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Wer sich aktuell in den Medien über die Situation in Amerika  informiert, der kann – oberflächlich betrachtet – zwei ziemlich konträre Schilderungen wahrnehmen. Die eine beschreibt das niedergehende Amerika mit Armenspeisung für etwa 15 % der Bevölkerung, medizinischer Grundversorgung in gefüllten Football-Stadien und Zwangsräumungen bei Millionen Haushalten. Die anderen Bilder zeigen das glänzende Amerika, das Amerika der Banker, der IT-Branche, die weitläufigen Anwesen der reichen Amerikaner.

Man kann sich praktisch aussuchen, was man für real halten möchte. Es fällt uns in Deutschland schwer zu verstehen, wie es sein kann, dass die einen Amerika einen sehr langen und harten ökonomischen Winter prophezeien und die anderen das Land kurz vor einem enormen Aufschwung und auf dem Weg zu einer führenden Exportnation sehen. Obama zum Beispiel will die Exporte in den kommenden fünf Jahren verdoppeln. Ohne die Umgestaltung Amerikas in eine sozialistische Heimstatt für Millionen und Abermillionen verarmter Menschen ist das aber wohl nicht machbar.

Denn um in den USA wieder den Produktionsmotor anzuwerfen, muss man sich der entrechteten landeseigenen Billiglöhner bedienen, die inzwischen entweder in Autos oder den ausufernden Zeltstädten hausen. Die Chinesen wird man dafür nicht mehr gewinnen können – und die Afghanen und Iraker sterben auch lieber zu Hause. Also müssten dann die armen Amerikaner Dinge produzieren, die im Rest der Welt gewollt, gebraucht und gekauft werden – und die sie sich selbst nicht mehr leisten können! Fast schon wie in der ehemaligen DDR. Da konnte sich auch kaum jemand die Dinge leisten, die für den Export produziert wurden.

Kann man sich aber wirklich vorstellen, dass sich die amerikanische Bevölkerung den „Buckel krumm schuftet“ für den Wohlstand in China? Späte Rache oder ausgleichende Gerechtigkeit für die massenhafte Ausbeutung chinesischer Gleisbauer im 19. Jahrhundert? Letztere verlegen heute im eigenen Land die Gleise und zwar für dort gefertigte Hochgeschwindigkeitszüge, von denen man in Amerika nur träumen kann. Was will man also in Amerika produzieren, um wieder festen Boden unter die Füße zu bekommen? Womit will man die aus China kommenden Container füllen, die heute entweder leer oder aber mit Schrott und Altpapier gefüllt wieder nach China zurück verschifft werden? Was könnte in China oder Europa nicht selbst gefertigt werden? Wie niedrig müssten die Löhne sein, damit Amerika als Produktionsstandort sich wieder „lohnt“? Und womit sollen diese Löhne bezahlt werden? Mit Krediten aus dem sich weiterentwickelten China?

Was Amerika derzeit passiert ist das Los einer an Zinszahlungen gewöhnten Volkswirtschaft. Einer „Weltmacht“, die nach dem zweiten Weltkrieg den ganzen Planeten mit Dollars versorgt hat, die mit Zins und Zinseszins zurückbezahlt werden mussten. Am Ende dieser Phase der Prosperität steht der völlige Kollaps einer über Jahrzehnte ausgehöhlten Volkswirtschaft, in der man sich jahrelang von den Wertsteigerungen der eigenen Immobilie „ernähren“ konnte. Was Immobilien nun mal nicht können, „vermögen“ sie auch nicht – und der Immobilienmarkt in den USA wird daher weiter kollabieren, bis immer mehr Städte dem „Rustbelt“ – dem „Rostgürtel“ – zugeordnet werden müssen. Deshalb müssen Sie heute keinen Spott mehr fürchten, wenn Sie vorschlagen, ganz Detroit niederzureißen und es neu aufzubauen – selbst dann nicht, wenn Ihr Vorname „Katrina“ lautet...

