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Der Abgang Mubaraks, arabischer „Grande des Kapitals“, wurde per Life-Stream, Online-Protokoll und Twitter-Liste im Sekundentakt verfolgt. Millionen Menschen freuten sich und wittern nun Morgenluft für Freiheit und Wohlstand. Doch ein ganz andersartiger Abgang, der wesentlich leiser vonstatten ging, ereignete sich zeitgleich im Abendland und wird sich schon bald als Menetekel für derartige Hoffnungen erweisen: Axel Weber, deutscher Bundesbankpräsident, will selbiger nicht mehr sein!

Sicherlich hatte der Showdown am Nil mehr Unterhaltungswert, doch werden sich die Gründe Axel Webers für seinen Abgang von der geldpolitischen Bühne als „nachhaltig übler“ erweisen – selbst wenn diese Gründe in näherer Zukunft wohl kaum jemals in der Kombination von „ehrlich“ UND „öffentlich“ erörtert werden. Denn diese Gründe dürften in absehbarer Zeit das Leben von so vielen Millionen Menschen auf derart unangenehme Art und Weise berühren, dass das ägyptische Leben unter „Ramses aka Mubarak“ im Rückblick als reines Zuckerschlecken erscheinen wird.

Immerhin sollte Axel Weber den derzeitigen EZB-Präsidenten Jean Claude Trichet als „oberster Währungshüter des Euro“ ablösen. Was für ein Amt! Welch ein Gehalt und was für Pensionsansprüche! Was treibt einen Menschen, der noch lange nicht das Rentenalter erreicht hat, dazu, diese Karriereaussicht dankend abzulehnen? Spinnt der Weber jetzt oder hat er beim besten Willen keinen Platz mehr in seinem Geldbeutel gefunden? Das Kanzleramt und die Presse würden es gerne so aussehen lassen als hätte Axel Weber sich selbst eine „glänzende Euro-Zukunft“ verdorben. Doch findet man leider nicht viel im Leben dieses Zeitgenossen, womit er sich das „eingebrockt“ haben könnte. Nicht viel mehr als mangelnde Diplomatie. Doch die betrachtete Weber noch nie als wichtiges Werkzeug der Bundesbank.

Von „Entmachtung“ und „Selbstdemontage“ ist in den Medien die Rede. Wie glänzend könnte unser aller Zukunftsaussicht sein, wenn das auch nur im Ansatz stimmen würde! Die Wirklichkeit sieht anders aus: Axel Weber ist einfach nicht dumm genug, um für eine weitere Amtszeit und gar als EZB-Chef zur Verfügung zu stehen! Er hat sich mit einiger Sicherheit ausgerechnet, was mit dem Euro in den nächsten paar Jahren passieren wird und will nicht den „Mubarak der Moneten“ mimen – zumindest nicht, solange er nicht sicher sein kann, dass am Ende das „Exil“ und nicht „die Laterne“ wartet! Denn germanisches Blut wallt in der Regel heftig, wenn es erst einmal so weit ist. Und um sich von einem wütenden Mob aufknüpfen zu lassen, ist sich Herr Weber offensichtlich – und verständlicherweise – zu schade. Also lehnt er lieber dankend ab, wenn die Kanzlerin gedenkt, ihn just zu diesem Zeitpunkt ganz nach vorne schieben zu wollen.

Damit ist Herr Weber zu einer fallengelassenen Laufmasche im dicht gewebten Netz der „Lügenbolde und Politheinis“ geworden, die nun schleunigst zusehen müssen, wie sie diese Laufmasche wieder aufnehmen und mit einer anderen Figur besetzen, damit nicht noch mehr Laufmaschen verloren gehen und am Ende das Netz zerstören. Peer Steinbrück könnte inkompetent und dumm genug sein, diese Figur werden zu wollen. Sein Problem. Doch was sieht Axel Weber, wenn er morgens in den Spiegel schaut? Einen aufrechten Kämpfer für eine Währung? Einen seriösen und verlässlichen Geldmacher?  Hoffentlich doch nicht.  Denn wenn er heute weiß, dass es mit dem Euro nicht mehr lange gut gehen kann, dann hätte er dies nämlich auch schon vor Jahren wissen können! Tatsächlich hätte er schon zu D-Mark-Zeiten wissen können, was währungspolitisch schief läuft.

Sich selbst nun aus der Schusslinie bringen zu wollen, wird nicht ausreichen, um seine Existenz ausreichend abzusichern. Es wird ihm ergehen, wie es uns allen ergeht, wenn Deflation und Inflation über das Land und die Welt gezogen sind. Diese Währungsdesaster kosten mehr Menschen das Leben als alle Pest-Epidemien des Mittelalters zusammen! Auch als einfacher Bürger wird Axel Weber auf eine funktionierende Währung angewiesen sein. Für die hätte er zu sorgen gehabt in den vergangenen Jahren. Doch er hat seine Zeit nicht wirklich zukunftsweisend genutzt.

