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Das Heilige LandDie palästinensische Geschichte passt in kein Hollywood-Drehbuch. So richtig kann man aus den Palästinensern keine Terroristen machen, da die Menschen in Gaza und der Westbank schon seit Jahrzehnten einfach zu viel Not und Elend ertragen müssen, als dass man dies für „den richtigen Umgang mit allzu temperamentvollen Orientalen“ halten könnte.

Palästina ist eine Frage des Bodens. Nicht nur Palästina, doch hier wird die „Bodenfrage“ so deutlich, dass sie einfach nicht verdrängt werden kann. Immer wieder kocht sie hoch, immer wieder stellt sie sich, immer wieder ruft sie die gleiche Gewalt hervor. Und wird dies so lange tun, bis sie gelöst ist.

Die Frage, die sich in Israel und Palästina jeden Tag aufs Neue stellt, lautet: Wem gehört der Boden hier? Den Juden? Den Moslems? Den Kanaanitern oder den Israeliten? Die Frage ist so alt wie die menschliche Kulturgeschichte und der Preis dafür, dass sie bislang noch ungelöst ist, wird mit Leben um Leben bezahlt. Vielleicht kommen wir nicht auf die richtige Antwort, weil wir die falsche Frage stellen?

Israelis, Palästinenser, die USA, Deutschland und die UNO kommen einfach auf keinen grünen Zweig, wenn es um eine „gerechte Lösung“ für den Nahen Osten geht. Selbst wenn man einen palästinensischen Staat ausruft, wird die Sache nicht gelöst sein. Wenn man keinen palästinensischen Staat ausruft, erst recht nicht. Im heutigen Israel, der Westbank und in Gaza leben vielleicht 3,5 Millionen Palästinenser. Außerhalb dieser Region, verstreut über den ganzen Erdball, leben mindestens noch einmal 6 Millionen Palästinenser. Ein Großteil davon „assimiliert“ in Jordanien und zumindest akzeptiert in Syrien. Oder auch in den palästinensischen Flüchtlingslägern des Libanons, die es nun schon seit dem Krieg des Jahres 1948 gibt. In den dortigen Lagerbehausungen findet man bis heute noch „heilige“ Andenken aus der Zeit vor 1948: Der alte Haustürschlüssel, der die Hoffnung verkörpert, dass man eines Tages auf die Westbank, nach Haifa, Safad, Jerusalem oder nach Bethlehem zurückkehren wird.

Was sagt man diesen Menschen, wenn der palästinensische Staat erst einmal gegründet ist, jedoch unmöglich mehrere Millionen Heimkehrer aufnehmen kann? Ihr könnt den alten verrosteten Hausschlüssel nun wegschmeißen? Oder: Ihr könnt in den Irak ziehen, Deutschland um die Aufnahme von zigtausend Flüchtlingen bitten oder es euch in Gaza-City im Dutzend auf 5 qm gemütlich machen? Diese Vorschläge wurden schon damals, als sie zumindest noch theoretisch denkbar waren, nicht umgesetzt. Die falsche Frage lautet also: Welchem Volk gehört der Boden in Nahost? Falsch ist diese Frage deshalb, weil es auf sie keine Antwort gibt, die Frieden bringen wird. Nicht in hundert Jahren und auch nicht in tausend.

Anlass für diesen Artikel sind Berichte des „Guardians“ über angebliche Zugeständnisse durch den palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas im Verlaufe der Friedensverhandlungen mit Israel im Jahr 2008. Dabei ging es um Land, auf das die Palästinenser verzichten wollten, wenn es dafür endlich Frieden gäbe. Gegenüber der eigenen Bevölkerung gab man sich damals weitaus härter und kompromissloser. Die jetzigen Enthüllungen verheißen palästinensischen Bürgerkrieg, denn nun könnte sich die Wut der notleidenden Bevölkerung gegen die eigene Regierung richten. Nach Israel dürfen sowieso nur einige Wenige mit Zustimmung des Militärs, weshalb die Bevölkerung in Gaza ihre Wut austoben muss. Könnte sie anständig leben, würde sie dies sicher lieber tun.

Zurück zur falschen Frage, respektive zur richtigen Antwort, die zum Beispiel Silvio Gesell sehr treffend formuliert hat. Diese lautet, dass „der Boden allen Menschen gehört“. Obwohl die richtige Antwort also bereits existiert und sich keineswegs sehr kompliziert anhört, plagen sich immer noch sämtliche Parlamente der Welt, alle Kongresse, Versammlungen, internationalen Ausschüsse und Gerichtshöfe noch mit der falschen Frage herum – und Milliarden Menschen bezahlen dafür mit Hunger, Elend, Vertreibung, Krieg und Ausrottung. Man könnte angesichts dieser Tatsachen meinen, der Gott eines solchen Menschengeschlechts zu sein, müsse irgendwas mit Masochismus zu tun haben…

Doch zurück zu den Problemen, die Gottes „ganz spezielles Volk“ hat. Israel hat eigentlich ein ganz tolles Bodenrecht! Denn dieses Volk plagt sich nicht wie der Rest der Welt mit dem „römischen Bodenrecht“ ab. In Israel ist man, was das angeht, ganz „germanisch“, denn es gilt die Almende! Anders wäre die Staatsgründung wohl nicht zu realisieren gewesen. Das ganze Land gehört dem Staat, also allen. Israelis natürlich. Gepachtet wird der Boden vom Staat - der verpachtet ihn. Das ist eine sehr gute Sache, denn der Boden im Privatbesitz ist neben einem zinstragenden Geld seit Jahrtausenden die zweite Heimsuchung der Menschheit, die es zu überwinden gilt.

