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Brief an Griechenland - Vorschlag einer Währungsreform

 

In der EU gibt es Verträge. Was wir von unseren Politikern halten können, kann man unter anderem auch daraus ablesen, wie sehr sie sich an diese Verträge halten. Der Europäischen Zentralbank (EZB) zum Beispiel ist es verboten, öffentliche Haushalte der Euro-Mitglieder zu unterstützen. Zurzeit kauft die EZB aber Staatsanleihen aus Spanien und Griechenland, um damit die Finanzmärkte zu beruhigen. Ein klarer Regelverstoß.

Trotz dieses Regelverstoßes lässt unsere Kanzlerin Merkel aus dem Urlaub ausrichten, dass sie sich freue, dass die EZB sich für den Ankauf von Staatsanleihen entschieden hat. Frau Merkel freut sich also im Urlaub, dass wir unsere selbst gemachten Regeln ignorieren, wenn uns die Regeln gerade mal nicht in den Kram passen. Rechtssicherheit in der Euro-Zone ist etwas anderes.

Letztlich wird aber mit diesen Regelverstößen, auch wenn wir sie als „Gute Absicht“ ansehen, nur erreicht, dass Griechenland von den Euro-Staaten – und nun ihrer Zentralbank – Kredite bekommt, die es auf dem freien Kapitalmarkt nicht mehr bekommt, weil es diese nie zurückzahlen kann. Tun wir Griechenland damit einen Gefallen?


Brief an die griechische Regierung

 

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Griechenlands,

die aussichtslose Lage, in der Ihr Land sich befindet, ist allen im europäischen Ausland bekannt. Der maßgebliche Grund, weshalb Ihr Land sich in dieser Lage befindet, ist allerdings den Wenigsten bekannt. Die Ursache hat einen Namen: Der EURO!

Schon vor der Einführung des Euro-Bargeldes war abzusehen, dass Griechenland eines der ersten Länder sein wird, die am EURO zerbrechen müssen. Nicht etwa weil Griechenland schlecht ist, sondern aus reiner Mathematik und Logik heraus. Griechenland musste die Exportschlacht mit den stärkeren Euro-Ländern verlieren. Das Ergebnis ist, dass Griechenland weniger exportieren kann als es importieren muss. Wenn man nicht so viel verkaufen kann, wie man einkaufen muss, kann man den Einkauf teilweise nur über Auslandsschulden finanzieren – so wie es die USA auch seit langem machen.

Der Grund, weshalb Griechenland beim Export das Nachsehen haben musste, liegt an der Leistungsfähigkeit der nationalen Wirtschaft. Ihre Lohnstückkosten sind einfach höher als die von Deutschland. Deutschland hat seine Lohnstückkosten gesenkt, indem es eine Lohnabbaupolitik betrieben hat. Damit sind deutsche Produkte im Verhältnis billiger als griechische Produkte, weshalb das Ausland lieber in Deutschland einkauft und Griechenland nur wenig Ware im Ausland absetzen kann.

Früher, als jede Nation ihre eigene Währung mit flexiblen Wechselkursen hatte, haben sich solche Ungleichheiten über den Wechselkurs ausgeglichen, so dass auch Griechenland eine Chance hatte, beim internationalen Handel mit einem Land wie Deutschland zu konkurrieren. Heute haben wir eine Gemeinschaftswährung. Innerhalb der Euro-Zone gibt es keine Wechselkurse mehr, weshalb die stärkeren Euro-Länder die schwächeren in die Knie zwingen.

Hinzu kommt noch, dass durch unsere Gemeinschaftswährung wirtschaftlich starke Länder wie Deutschland und wirtschaftlich schwächere wie Griechenland den selben Wechselkurs zum Ausland haben. Dadurch ist der Euro eine viel zu harte Währung für die hohen Lohnstückkosten Griechenlands. Durch die Gemeinschaftswährung kann Griechenland aber keine eigene Währungspolitik mehr betreiben, um seine Produkte für das Ausland rechnerisch billiger zu machen. Griechenland musste zu den teuren Euro-Preisen verkaufen und konnte daher nur teurer verkaufen als Deutschland.

