und ergreifend ein Ding der Unmöglichkeit! Wären die heutigen Nobelpreisträger noch das, was sie einmal waren, dann würden sie eine saubere „wissenschaftliche Arbeit“ abliefern. Und die beginnt bei einer klaren Begriffsdefinition. Würde wissenschaftlich korrekt gearbeitet, dann wäre schon an dieser Stelle klar geworden, dass immer mehr Arbeitslose und ein immer höherer Mangel an Arbeits- und Facharbeitskräften die gleiche Seite derselben Medaille sind. Wie sollte es denn das eine ohne das andere geben? Arbeitgeber und Arbeitnehmer sitzen in einem Boot und leiden gemeinsam unter einem Geld, das seine Tauschmittelfunktion nicht gut erfüllt.

Auf der anderen Seite der Medaille finden sich die Kapitalbesitzer und Zinsgewinner, die auf ihrer Kohle hocken, aber keinen Bedarf haben. Weder an Arbeitskräften noch an „sonstwas“, denn sogar „Sonstwas“ haben sie schon längst gekauft – vor Monaten schon, wenn nicht vor Jahren. Deshalb stellen sie auch niemanden ein und halten auch „sonstwie“ keine „Nachfrage“ – obschon sie alleine es noch könnten. Mit diesem Artikel ist hoffentlich deutlich geworden, dass eine Wirtschaft nur dann für alle florieren kann, wenn sich der Bedarf der „stetigen Begleitung durch das Geld erfreut“ und sich daher in „Nachfrage“ umwandeln kann. Dann haben alle was davon.

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