.

Laufzeitverlängerung

Alles ist mächtig unter Druck geraten: Die Regierung, die Opposition und ihre jeweiligen „Schachfiguren“, die sie ins Feld schicken, also die Polizisten und die Demonstranten. Man trifft sich in Stuttgart am Bauzaun und im Wendland auf den Gleisen. So sicher wie diese Blockaden und Demonstrationen nicht die Ursache der Schwierigkeiten im Lande sind, so sicher werden die Probleme durch solche Aktionen auch nicht gelöst. Never.

Was gibt es zu den Vorgängen, die sich aktuell vor unser aller Augen abrollen, zu sagen? Vieles. Viele richtige Statements, die sich gegenseitig beinahe ausschließen, nicht unter einen Hut zu bekommen sind und die bei all den Millionen Menschen, die „die Sache“ nur im Fernsehen verfolgen, zu unentwirrbaren Knoten in den Gehirnwindungen führen. Die Statements ergeben auf jeden Fall keine stimmige und zufriedenstellende Antwort.

Man kann beide Seiten „verstehen“. Die „beiden Seiten“ verstehen sich sogar zum Teil gegenseitig. Hier der Polizist, der sagt, dass es ihm mächtig stinkt, für eine schlechte Politik herhalten und den Knüppel schwingen zu müssen. Dort die Aktivisten, die in der Mehrzahl gewaltlos demonstrieren und die Eskalation verhindern wollen. Alles versteht sich irgendwie und trotzdem gibt es Haue, blaue Flecken, zerschossene Augenlider, Prellungen, Quetschungen, Verhaftungen, Prozesse und so weiter und so weiter. Wie kann denn das sein? Man versteht sich und kloppt sich? So geht es ja noch nicht einmal im Kindergarten zu. Wem macht denn so etwas Spaß und welche der „beiden Seiten“ will denn auf diesem „verständnisvollen Weg“ die Schlacht gewinnen?

Was soll das für eine Politik werden, die sich – die Gunst der Stunde nutzend – mit Sitzblockaden und Verpflegung aus der Gulaschkanone, ganz volksnah eben, dorthin demonstrieren will, wo der derzeitige politische Gegner nicht sein sollte: „An die Macht“? Dass Politik nicht „die Macht“ selbst ist, dürfte inzwischen hinlänglich bewiesen sein: Stuttgart, Wendland, Vergangenheit, Gegenwart. Dass Politik immer „im Auftrag der Macht“ handelt, wird somit langsam offensichtlich. Nun wäre es doch interessant, herauszufinden, in wessen Händen „die Macht“ denn liegt, damit man weiß, in wessen Auftrag man unterwegs sein wird, wenn man „an die Macht“ kommt.

Weiß das Claudia Roth, die sich grimmig und volksnah gibt und etwas übergewichtig (sorry) mit auf den Gleisen hockt? Oder Renate Künast, die in Berlin Herrn Wowereit die Macht aus den Händen winden will? Kann Wowereit sagen, in wessen Auftrag er tut, was er tut und unterlässt, was er unterlässt? Ist es Geheimwissen, das sich nur Merkel, Schäuble und Ursula von der Leyen brüderlich teilen? Erfährt man die ganze Wahrheit erst, wenn man selbst „an der Macht“ ist? Dann wären die, die gerade dran sind, ja doch die Mächtigen, was sie aber offensichtlich nicht sind…

Ein Labyrinth ist ein Fliegenschiss im Vergleich zu derartig beanspruchten Gehirnwindungen, in denen kein Wegweiser namens „Logik“ zu finden ist. Da kann man nur froh sein, wenn man weder zur einen noch zur anderen Seite gehört und das ganze Theater nur vor der Glotze verfolgt und gefahrlos den Fernseher beschimpfen kann. Froh wird man dort, in der „ersten Reihe“, aber auch nicht. Denn wenn man die Glotze ausmacht, dann glotzt einem die Wirklichkeit so derart frech und unverschämt ins Gesicht, dass man einfach nur noch „zu tief ins Glas gucken“ möchte, um Herr der eigenen Gewaltbereitschaft zu bleiben. Das, was die einen wissen, hilft nicht und das, was die anderen nicht wissen, hilft auch nicht. Das ist der Stand der Dinge am 9. November 2010 in Deutschland. Und anderswo auch.