Es ist geradezu eine Unverschämtheit anderer Euro-Länder, wenn diese Griechenland vorwerfen, es hätte „über seine Verhältnisse“ gelebt, vor allem dann, wenn solche Vorwürfe durch das deutsche Fernsehen tönen. Schließlich wird Griechenland durch die Gemeinschaftswährung und die billigeren Produkte anderer Euro-Länder am Export gehindert. Wenn wir aber Griechenland daran hindern, etwas zu verkaufen und damit Einnahmen zu generieren, bleibt Griechenland ja nichts anderes übrig, als seinen Lebensstandard mit Schulden zu erhalten. Oder hätte Griechenland alternativ hungern und sich zum Entwicklungsland zurückentwickeln sollen?

In der Euro-Zone keine Chance

Wenn zwei Länder, die wirtschaftlich nicht gleich stark sind, eine gemeinsame Währung haben, muss das schwächere Land immer Pleite gehen! Solche Gemeinschaftswährungen haben in der Vergangenheit noch nie funktioniert. Solange Griechenland den Euro als Währung mitbenutzt, kann es nur immer mehr Schulden machen. Wenn nicht auf dem freien Kapitalmarkt, dann bei den anderen Euro-Ländern – so lange bis Griechenland komplett den starken Euro-Ländern gehört und diese über große Macht über Griechenland verfügen. Griechenland wird schließlich erpressbar, wenn es am Geldtropf z.B. von Deutschland hängt.

Wenn Griechenland sich eine Restchance bewahren will, überhaupt wieder ohne Totalzusammenbruch auf eigenen Beinen stehen zu können, braucht Griechenland seine eigene Währung mit flexiblem Wechselkurs zu allen anderen Währungen.

Da gerade die Übergangszeit schwierig werden kann, schlage ich eine Währung vor, deren Umlauf gesichert ist. Das Problem heutiger Währungen ist, dass sie sich vom Markt zurückziehen und künstlich Geldmangel erzeugen können. So entsteht letztlich der Zins, der durch den Zinseszinseffekt einen unendlichen Schuldenberg anhäuft. Besonders deutlich wird die Fähigkeit des Geldes, sich aus dem Wirtschaftskreislauf zurückzuziehen, wenn es irgendwelche nicht so guten wirtschaftlichen Erwartungen gibt. Schon geht der Konsum zurück und das Geld verschwindet regelrecht. Ab einem bestimmten Ausmaß rutscht die Wirtschaft in eine Deflation und damit in die Wirtschaftskrise.

Meist zieht sich das Geld aus Spekulationsgründen aus dem Kreislauf zurück, zum Schaden der Allgemeinheit. Das Geld einer Währung, deren Umlauf gesichert ist, kann sich aber nicht aus dem Kreislauf zurückziehen. Jeder Geldbesitzer, der versuchen würde, das Geld seinem Zweck zu entziehen, um es auf diesen Weg z.B. für Spekulationen zu missbrauchen, würde dieses Geld mit Verlusten strafen! Aus reinem Eigennutz hätte daher keiner mehr Interesse, sein Geld dem Kreislauf zu entziehen.

Mit solch einem umlaufgesicherten Geld könnte sich Griechenland sogar in einer so schwierigen Phase wie dieser Währungsumstellung einen funktionierenden Binnenmarkt ohne Deflation erhalten. Auf die Dauer würden sogar die Zinsen immer weiter fallen können, ohne dass sich das Geld deshalb aus dem Kreislauf zurückziehen kann, um durch Geldknappheit den Zins wieder hochzutreiben. Die griechische Wirtschaft würde blühen und soziale Projekte wären finanzierbar, die mit dem heutigen Geld – insbesondere mit dem Euro – unmöglich zu finanzieren sind.