Nun sollen „Genossen“ die Bundesbank anführen und gar in die EZB einziehen. Peer Steinbrück könnte als Bundesbankchef seinen Parteifreund Thilo Sarrazin dorthin zurückholen – der kann ihm zumindest den Weg zur Kantine weisen. Sarrazins Frau wiederum kann dann die Ausbildung der Bundesbanker übernehmen, schließlich ist sie ihren Job als Grundschullehrerin in Berlin gerade losgeworden. Und wir alle können hoffen, dass das gut geht, selbst wenn es nicht „wahrscheinlich“ ist. Keinem Ägypter wünscht man solche Personalien! Doch auch dort versteht gegenwärtig wohl niemand genug von „Währung“ und „Tauschmittel“, so dass das, was die Ägypter nun erwarten dürfen, auch nicht viel besser sein wird als das, was sie in den vergangenen Jahren hatten. Dabei müssten gerade die Ägypter nur einmal einen Blick in ihre eigene Geschichte werfen, um die Lösung für ihre aktuellen Probleme zu finden.

Denn im Ägypten der Pharaonen galt eine frühe Form von „Freigeld“: Der Schekel! Dieser hatte nur insofern mit jenem Geld zu tun, das heute in Israel benutzt wird, als das er ihm seinen Namen gab. Der Schekel der Pharaonenzeit war ein Gewichtsmaß, das vor allem für Getreide benutzt wurde. Die damalige „öffentliche Hand“ war so schlau, Getreidesilos zu bauen, die von allen Bauern genutzt werden konnten. Wenn ein Bauer sein Getreide ablieferte, bekam er eine Tonscherbe, auf der die Menge des abgelieferten Getreides eingeritzt wurde. Mit dieser Tonscherbe konnte er später zu beliebiger Zeit das Getreide wieder abholen. Da die Silos durch Wärter bewacht werden mussten, die entlohnt werden wollten, und überdies Ratten und Schimmel ihren Tribut an der Ernte forderten, bekam der Bauer, wenn er das Getreide wieder abholen wollte, weniger als er gegeben hatte – und zwar umso weniger, je länger er abgewartet hatte. Um diesen Verlust so gering wie möglich zu halten, liefen die Tonscherben schon bald so um wie bei uns das Bargeld. Denn während der Bauer selbst noch genug Getreide besaß, hatte vielleicht der Schneider oder der Kerzenmacher gerade keines mehr, so dass der Bauer ein paar Kleider oder neue Kerzen mit den Tonscherben kaufen konnte – und da die Tauschpartner das Getreide jetzt bald abholten, war der Verlust geringer als wenn der Bauer gewartet hätte, bis er selbst wieder Getreide brauchte. Nicht dass wir hier für die Einführung eines solchen Weizengeldes plädieren. Doch die Idee, das Tauschmittel auf "Augenhöhe" mit den Waren zu bringen, die es tauschen soll, finden wir prima. Heutzutage würde dazu schon ein Datumsstempel auf dem Geldschein genügen.

Das pharaonitische Schekel-System bewährte sich immerhin über mehr als 15 Jahrhunderte! Eine Zeitspanne, angesichts derer man schon von „Währung“ sprechen darf – ganz im Gegensatz zu Mark, Dollar, Yen und Euro. Die Industriestaaten können hingegen dem ägyptischen Volk nur eines glaubhaft und nachvollziehbar versichern: Dass die „freie Wahl“ zwischen Republikanern und Demokraten ebenso wie zwischen CDU, SPD, FDP, Grünen oder Linken, keinerlei Einfluss auf die Insolvenz- und Arbeitslosenstatistiken eines Landes hat – und dass die Lohntüten im Durchschnitt mit der Zeit immer dünner werden. Denn während die „Reichen immer reicher“ werden, werden auch die Zinsanteile immer größer, die der Volkswirtschaft „entwendet“ werden, BEVOR die erwirtschafteten Einkommen auf die einzelnen Lohntüten verteilt werden. Zwar kann eine Notenbank dagegen „andrucken“, jedoch niemals „anstinken“! Denn wenn sie dies tut, zerstört sie unweigerlich jegliche Aussicht auf Geldwertstabilität. Das ist in Kairo nicht anders als in Brüssel oder Berlin.

Ob der Staatschef nun Mubarak heißt oder El Baradei, Merkel oder Nichtmerkel – das ist der Banknote so schnurz wie irgendwas! Gleiches gilt auch für den Namen des Notenbankchefs. Der Geldschein kann nur den ihm gewiesenen Pfaden folgen – und diesen Weg weist der Zins, der ihn immer schneller auf die höchsten Vermögensberge leitet. Wo ist die intelligente, aufrichtige und zugleich mutige Persönlichkeit des politischen Lebens, die diese Wahrheit in aller Öffentlichkeit ausspricht?

Axel Weber ist es jedenfalls nicht – selbst wenn er das „Spiel“ nun offensichtlich begriffen hat. Leider zieht er es vor, auch weiterhin die Klappe zu halten. Und so werden wir mit seinem Nachfolger genauso viel gewinnen wie wir mit seinem Weggang verlieren: Nämlich nichts! Nur das wachsende Problem bleibt uns erhalten. Die Lösung natürlich auch. Möge sie zur rechten Zeit umgesetzt werden... sonst nützt sie nämlich nichts!

 

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