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Gehirn einschaltenAm 30. März sollen sich zur besten Sendezeit im Fernsehen „Finanzexperten“ zum Thema Inflation geäußert haben. Die Sendung habe ich selbst nicht gesehen und ich würde keine Sekunde zögern, diese Leute beim Namen zu nennen, doch kenne ich sie nicht und habe nur dem Inhalt nach erfahren, was dies Experten als „Strategie gegen die Inflation“ empfehlen.

Aber zunächst wurde den Deutschen wohl eine gesteigerte „Empfindlichkeit“ gegenüber der Inflation attestiert, weil dieses Volk so eine dramatische Erfahrung mit der Hyperinflation gemacht hat. Was sind die Deutschen doch für ein kluges, sensibles und intelligentes Volk! Während die Völker Afrikas wohl zu tumb sind, um sogar ihre gegenwärtige Inflation zu beklagen, „erinnert“ man sich in Deutschland sogar der Währungsdesaster, die sich vor zig Jahrzehnten abgespielt haben. Was für eine Hochkultur! So hoch, dass ich an diesem Absatz das Schild „Vorsicht! Ironie!“ anbringe.

Den TV-Experten zufolge ist die deutsche „Überempfindlichkeit“ aber deplatziert, da es ja „wirksame Strategien“ gegen die Inflation gibt. Die da wären: Oldtimer kaufen! Gemälde kaufen! In Rohstoffe gehen! Den meisten Menschen wird da relativ rasch klar, dass dies wohl keine Strategien für „jedermann“ sein können – und auch nicht für jede Frau! Zwar kann „jeder“ sein Erspartes für einen Oldtimer hergeben und es kann sich auch jeder ein paar Gemälde kaufen, doch eben nicht ALLE! Das könnte sogar Experten klar werden, wenn sie denn darüber nachdenken würden. Aber natürlich würde es dann argumentativ ziemlich „eng“ für diese Knaben. Aber so „natürlich“ wie für sie das Phänomen der Inflation ist, so natürlich ist es für sie wohl auch, dass nur „die Klugen“ – zu denen sie sich selbst offensichtlich zählen – die Strategien anwenden können, die sie empfehlen. Dazu gehören selbstverständlich jene, die 100.000 Euro durch „harte Arbeit und äußerste Spardisziplin“ angehäuft haben, um sie jetzt auf den Oldtimermärkten und Gemäldeauktionen nicht nur „wertstabil“ sondern sogar „renditeträchtig“ anzulegen. Ganz clever!

Da man nicht wissen kann, wer genau über Ersparnisse in dieser Höhe verfügt, greift man zur Statistik. Man addiert einfach das gesamte Volksvermögen und teilt es durch die einzelnen Volkmitglieder! Dann kommt heraus, dass wir alle so um die 100.000 Euro haben. Obwohl es viele Millionen Deutsche gibt, die noch nicht mal einen kennen, der einen kennt, der so viel Geld sein eigen nennt. Egal, was kümmern diese „Experten“ solche Nebensächlichkeiten? Um diesen „Fachleuten“ einen etwas differenzierteren Umgang mit der Statistik näher zu bringen, sollte man ihre Füße in zwei Eimer Wasser stecken – der eine mit kühlen 5 Grad Celsius temperiert, der andere, etwas wärmer, mit guten 80 Grad. Klagen dürften da eigentlich nicht kommen, denn „im Durchschnitt“ stecken ihre Füße ja in angenehmen 37,5° Grad, also sozusagen Körpertemperatur.

Solche „Experten“ sitzen gemütlich im TV auf dem Sofa und meinen tatsächlich, dass man nur klug genug sein müsse, um eine Währungszerrüttung zu überstehen. Wäre ich die Moderatorin gewesen, hätte ich die Herren Folgendes gefragt: Wie kann man nur sicherstellen, dass es in allen Berufssparten, in allen Forschungsdisziplinen, in allen Branchen rund um den Globus genügend „kluge Menschen“ gibt? Hätten die Herren nicht gewusst, was ich mit dieser Frage genau meine, dann hätte ich sie daran erinnert, dass zwischen dem Sandkorn und dem Silikonchip mehrere Hundert völlig unterschiedliche und voneinander unabhängige Arbeitsgänge liegen, die teilweise sogar auf unterschiedlichen Kontinenten vollzogen werden, so dass am Ende das Produkt, der Chip, nur deshalb entstehen kann, weil ein funktionierendes Tauschmittel Raum und Zeit geschmeidig überwindet und die verschiedenen Aktivitäten geräuschlos zu einer sinnvollen Produktion zusammenfügt.

Gäbe es jetzt in der Sandkorngewinnung zum Beispiel nicht genügend „kluge“ Leute, sondern nur solche, die sich von der Inflation ruinieren lassen, dann hätten die „Klugen“ im nächsten Produktionsschritt schon ein Problem: Woher den Sand nehmen, wenn nicht stehlen? Sicherlich ist die Weltwirtschaft flexibel und weicht aus. Doch alle Flexibilität und „Ausweicherei“ machen am Ende die Chips nur teurer. Das wird die Klugen bis zu dem Punkt, an dem selbst unternehmerische Findigkeit nichts mehr auszurichten vermag, zu immer weiteren Oldtimer-Käufen zwingen, weil die Inflationsgefahr ja immer realer wird. Was dann auch die Preise weiter nach oben treibt.