Aber wie lange halten sich die Volkswirtschaften in China, Europa und Kanada noch über Wasser? Wie viel länger als Amerika werden wir es noch machen? Oder könnte eine „Option“ etwa so aussehen: Ein Land, dessen Infrastruktur völlig „zerschrottet“ darniederliegt, dessen Behausungen nichts mehr mit soliden Bauten zu tun haben, sondern aus Sperrholz und Wellblech bestehen, dessen Jugend zu großen Teilen sich zu Banden zusammengeschlossen hat und in den Wäldern haust… ein solches Land ist reif für eine „kapitalistische Übernahme“. Das kennt man aus der jüngeren deutschen Vergangenheit. Wem wird also Amerika gehören? Den Saudis? Den Deutschen und Franzosen? Oder doch den Chinesen?

In Amerika stirbt der Kapitalismus und keine Politik und keine unternehmerische Anstrengung wird den Untergang des amerikanischen Traumes aufhalten. Doch der Kapitalismus stirbt leider nicht ruhig für sich allein. Er reißt viele, viele Menschen mit sich und wer das nicht glauben will, der vergleiche die Bilder aus afrikanischen, asiatischen und südamerikanischen Slums mit den Bildern, die uns derzeit aus den USA erreichen. Vor wenigen Jahren konnte man sich noch selbst und gegenseitig beruhigen: „So schlimm wird es schon nicht kommen“. Aber nun ist es für große Teile der amerikanischen Bevölkerung eben doch „so schlimm“ gekommen und es wird immer schlimmer für immer mehr von ihnen. Aber in Europa wird es „nicht so schlimm“ kommen… denken hierzulande zwar immer noch viele Menschen, allerdings nur die, die „keine Ahnung“ haben und nichts verstehen von „positiv rückgekoppelten Kreisläufen“ bwz. von "positiven Rückkopplungen" (sehr negativ meistens) und sich daher in punkto Wirtschaft eher an den Pfarrer oder die Astrologen halten als an die Wissenschaft.

Unser Geld – der Euro – funktioniert kein bisschen anders als der Dollar und auch wenn es große Unterschiede in der Mentalität, der Kultur und der Arbeitsweise der Volkswirtschaften gibt – am Ende ruiniert die Gleichheit des Geldes uns alle! Denn unser aller Geld ist gleichermaßen fehlerhaft und unvollständig. Dass es mit Amerika nun relativ schnell ein Ende nehmen wird, kann eine Chance für Europa sein. Schließlich wissen wir alle seit vielen Jahren (und haben uns in der Vergangenheit oft genug darüber gefreut), dass „alles aus Amerika etwas später auch zu uns kommt“. Dieses Mal besteht allerdings keinerlei Anlass zur Freude. Doch weil in Europa noch produziert wird, neue Häuser noch nicht aus Pressspanplatten gezimmert werden und das Kartenhaus noch nicht ganz so heftig wankt, haben wir noch eine Frist, in der wir uns die Sache mit dem Geld überlegen können. Eine Frist, in der wir dahinter kommen können, weshalb Volkswirtschaften kometenhaft aufsteigen und meteoritenhaft wieder zurückknallen. Wir können uns mit aller Konsequenz von der Sichtweise trennen, dass „die Politiker es schon richten“ werden und können aufhören, auf Zinsen zu setzen.

Wir können uns dafür entscheiden, das Glück der Menschheit doch in einem allgemeinen Wohlstand und im weltweiten Frieden – ohne militärische „Absicherung“ – zu suchen und die Verwandlung von vielen Milliarden Menschen in Hungerleider als völlig unzeitgemäßes und absurdes Relikt aus barbarischen Zeiten ablegen. Noch haben wir die Zeit, zu verstehen, dass die einzige Sicherung für unser eigenes Leben und Vermögen darin besteht, dass die internationale Arbeitsteilung und der internationale Tausch aufrechterhalten wird. Noch können wir uns intelligentere Maßnahmen als Gerichtsprozesse und Verurteilungen von Bankern, Vorständen und Managern ausdenken und schlauere Lösungen als die weitere Kürzung der Sozialausgaben, die Erhöhung der Krankenversicherungsbeiträge und andere Beschlüsse, die das Papier nicht wert sind auf dem sie gedruckt werden.

Noch haben wir die Zeit, den Beweise anzutreten, dass es „intelligentes Leben im Universum“ gibt, denn noch haben wir die Zeit, Freigeld zu verstehen, zu wollen und zu fordern.

Nutzen wir diese Chance!

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