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Wohin?Das meint Professor Binswanger, dereinst Doktorvater von Joseph Ackermann. Das Thema „Wachstum“ beschäftigt den Schweizer Ökonomen sehr. Er schreibt Bücher darüber, ist auf diversen Podien anzutreffen und wird nicht müde, davon zu sprechen, dass alle „sich mäßigen“ sollen.

Im Spiegel hat er in einem kurzen Interview seine Sicht der Dinge dargelegt.  Da Prof. Dr. Binswanger sich selbst zu den Ökonomen zählt, die das „vernünftige und kritisch-alternative Lager“ seiner Zunft darstellen sollen, nehmen wir dieses Interview zum Anlass, seine Position zu beleuchten.

Leider gibt es nicht viel Gutes in und zwischen den Zeilen des Interviews zu finden, denn mit vielen Worten sagt der Herr Professor letztlich doch nichts anderes, als dass die Leute gefälligst den Gürtel enger schnallen sollen, damit die Kapitalgeber der Wirtschaft mit ordentlichen Zinszahlungen bei Laune gehalten werden können. Bei ihm hört sich das natürlich besser an. Doch weniger Wachstum bedeutet nun mal weniger Würste und weniger Zahnersatz. Gut. Viele Menschen können auf Würste und Zahnersatz verzichten, doch nicht alle. Und schließlich wird unterm Strich alles weniger, wenn man mit weniger Wachstum in der Wirtschaft auskommen soll. Weniger ist hier eindeutig nicht besser – zumindest nicht, wenn man bedenkt, wie sehr es doch vielen Familien immer noch an guten Dingen an „allen Ecken und Enden“ mangelt. Da fragt man sich, wie das Leben mit „noch weniger“ schöner werden soll? Das Thema Wachstum sollte man – bei allem Respekt – etwas differenzierter betrachten, sonst können wir am Ende nur sagen: „Zweimal abgeschnitten und immer noch zu kurz!“

Auf jeden Fall ist für Prof. Dr. Binswanger völlig selbstverständlich, dass Geld nur gegen Zinsen ausgeliehen wird, dass man also Geld mit Geld macht. Geld verdient Geld. Vielleicht meint er ja mit seinen Mäßigungsappellen, dass sich die Zinsenbezieher bescheiden sollen? Doch wie könnte das aussehen? Sollten die Sparer zur Bank laufen und dort anmelden, dass sie gerne weniger Zinsen auf ihre Guthaben hätten? Nach dem Motto: „Wir möchten uns gerne bescheiden, damit die Wirtschaft nicht so schnell wächst!“ Wie stellt der Herr Professor sich das vor? Und wie zwingt man die, die das partout nicht einsehen?

Wir wollen uns nicht lange in Absurdistan aufhalten, denn da gelangen wir hin, wenn wir mit Logik auf das binswangersche Ansinnen reagieren. Wie kommt ein Professor der Ökonomie dazu, solch einen irrealen Vorschlag zu machen? Wo ist der erste Irrtum, dem er verfallen ist? Den er aber nicht als Irrtum erkennen will und daher versucht, die Schwächen, die diesem Irrtum anhaften, mit neuen Gedankenirrtümern auszumerzen?

Der Grundirrtum könnte darin bestehen, dass er sich ein „werthaltiges Geld“ wünscht. Denn das wünschen sich alle Leute, die in der „Geldschöpfung der Banken“ das Problem ausmachen. In ihrer Welt sind die Banker die „Bankster“, die an den Schaltstellen der Macht sitzen und aus purer Bösartigkeit und Machtgeilheit Geld „aus dem Nichts“ machen und damit die Peitsche schwingen für ein zu schnelles Wachstum in Deutschland. Das tut weh. Bestimmt gibt es in der Berufssparte der Banker auch den einen oder anderen Hallodri. Doch die Banker für den ganzen Schlamassel verantwortlich machen zu wollen, ist ungefähr so, als würde man eine Katze in ein Zimmer voll mit Mäusen sperren, damit sie fünf davon fängt. Wenn sie dann sieben verschluckt, wird sie bestraft.