Griechenland könnte sich bald nicht mehr vor Kapital retten. Umlaufgesichertes Geld kann nicht ins Ausland flüchten. Im Ausland muss es jemanden geben, der sein vermeintlich „besseres Zinsgeld“ im Tausch dafür hergibt. So etwas tut jemand nur, wenn er vorhat, dieses eingetauschte „umlaufgesicherte Geld“ direkt in Griechenland zu investieren. Griechenland wird durch fallende Zinsen zum Anlageparadies für Unternehmer, die echte Wirtschaftsleistung generieren. Umgekehrt ist ein Land mit umlaufgesicherter Währung für einen Spekulanten, der ohne Gegenleistung von der Arbeit anderer lebt, unattraktiv. Solche Spekulanten haben noch keinem Staat einen Nutzen gebracht! Ein Staat mit umlaufgesicherter Währung ist froh, sich nicht mehr mit Spekulanten herumschlagen zu müssen.

Durch eine solche Währung würde Griechenland im Unterschied zum Euro keine 30% Zinsen anbieten müssen, damit das Kapital nicht das Land verlässt. Mit einer umlaufgesicherten Währung bleibt das Kapital im Land und lockt gleichzeitig Investoren an. Denn wenn ein Land nicht unter dem Druck von Spekulanten steht, die ständig große Teile der Wirtschaftsleistung „abfischen“, bleibt für die Menschen, die wirklich arbeiten, entsprechend mehr übrig. Was der Spekulant nicht bekommt, das bekommen die Menschen, die arbeiten!

Da die reale Wirtschaft mit der Zeit immer weniger ihrer Leistung für Kapitalrenditen aufbringen muss, werden ihre Produkte billiger. So kann es passieren, dass sich die Verhältnisse umkehren und Deutschland nicht mehr mit Griechenland konkurrieren kann, während Griechenland nun kaum noch die Nachfrage des Auslands nach seinen Produkten stillen kann. Es wird so viel Devisenüberschuss haben, dass es sozusagen „weit unter seinen Verhältnissen“ leben wird, weil es gar nicht weiß, wofür es all die Gewinne ausgeben soll.

Griechenland wird zum Steuerparadies. Durch den Wegfall all der unangenehmen Folgen, die sich aus dem ständigen Geldmangel ergeben haben, wie z.B. immer weiter steigende Arbeitslosigkeit und Kriminalität, kann der Staat sich auf seine Kernkompetenzen konzentrieren und muss nicht einen Großteil seiner Energie in Reglementierungen der Symptome investieren. Das führt zu massiven Steuererleichterungen. Ebenso werden die Steuern, die übrig bleiben, von der Bevölkerung pünktlich bezahlt, teilweise sogar im Voraus. Dies ermöglicht das umlaufgesicherte Geld, das immer in den Kreislauf drängt und nur noch als Anlage bei der Bank einen Ruhepol findet, aber nicht mehr in „flüssiger Form“ lange liegen bleiben kann.

Können Sie sich eine Politik vorstellen, in der wirklich das Volk und seine Vertreter entscheiden und keine Lobby die Regierung erpressen kann? In einem Staat mit umlaufgesicherter Währung wird man gar nichts anderes mehr kennen! Dinge, die heute unvorstellbar sind, werden plötzlich Alltag.

Das Ergebnis kann sein, dass die anderen westlichen Staaten auch umlaufgesichertes Geld einführen müssen, um mit Griechenland und der ehemaligen aber nun aufstrebenden „Dritten Welt“, die das Beispiel Griechenlands schon längst nachgeahmt hat, überhaupt noch konkurrieren zu können. Es gibt hierbei nur zwei Dinge zu beachten:

Um zu vermeiden, dass die Spekulation in den Grundbesitz abwandert und die Menschen dann durch das Eigentum am Boden erpressbar werden, so dass eine Kartoffel dann einen ganzen Tageslohn kostet, kann es umlaufgesichertes Geld, das keine Rendite mehr erpressen kann, nur geben, wenn der Staat, der diese Währung einführt, gleichzeitig den Erdboden, auf dem sein Volk lebt, zum Allgemeingut erklärt. Alle haben gleiches Anrecht auf diesen Planeten und alle haben gleiches Anrecht auf die Erzeugnisse des Bodens.