Es gibt kein taugliches Wissen auf der einen und auch nicht auf der anderen Seite. Dies bedeutet jedoch nicht, dass es ein „Geheimwissen“ gäbe, ein Ungeheuer, das uns verschlingt, ohne dass wir wissen, wer dieses Ungeheuer ist und wo es anzutreffen wäre. So oder so, es gibt keine Konzepte und Pläne auf dem Tisch, die auch nur den Anschein erwecken, tatsächlich etwas bewirken zu können. Grün soll das nicht von sich behaupten, ebenso wenig wie Gelb, Rot oder Schwarz.

An der Macht ist das Geld. Ein Geld, über das niemand die Kontrolle hat, auch nicht der, der Berge davon sein eigen nennt. An der Macht ist ein Geld, das 95% der Menschen machtlos macht und 5% zu Menschen, die nicht wissen, was sie mit all ihrem Geld machen sollen. Ein Geld, das kein Mensch sachgerecht und vernünftig verwalten kann, gibt den Takt und die Richtung vor, in die wir alle marschieren – um uns am Ende gegenseitig die Schädel einzuschlagen. Wer will leugnen, dass Geld eine wichtige Rolle spielt und es daher schon wichtig ist, wie Geld funktioniert, wie es gemacht und verwaltet wird? Wer möchte heute behaupten, dass die Richtung, in die sich unsere Gesellschaft entwickelt, schon okay ist und alles irgendwie „wieder werden wird“, ohne dass man genau weiß, wo der Schuh drückt? Wird ein Krebskranker im Endstadium irgendwann gesund, wenn er einfach nicht zum Arzt geht und nicht wissen will, wie es tatsächlich um ihn steht? Wohl kaum. Zu glauben, dass einem schon nichts passieren wird, wenn man nur nicht genau weiß, was gerade geschieht, ist naiv – um es mal „nett“ auszudrücken.

Die Farbe, unter welcher eine Partei firmiert, ist nicht so wichtig. Doch ob naive Menschen am Werke sind oder Klardenker, ist sehr wichtig. Selbst die Kirche musste in den vergangenen Jahrhunderten sich zumindest teilweise der Vernunft beugen und hier und da Wissenschaft und Logik zu Rate ziehen. Soweit sind wir auf dem Gebiet der Ökonomie leider noch nicht. Da geht es zu wie in den mittelalterlichen Klöstern, in denen alles geglaubt und wenig gewusst wurde. Ausgenommen natürlich die Bierbrauerei. Die „Besten der Besten“ unter unseren aktuellen Ökonomen widersprechen sich vehement vor laufender Kamera – doch alle beraten die gleiche Regierung. Gäbe es nach einem Regierungswechsel andere „Experten“?

Alles ist eine Frage des Geldes: Die verpfuschte Atomwirtschaft nebst der dazu passenden Politik. Stuttgart 21 ist eine Frage des Geldes und die Arbeitslosigkeit ist eine Frage des Geldes. Hohe Steuern und steigende Krankenversicherungen bei sinkender Leistung sind Fragen des Geldes und der Fachkräftemangel ist auch eine Frage des Geldes. Alle unsere Probleme haben mit Geld zu tun und das sollte uns und vor allen Dingen unsere Politiker dazu veranlassen, das problembehaftete Objekt einmal näher in Augenschein zu nehmen und einem „Funktionscheck“ unterziehen. Das machen wir mit unseren Autos und unseren inneren Organen – weshalb nicht auch mit einem der wichtigsten Elemente des Wirtschaftens?

Schäuble meinte kürzlich, dass er den Eindruck habe, die USA seien recht ratlos, was die Geldpolitik anginge. Ist Schäuble etwa weniger ratlos? Glaubt er sich sicher, nur weil die USA einen Schritt näher am Abgrund taumeln als Deutschland? Gibt es nicht immer einen, den die Hunde zuletzt beißen? Eines ist jedenfalls sicher: Nur nach einer Geld- und Bodenreform wie sie die Freiheitswerker fordern kann es zu einer wirklich „strahlenden Zukunft“ kommen – wenn wir diesen Schritt nicht gehen, kann uns nur ein Castor-Unfall dazu verhelfen!

Share

Banner

FacebookMySpaceTwitterDiggDeliciousStumbleuponGoogle BookmarksRedditNewsvineTechnoratiLinkedinMixxRSS FeedPinterest

Wer ist online

Aktuell sind 53 Gäste und keine Mitglieder online

News

  • First parts of the content of this website are now available in english language. In the upcoming time we will translate more and more of the vital economic informations we offer on our pages into various languages. In the moment the following articles are at your disposal:

    Our mission
    The problem
    The solution

Zum Seitenanfang