Wie sehr der Gedanke der „Geldschöpfung aus dem Nichts durch die Banken“ in die Irre geht, haben wir und andere schon an vielen Stellen abgehandelt. Die Lektüre lohnt. An dieser Stelle sei nur die Anmerkung gemacht, dass die Banker doch ganz schön blöde sein müssten, wenn sie dem eigenen Bankrott entgegen gehen, obwohl sie doch mit einer „etwas intensiverer Geldschöpfung aus dem Nichts“ diesem locker entgehen könnten. Dazu müsste doch eigentlich eine weitere Teilzeitkraft pro Filiale ausreichen…

Die Ursache all unserer Geldprobleme liegt in dem Gedanken, dass Geld etwas „Wertbeständiges“ sein müsse. Ein Geld, das so „wertvoll“ ist, dass die Klugen und Gewieften sich in Kaufkraftzurückhaltung üben – also nix kaufen, nix bestellen, einfach nur das Wachstum bremsen –, um so viel davon anzuhäufen, dass es später mal für ein sonniges Alter reicht und sogar dafür, es anderen gegen Zinsen zu leihen, damit die „Selbstversorgung mit Tauschmittel“ praktisch ohne eigene Arbeit flutscht. Ein Gedanke, der jeder Sklavenhaltergesellschaft zur Ehre gereicht.

Tatsächlich hat Geld aber nur dann einen Wert, wenn es seinen Nutzen als Tauschmittel voll entfalten kann. Wenn es gleichzeitig auch noch irgendwo ruhen soll und man mit dem Geld einfach mehr Geld machen kann, dann kann es diesen Nutzen nicht entfalten. Das gewünschte Paradies, sich durch fremder Leute Arbeit zu bereichern, bringt es aber auch nicht! Denn die Maschinerie – der Wirtschaftskreislauf – beginnt zu stocken. Zuerst an der einen Stelle, dann auch an der anderen. An der einen Stelle fängt der Motor an, heiß zu laufen – und woanders kommt die Maschine völlig zum Erliegen. Rien ne vas plus.

Ein Tauschmittel, das nicht reibungslos funktioniert, hat genau diese Wirkung auf unsere global vernetzte, hochkomplex-arbeitsteilige Wirtschaft. Punkt. Kybernetische Prozesse nehmen nunmal keine Rücksicht auf die simpel gestrickten Ideen von Professor Binswanger und seinen Kollegen!

Wenn eine Maschine ins Stottern kommt, dann gehen die Ingenieure hin und schauen, was mit dem Motor los ist. Sie bezichtigen nicht den Maschinenführer der Bösartigkeit. Sie sehen das Problem auch nicht darin, dass der Fabrikant sich so viele Maschinen angeschafft hat. Sie schrauben das Gehäuse auf und forschen nach dem Fehler im Motor. Und wenn der dann beseitigt ist, dann läuft die Maschine wieder.

Herr Binswanger steht mit den Bankern – in dieser Analogie die Maschinenführer – auf Kriegsfuß. Und er meint, das Problem in der „Quantität der Maschinen“ zu verorten. Mit Beidem liegt er so klar daneben, dass man sich fragt, was denn an unseren Wirtschaftsfakultäten überhaupt los ist und was dort gelehrt wird? Für was gibt es denn dort gute Zensuren? Welche Leistung wird mit „summa cum laude“ gewürdigt? Und was sind das für Professoren, die Doktoranden ausbilden und anschließend mit den miserablen Berufsergebnissen ihrer Zöglinge so rein gar nichts mehr zu tun haben wollen? Man sollte doch meinen, dass auch hier die Äpfel nicht allzu weit vom Stamm entfernt fallen…

Würde es in den ökonomischen Fachbereichen nur halb so wissenschaftlich, logisch und fundiert zugehen, wie zum Bereich in den Fächern Maschinenbau und Chemie, dann sähe unsere Welt wohl anders aus. Doch noch ist die Volkswirtschaft eine Disziplin, die mehr mit Kaffeesatzleserei und Glaskugelbeschau zu tun hat als mit einem seriösen Studienfach! Darüber sollten sich die Professoren auf den volkswirtschaftlichen Lehrstühlen mal Gedanken machen – und zwar erst recht jene, die bereits emeritiert sind und das „sich verkaufen müssen“ daher schon hinter sich haben.

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