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Noch sind die Schäden, die Erdbeben, Tsunamiwellen und atomares Feuer in Japan verursachen, bei Weitem nicht vollständig abzusehen, da ist einer vorausdenkenden Minderheit bereits klar, dass eine derart gravierende Zerstörung in der drittgrößten Volkswirtschaft unseres Planeten nicht ohne Auswirkungen auf den globalen Handel bleiben kann. Wie aber werden diese Auswirkungen aussehen?

Kann es tatsächlich sein, dass nach dem radioaktiven Fallout dieses Bebens „monetäre Schockwellen“ Asien, Europa und die USA heimsuchen werden? Wir meinen „ja“ und begründen dies wie folgt: Die Ereignisse in Japan machen auf geradezu exemplarische Weise die „Hierarchie der Bedürfnisse“ deutlich. Es gibt „aufschiebbare Bedürfnisse“ und „unaufschiebbare Bedürfnisse“. Menschen, die von „zu vielen und zu starken Naturkräften“ betroffen sind, werden auf ihre „unaufschiebbaren Bedürfnisse“ zurückgeworfen.

Was tun, wenn der örtliche Supermarkt „weggeschwemmt“ wurde, der im Nachbarort bereits leergekauft ist und wegen verschwundener Zufahrtswege auch so bald nicht wieder aufgefüllt wird? Der Handel? Ebenso zerstört wie die Behausungen. Ab Werk einkaufen? Auch das Werk ist in den Fluten versunken! Also auf: Alles Zerbrochene wieder „zusammenkleben“, damit wieder produziert werden kann, wieder gehandelt werden kann, wieder gewohnt werden kann. Doch hier beißen sich die Katzen in den Schwanz – nicht nur die japanischen!

Ohne Hilfe von außen sieht es damit nämlich ganz schlecht aus. Wenn die Infrastruktur zerstört ist und kaum klar ist, ob nicht noch Schlimmeres folgt (nukleare Katastrophe), fehlt es erst einmal an allem. Transportwege für Hilfskräfte? Unpassierbar. Da spielt es kaum eine Rolle, wie viele Fahrzeuge eingeflogen werden, selbst wenn, wie wir mal annehmen wollen, der Flughafen noch betriebsbereit ist. Räumung und Evakuierung benötigen Verkehrswege. Also werden jetzt jede Menge geländegängige Räumfahrzeuge gebraucht. Krankenhäuser, die nicht zerstört sind, kommen an ihre Belastungsgrenzen. Die Wohnungen im Land werden neu aufgeteilt. Man rückt zusammen und wer keine Verwandten hat, bekommt irgendwo eine Notbehausung – hoffentlich.

Ob in New Orleans, Christchurch oder Brisbane, in Pakistan, Chile oder Haiti. Ob wegen Sturm, Niederschlag, Erdbeben oder Seebeben: Jedes Mal ist es ein wenig wie nach einem Krieg. Produktionsmittel zerstört, Häuser kaputt, Sicherheiten futsch. Auf fremde Hilfe angewiesen. Angehörige verloren, Pläne durchkreuzt, Träume zerstört. Schock, Trauer, Apathie, Not und Verzweiflung. Und dazu, für die Mehrzahl der Betroffenen, finanzielle Probleme: Die Schulden drücken nun doppelt! Die Sicherheiten sind stark beschädigt. Die eigene Leistungsfähigkeit ist gemindert. Auch die Motivation hat oftmals gelitten. Wo kommt jetzt welche Art von Hilfe her? Einfach alles neu kaufen? Zu den bestehenden Schulden weitere, noch weniger gesicherte, dazu machen? Dieser Weg ist in der Regel versperrt.

Bedarf und Nachfrage sind im Kapitalismus nicht das Gleiche. Selbst ohne Katastrophen, die meistens die „Nichtreichen“ am Härtesten betreffen. Wer wenig Geld hat, kann voller Bedürfnisse sein. Ihm kann es an fast allem mangeln, ohne dass das Angebot an Waren und Leistungen sich daran ausrichten wird. Das Angebot von Produkten ist vom Geld – der Nachfrage – abhängig, mit dem der eigene Bedarf befriedigt und die Produktion am Leben erhalten wird. Nicht vom Bedarf der anderen! Bedarf ohne Geld ist die schreckliche Variante. Weit angenehmer ist es, Geld ohne Bedarf zu halten.
Auch in Japan halten 10 % der Bevölkerung die Mehrzahl der Ansprüche auf das Bruttosozialprodukt. Geld ohne Bedarf finden wir bei dieser Gruppe häufig. Der Bedarf der von der Katastrophe Betroffenen an Nahrung, Kleidung und Behausung steigt jetzt rasant an, während die Geldmittel für diesen persönlichen Bedarf nun noch knapper werden, weil die aufgenommenen Schulden nun ohne Sicherheiten sind. Und wegen des Verlustes an Chancen (die eigene zerstörte oder beschädigte Firma, bzw. der verlorene Arbeitsplatz bei der zerstörten Firma) können Schulden auch noch schwerer zurückgezahlt werden. Das verursacht Insolvenzen. Vielerorts, tausendfach. Also wird es noch enger auf der Insel, selbst wenn – wie wir stark hoffen wollen – nicht große Gebiete durch atomare Verseuchung unbewohnbar werden.