Was in Israel deutlich wird, ist, dass Lösungen und Ansätze, die an und für sich richtig sind, immer noch untauglich sind, wenn nicht alle Menschen rund um den Erdball in den Genuss dieser Lösungen kommen! Kein Volk der Erde kann eine Mauer um sich ziehen, drinnen alles richtig machen und denken, dass „die da draußen“ doch zusehen sollen, wie sie klar kommen. Wären wir heute noch wenige Millionen, die verstreut über den gesamten Globus lebten, dann würde uns wohl nicht auffallen, dass das mit den nationalen Grenzziehungen nicht funktioniert. Doch heute bevölkern beinahe sieben Milliarden Menschen die Erde und jeder Einzelne davon will satt werden. Nun gibt es die, die gleich wissen, dass „das halt nicht geht“ und daher Hunger und Krieg zum menschlichen Leben gehören. Doch was waren dann die Kriegsgründe als die Weltbevölkerung noch nicht einmal eine halbe Milliarde zählte? Wie viele Menschen dürfte es denn geben, damit alle satt werden?

Sicherlich ist Kinderreichtum eher ein Zeichen von Armut. Es gäbe also wahrscheinlich weniger Leute als heute, wenn das Geldsystem eine echte Währung erlaubte und das Bodenrecht nicht permanente Quelle von Mord und Totschlag im großen Stil wäre. Doch ob wir letztlich 4, 5 oder 8 Milliarden auf diesem Planeten sind, ist ziemlich „wurscht“. So oder so brauchen wir Lösungen, die immer und für alle menschenwürdige Lebensbedingungen ermöglichen. Unsere heutigen ökonomischen Bedingungen – und das schließt das Inseldasein des israelischen Staates mit ein – entziehen einem großen Teil der Erdbevölkerung systematisch die Lebensgrundlagen. Da ist es kein Wunder, dass sich ein globaler Flächenbrand entwickelt, den bald nur noch Außerirdische löschen könnten… wenn es die denn gäbe.

Noch könnten wir dies selber tun, allerdings nur, wenn wir die Augen vor den Überlebensnotwendigkeiten der Anderen nicht verschließen würden. Stattdessen erklären wir sie zu Terroristen, damit wir uns ihrer legal und „rational“ entledigen können. Und gehen anschließend gegen die Bundeswehr vor, wenn unsere Söhne seelisch und körperlich zerstört von der „Terroristenjagd“ nach Hause kommen. Wenn wir es genau nehmen, sind wir alle Terroristen, denn diesseits wie jenseits des Jordans ist man sich völlig sicher, dass „die Bösen“ am jeweils anderen Ufer zu finden sind. Ganz genau so hat man es einst im geteilten Deutschland gesehen. Und auch hier in Deutschland ist gut zu sehen, dass der Fall von Mauern und eine wiederhergestellte staatliche Einheit nicht dazu führt, dass gesellschaftliche Zerreißprozesse zum Halten kommen. Wir brauchen weder den Jordan, noch die Mauer, um – wie seit eh und je – den gewaltigen sozialen Spannungen zu erliegen, die alle bisherigen Hochkulturen zerstört haben.

Die Zwei-Staaten-Lösung ist auch in Palästina keine wirkliche Lösung, obwohl sie derzeit die einzige „politisch korrekte“ Idee ist. Es gibt genügend Palästinenser, die das wissen und sich deshalb nicht am Verhandlungstisch einfinden. Ein kleiner Teil von diesen ist wirklich höchst gewaltbereit, also bereit zum Terror. Die kann man dann auch ruhig als solche bezeichnen. Doch wie gewaltbereit sind denn jene, die bereits am Verhandlungstisch sitzen? Wie viele Tote haben sie schon in Kauf genommen für die „Lösungen“ der Vergangenheit und wie viele Tote werden es sein, die auf Grund irgendwelcher nicht funktionierender Vorschläge noch hinzunehmen sind? Sind das einfach nur „Kollateralschäden“?

Wenn wir nicht irgendwann doch noch alle zu den Waffen gerufen werden wollen, dann sollten wir alle „Gewaltbereiten“ an und abseits der Verhandlungstische zu den Büchern und zur Vernunft rufen. Das gilt für sämtliche Verhandlungstische der Welt. Ob diesem Ruf genügend folgen werden, um die menschliche Zukunft „kultiviert“ zu ermöglichen, ist noch nicht raus.

Aber anders lässt sich die Bodenfrage natürlich auch formulieren: To be or not to be?

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