Diese Überlegungen sind natürlich ziemlich irre, doch leider auch die einzig „logischen“ Ableitungen, die man solchen Vorschlägen zur Inflationsbekämpfung entnehmen kann. Aber jene, die ins Fernsehen gelangt sind, denken ja nicht so weit. Deswegen fällt ihnen die Unsinnigkeit ihrer Behauptungen nicht auf. Vorher schalten sie das Denken einfach völlig aus. Als wären sie selbst ein TV-Gerät. Schließlich sollte man von den Klugen erwarten, dass sie sich zumindest einmal fragen, was sie denn auf dem Höhepunkt der „Hyperinflation“ mit ihren Oldtimern machen? Eine Spazierfahrt? Gegen eine Schubkarre voll Geld tauschen? Oder doch lieber gleich gegen Brötchen?

An diesem Punkt wird klar: Die vermeintlich Klugen sind die ganz Blöden! Denn wenn sich nicht alle Menschen mit Oldtimern gegen die Inflation rüsten können, dann kann man auch nicht dafür sorgen, dass der Handel und die arbeitsteilige Produktion aufrecht erhalten werden. Und dann sitzen auch die Klugen im Dunkeln oder auf dem Trockenen. Ob das leichter zu ertragen ist, wenn man weiß, dass in der Garage ein Oldtimer steht und ein günstig „geschossener“ Picasso an der Wand hängt? Wie viele Oldtimer und Picassos wird man sich zulegen müssen, um mit einer fünfköpfigen Familie drei Monate Hyperinflation zu überstehen?

Woher nehmen diese Leute ihre Gewissheit, dass es völlig „natürlich“ ist, wenn die Wirtschaft sich immer mehr an einen Punkt entwickelt, an dem der „Stino“ – der Stinknormale – völlig schachmatt gesetzt ist und sich und seine Familie nicht mehr mit ehrbarer Arbeit ernähren kann? Wo er sich statt dessen Gedanken darüber machen muss, wie um Himmels Willen er an Oldtimer und Picassos kommt und wo er die am besten lagert? Oder ob er sich doch besser mit Gold und anderen Rohstoffen befassen sollte?

In den USA werden aktuell in einigen Bundesstaaten gerade wieder Gold und Silber als Zahlungsmittel eingeführt. Auch als Schutz vor Inflation gedacht. Sollten die Goldbesitzer also einfach in Ruhe abwarten, bis diejenigen, die nicht mehr rechtzeitig in den Besitz von Gold und Silber gelangten, verhungert sind? Also einfach nur die wertvollen Zahlungsmittel schützen und abwarten bis sich die in der Umgebung herumlungernden Hungergestalten dezimiert haben? Würde die Hälfte der Weltbevölkerung "in Gold machen wollen", dann kämen bei gerechter Verteilung allen Goldes, was je auf unserem Planeten geschürft wurde, bei jedem zwei würfelzuckergroße Stücken an. Doch woher sollte die gerechte Verteilung kommen? Und in wieviele Teile sollten die Stücken aufgeteilt werden, um damit tauschen zu können?

In Europa ist man noch nicht ganz so weit. Hier versucht man es derzeit noch mit der Errichtung einer „europäischen Wirtschaftsregierung“. Das wurde jüngst auf dem EU-Gipfel beschlossen. Der deutsche Sozialismus hat am Ende – trotz aller ambitionierten 5-Jahres-Pläne – 16 Millionen Menschen in die Hände des Kapitalismus getrieben. Nun treibt der Kapitalismus an die 350 Millionen Europäer in die Hände des Sozialismus zurück. Wer glaubt ernsthaft, dass dies für uns alle im seligmachenden Kommunismus enden wird?

Unserem Geld ist es ziemlich wurscht, unter welcher politischen Verfassung wir draufgehen. Ob unsere jungen Menschen in den westlichen Demokratien bei Straßenschlachten sterben, sich mit Drogen volldröhnen oder als Amokläufer durchknallen, in den Bergen Afghanistans beim Kampf gegen die Taliban sterben oder in Libyen bei der Jagd auf Gaddafi – das interessiert das Geld herzlich wenig. Ob die Jemeniten, Iraker, Iraner, Libyer und viele Afrikaner unter den Händen ihrer Diktatoren hinwegsterben, macht für das Geld auch keinen Unterschied. Mit diesem Geld ist nur Kapitalismus oder Staatskapitalismus zu machen. Und beide enden immer in Massengräbern. Das wissen wir. Das haben wir erlebt. Daran besteht kein Zweifel. Und daran wird sich auch nichts ändern – wenn wir nichts am Geld ändern!

All das bringt unsere „Experten“ nicht einen Moment dazu, innezuhalten und sich zu fragen, ob es nicht vielleicht etwas gibt, das sie nicht wissen. Etwas, das alles ändern würde, wenn sie es wüssten. Und es würde sich wirklich alles ändern, wenn sie von der dynamisierenden Kraft der „coolen Moneten“ wüssten, die ein klitzekleiner Datumsstempel aus unserem lausigen und verdammten Geld machen würde, dessen „Unvollständigkeit“ mehr Elend geschuldet ist als allen Kriegen von der Antike bis in die Neuzeit zusammen.

Die wirklich Klugen werden nicht überleben, wenn die Menschheit sich in absehbarer Zeit nicht auf darauf einigt, eine „Währung“ zu machen. Die vermeintlich Klugen, die heute noch Oldtimer an Oldtimer reihen, auch nicht. Es kommt zu keinem irgendwie gearteten „Ausleseprozess“. Wer sich nicht mehr ernähren kann, stirbt. Alle, die sich nicht mehr ernähren können, sterben. Ob man klug, frech, dumm, brutal, kriminell, heilig, clever oder studiert ist oder mal als „Experte“ im Fernsehen aufgetreten ist, spielt dabei keine Rolle.

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