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Deutschland ist nicht nur aus der Krise, nein, es erlebt momentan sogar den Aufschwung XXL, ein Jobwunder, den Big Boom – sagt Rainer Brüderle, unser Wirtschaftsminister. Gesagt ist den lieben langen Tag über viel, doch was stimmt und was ist Propaganda?

Rainer Brüderle wäre sehr gerne der Ludwig Erhard des 3. Jahrtausends – doch dass daraus nichts wird, können wir ihm jetzt schon versichern. Wie viele andere Menschen auch, würde er es so gerne schaffen, so gerne den Karren aus dem Dreck ziehen und zu denen gehören, über die in den Zeitungen voll Bewunderung geschrieben wird, weil man ihnen die Rettung verdankt. Dagegen ist ja auch nichts einzuwenden. Schön, dass es Menschen gibt, die Heldenhaftes vollbringen wollen. Allerdings sind diese vom Heldentum träumenden Größen besser als Vielschwätzer am Stammtisch aufgehoben, wo sie ihr Bier selbst zahlen und nicht auf Kosten des Steuerzahlers ihre Inkompetenz medial vermarkten.

Rainer Brüderle lässt sich blenden und das ist ein Drama. Denn damit ist er blind für die tatsächlichen Ereignisse und outet sich als Illusionist, der keiner brauchbaren Analyse fähig ist und daher auch nicht das Geringste zu sagen hat – auch wenn er viel schwafelt! Schauen wir uns den XXL-Boom in Deutschland an. Den fühlen wohl die, die noch arbeiten. Buchstäblich in den Knochen. Denn sie fühlen diesen Aufschwung nur, weil schon so viele Kollegen entlassen wurden, deren Arbeit sie nun mitmachen müssen und weil schon viele Betriebe Pleite gegangen sind und sich daher die Auftragsbücher der noch verbliebenen Betriebe füllen.

Weil man vielleicht die Arbeit eines entlassenen Kollegen eine Zeit lang mitschultern kann, die von zwei „Ausgeschiedenen“ auch noch einige Monate erledigen kann, doch die Arbeit von insgesamt vier „Freigesetzen“ einfach nicht mehr zu schaffen ist, werden nun halt doch neue Kräfte in den Betrieb geholt. Und das ist dann „das Jobwunder“, von dem Brüderle schwafelt. Drei Leute entlassen – macht eine Ersparnis von vielleicht 250.000 Euro im Jahr für den Betrieb, denn der Lohn des vierten Mannes, der nun die ganze Arbeit alleine machen muss, wird ja nicht erhöht. Irgendwann ist dieser Mann aber auch am Ende seiner Schaffenskraft, zumal ja auch immer mehr Aufträge hereinkommen, die man den anderen – pleite gegangenen – Betrieben der Branche zu verdanken hat. Nun werden statt der ehemals drei Kollegen, die eben 250.000 Euro per anno gekostet haben, drei Zeitarbeiter angeheuert, die sich das dem letzten festangestellten Kollegen gestrichene Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld und seine früher üblichen Sonderzulagen teilen können.

Kommt dieser Vorgang einem Wunder gleich? Kann man hier von einem Wunder reden, ohne gleichzeitig den eigenen geistigen Bankrott zu erklären? Wie irrsinnig muss man sein, wenn man als Wirtschaftsminister die Verwandlung von ehemals gut bezahlten Arbeitsplätzen in Niedriglohnjobs feiert? Wer soll denn davon etwas haben? Was bedeutet das für die Volkswirtschaft? Die Summe der insgesamt ausbezahlten Löhne sinkt immer weiter und das zwanghaft, weil der Anteil der Zinsen immer größer wird und damit den „Lohnfonds“ auffrisst. Es ist aber der Lohn, von dem man sich die Dinge kaufen kann, die dem Nachbarn wiederum die Arbeit ermöglichen.