Der Arbeitsmarkt ist von der Katastrophe ebenso betroffen wie der Wohnungsmarkt. Können steigende Wohnungsmieten die Bautätigkeit ausreichend ankurbeln? Können steigende Steuern – die wegen der erzwungenermaßen höheren „Subventionstätigkeit des Staates“ jetzt eigentlich notwendig wären – überhaupt noch erwogen werden? Denn wenn der Arbeitsmarkt enger wird, drückt das auf die Löhne. Und damit auch auf die Steuereinnahmen, die unter diesen Bedingungen erzielt werden können. Steuererhöhungen sind daher jetzt, selbst wenn sie wirtschaftlich notwendig sind, so etwas wie politischer Selbstmord. Was also tun?

Kann sich der Staat im Ausland finanzieren? Das würde die Steuerlast erst in der Zukunft erhöhen. Doch werden die Vermögenden einen Teil ihrer Vermögen abschreiben müssen, der jetzt schon als Forderung gegenüber den von der Katastrophe betroffenen japanischen Schuldnern kursiert. Da diese „abgeschriebenen Vermögen“ aber nicht erneut verliehen werden können, wird sich der Geldumlauf, der durch Investitionen zustande kommt, aus dem Neudruck von Geldmitteln speisen müssen. Dafür wird die „zentrale Quelle“ sorgen müssen, wenn sie der Verlangsamung des Geldumlaufs entgegenwirken will, der ja in der Verlangsamung des Wiederaufbaus seine Entsprechung fände.

Dem Weniger an Waren (wegen der zerstörten Produkte und den Produktionsausfällen, die bis zur Wiederinbetriebnahme der zerstörten Produktionsstätten auflaufen) darf jedenfalls nicht auch noch ein Weniger an Geldmitteln gegenüber stehen, wenn das Zerstörte wieder repariert werden soll! Doch die Arbeitsplätze, die nun in der Baubranche entstehen, werden nicht die Verluste aufwiegen, die durch die Katastrophe entstanden sind. Viele Leistungen wird man sich daher sowieso im Ausland einkaufen müssen oder wollen.

Wie es um die Bonität von und um den Kredit für den japanischen Staat bestellt ist, ist da die große Unbekannte. Die Bedingungen für eine allgemeine Preissteigerung scheinen in Japan jedenfalls vorhanden zu sein: Weniger Produktion bei konstantem – vielleicht durch Neudruck sogar gesteigertem –Geldumlauf. Die Lage auf den Lebensmittel- und Rohstoffmärkten bleibt angespannt und verschärft sich voraussichtlich weiterhin, worunter vor allem die asiatischen Nachbarn zu leiden haben. Diese fallen daher in dem Maß als Nachfrager für andere Dinge (höhere – aufschiebbare – Bedürfnisse) aus, wie sie mehr Mittel für Nahrung aufwenden müssen als sonst. Der Biokraftstoff E 10, der die landwirtschaftlichen Nutzflächen zugunsten der Kraftstofferzeugung einschränkt, verschärft diese Situation.

Das alles kann relativ schnell einen Tsunami ganz anderer Art in Wallung bringen: Die galoppierende Inflation! Die Folgen aber, die eine rasch voranschreitende, dramatische Entwertung des Yen für die globale Wirtschaft haben wird, werden für viele Menschen auf diesem Planeten nicht weniger tödlich sein als ein Übermaß an Radioaktivität. Dabei wäre die Lösung für dieses Problem erheblich einfacher als es die Kühlung eines Siedewasserreaktors! Ein „umlaufgesichertes Geld“ böte die Möglichkeit, in solchen Krisensituationen zusätzliche Liquidität in den Markt zu geben, die sich dann, nach Bewältigung der Krise und erfolgtem Wiederaufbau, auch wieder aus dem Markt herausnehmen ließe. Genau in dieser „Steuerungsmöglichkeit“ liegt ja das Geheimnis von „Freigeld“ und der Grund, warum sich damit eine Währung realisieren lässt.

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