Der Staat muss dazu nicht einmal enteignen! Er nutzt sein Vorkaufsrecht auf Boden und kauft der Allgemeinheit das Eigentum am Boden zurück. Danach verpachtet er diesen Boden nur noch, anstatt ihn zu verkaufen. Auf diese Weise kann keiner mit Privatbesitz am Boden die Allgemeinheit zum Zweck der Spekulation erpressen, um mit Hilfe seines Eigentums die Preise künstlich hochzutreiben. So können auch Wasserquellen, von denen Tausende oder gar Millionen von Menschen leben, nicht in Privatbesitz sein, so dass die Bevölkerung nicht mit Verknappung von Wasser erpresst werden kann.

Ein Allgemeineigentum am Boden ist also notwendig, damit die Rendite, die das Geld nicht mehr erpressen kann, nicht durch den Grundbesitz erpresst wird.

Ein gelebtes Beispiel gibt es hier bei mir am Rande von Berlin, wo es in Oranienburg eine Genossenschaft gibt, die eine Siedlung aufgebaut hat, in der zwar jeder in einem Häuschen auf einem Grundstück lebt, dieses aber nur pachten kann (mit Erbpachtrecht), das Eigentum aber immer bei allen Genossenschaftsmitgliedern gemeinsam liegt. Hier die Genossenschaft durch „Staat“ zu ersetzen, wäre nur eine Formalie – und dann müsste dies natürlich auf dem gesamten Staatsgebiet durchgeführt werden. Sobald jemand versucht, Grund und Boden für Spekulationen zu missbrauchen, entzieht die Allgemeinheit (der Staat) ihm die Pachtrechte. Spekulation am knappen Boden und mit den Erzeugnissen der Erde wird damit unmöglich gemacht.

Der Staat hat hierbei auch keinen erhöhten Aufwand, weil er ja, wie ich bereits erwähnte, an anderer Stelle sehr viel „Verwaltung ehemaliger Symptome“ einspart, die es unter diesen Bedingungen nicht mehr gibt. Die freigewordenen Beamten kann der Staat dann unter anderem für die Verwaltung des Bodens einsetzen. Der Rückkauf des Bodens wird mit der Pacht gegenfinanziert, indem den Eigentümern so lange die Pachteinnahmen zufließen, bis sie (gemessen am vorherigen Wert des Grundstückes) entschädigt sind. Später kann die Pacht dann dazu dienen, die staatliche Verwaltung des Bodens zu finanzieren, was noch einmal Raum zur Steuersenkung frei macht.

Das zweite Problem, für das ich noch keine zufriedenstellende Lösung gefunden habe, ist folgendes Szenario: Irgendein Land führt allein eine umlaufgesicherte Währung ein, die in ihrer Funktion gegenüber einer nicht umlaufgesicherten Zinswährung immer im Vorteil ist. Der weltweiten Hochfinanz könnte das eventuell nicht passen! Es wäre denkbar, dass diese Hochfinanz große Mengen eigener Gelder opfert, um gegen diesen Staat und seine umlaufgesicherte Währung zu spekulieren. Ziel wäre hierbei wohl, den Wechselkurs durch massive Kauforder der umlaufgesicherten Währung so zu manipulieren, dass der betreffende Staat nichts mehr exportieren könnte.

Ich weiß nicht, ob die Hochfinanz das tun wird, aber es liegt einfach im Bereich des Möglichen. Ich bin mir aber sicher, dass Sie einige Spezialisten haben, die eine Lösung für dieses Problem finden können. Dieses letzte Problem wird sicherlich nicht unlösbar sein, zumal diese feindselige Spekulation außerhalb der Realwirtschaft liegt. Es handelt sich hierbei ja im Kern nur um den Kauf von Geld mit Geld, bei dem sich auffällige Spekulation sicherlich zumindest eindämmen lässt.

Gerne bin ich zu einem persönlichen Gespräch bereit, wenn sie diese Themen eingehender behandeln möchten. In der Hoffnung, dass mein Vorschlag Sie erreicht und zum Wohle der griechischen Bevölkerung Ihre Aufmerksamkeit und Ihr Interesse erregt, verbleibe ich

mit freundlichem Gruß
Christoph Hannemann

 

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