Sinkende Gesamtlöhne sind eine Katastrophe für die Volkswirtschaft – und die ereilt uns gerade! Andere Volkswirtschaften sind in dieser Angelegenheit schon etwas weiter: Auf der Akropolis keilen sich zum Beispiel die schon entlassenen Kultur-Staatsbediensteten Griechenlands mit den noch im Dienste stehenden Exekutiv-Staatsdienern (auch Polizei genannt), was dazu führt, dass man an den Stammtischen der Athener Tavernen wie auch in den Hafenkneipen von Piräus mit Neid auf Deutschland blickt. Davon spricht Brüderle, wenn er sagt, dass man uns „im Ausland um den XXL-Aufschwung beneidet“.

Doch dieser Neid sollte Herrn Brüderle eigentlich zu größter Sorge veranlassen! Denn wem wollen die immer weniger werdenden deutschen Betriebe zukünftig ihre Produkte verkaufen? Den entlassenen Kollegen im Inland sicher nicht, denn die haben längst keine „Kohle“ mehr, sind ja arbeitslos. Und was wird aus einer Exportnation, wenn die Importländer nicht mehr flüssig sind und die dortigen Arbeitslosen ihren Neid und ihr Elend mit Ouzo runterspülen und im Retsina ersäufen?

Wenn Rainer Brüderle auf diesem schmalen Brett bleibt, dann kann er auch zukünftig immer „größere Jobwunder“ propagieren. Denn es werden weiterhin Menschen zur Vordertür eines Betriebes hinausgeworfen und dann zu einem Bruchteil des Lohnes zu Hintertür wieder hineingezerrt. Wenn das dann nicht mehr ganz so richtig „freiwillig“ geschieht, dann muss man es nur wie Herr Sarkozy machen, dessen „Grande Nation“ gerade dabei ist, die „Zwangsarbeit“ durch eine Hintertür einzuführen, die sich „nationale Sicherheit“ nennt und für die seit 2004 auch in Deutschland längst die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen sind – wie die Eingabe des Suchbegriffes „WiSiV 2004“ bei Google jederzeit belegt.

Den „Ruhm“ für den XXL-Aufschwung muss sich Herr Brüderle allerdings eventuell mit seiner Amtskollegin Ursula von der Leyen im Arbeitsministerium teilen, die ja auch immer mehr Menschen „in Arbeit“ bringt… und sei es nur in die Parks zum Laubsammeln oder auf die Straßen zur Verkehrszählung. Die Bewegungen sind klar: Weg von der Arbeit und einem guten Einkommen, einem halbwegs anständigen Lohn, hin zu Hartz IV. Und dann mit einer ganz großen Kraftanstrengung wieder ein bisschen weg von Hartz IV – nicht wirklich weit, aber doch zumindest so weit, dass man die Betroffenen aus der Arbeitslosenstatistik bekommt... damit wenigstens die Propaganda stimmt!

Auf der großen Weltbühne sorgt man sich derweil um den drohenden „Abwertungswettlauf der Währungen“. Weltweite Deflation heißt das auf gut Deutsch. „Globales Massensterben“ wird man es auch nennen – allerdings erst in einigen Jahren im Rückblick und unter der Voraussetzung, dass es dann noch Menschen gibt, die Geschichtsbücher lesen. Diese Sorge ist sehr berechtigt, obwohl das, wovor man sich fürchtet, eine unausweichliche Entwicklung ist, die man nicht mehr „fürchten“ muss, da sie kommt und bereits im vollen Gange ist. Man bräuchte sie also nicht mehr zu fürchten und könnte stattdessen wissen, was vor sich geht. Und wenn man das wissen würde – zum Beispiel in den Reihen des IWF – dann könnte man anfangen, die Probleme tatsächlich anzugehen. Man könnte beginnen, eine Währung auf den Weg zu bringen, die unsere Finanzkatastrophen tatsächlich beendet. Doch auch in den internationalen Rängen der Finanzwelt weiß man so wenig vom Thema Geld, dass sogar unser Brüderle nicht großartig auffällt.

Fassen wir zusammen: Der XXL-Boom in Deutschland ist haltlose Propaganda, ein „potemkinsches Dorf“, das gerade im Wirtschaftsministerium zusammen gezimmert wird. Laubsägearbeiten eines Politikers.

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