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SchildDass dieses Motto der 68er eines Tages wieder salonfähig gemacht wird, hätte ich gestern noch nicht geglaubt. Doch genau das versucht heute David Böcking, Journalist im Wirtschaftsressort von SPIEGEL ONLINE, mit seinem gleichnamigen Debattenbeitrag.

Man darf darüber debattieren. Auch wenn sich das Debattieren bereits als nutzlos im Sinne der Problemlösung erwiesen hat. Doch über ein Motto zu debattieren, das bereits vor über 40 Jahren schon versagt hat, das könnte man als Gipfel der Idiotie bezeichnen. Nichts gegen die Beobachtungen von David Böcking, der feststellt, dass es den jungen Europäern wirtschaftlich recht mies geht. Wenig Arbeit. Noch weniger Lohn. Selten: Gute Arbeit. So gut wie nicht vorhanden: Gutes Geld für gute Arbeit. Vor allen Dingen aber kann man den jungen Europäern keine Verbesserungen in Aussicht stellen, ohne sie zu belügen.

Es ist sehr menschlich, in solch einer Situation den Feind ausmachen zu wollen, den man zu erledigen gedenkt, um damit sein eigenes Los zu verbessern. David Böcking denkt in diesem Zusammenhang über „Generationen“ nach. Sympathisch an diesem Blickwinkel ist, dass er die Hautfarbe, die Nationalität, das Geschlecht und das Klima außen vorlässt. Doch das ist auch schon alles, was sich an Positivem über diesen Debattenbeitrag zur katastrophalen Wirtschaftslage in Europa sagen lässt.

Wie könnte ein Sturm auf die Alten denn die Situation auf dem Arbeitsmarkt verbessern? Wenn die „Alten“, die noch in Lohn und Brot sind und noch die „guten alten Verträge“ haben, umgenietet werden, dann freuen sich höchstens die Insolvenzverwalter: Lohnkostensenkungen mal ganz ohne Verhandlungen! Wenn wir die Alten über den Jordan bringen, die selbst schon ausgemustert sind, dann bringt das auch nichts, es sei denn mehr Arbeitslose in den Pflegeheimen. So kann man die Lohnkosten volkswirtschaftlich betrachtet auch senken. Der eine oder andere jugendliche Barrikadenstürmer könnte vielleicht etwas erben und damit seine Einkommenssituation verbessern. Nicht aber seine Arbeitssituation. Und schon gar nicht die gesamtwirtschaftliche Situation. Nehmen wir den irrigen Gedanken von David Böcking einfach zum Anlass, einmal mehr auf die Ursache des Desasters hinzuweisen und für die Lösung desselbigen zu werben.

Verursacht wird die Finanz- und Wirtschaftskrise von einem höchst bedeutsamen Element der Wirtschaftswelt: Dem Geld!

Weil unser Geld nicht konsequent als Tauschmittel konzipiert ist, mit dem weltweit die Waren und Dienstleistungen ausgetauscht werden können, versagt es seinen Dienst in den Tauschprozessen (in der so genannten realen Wirtschaft) und driftet immer mehr ab auf die riesigen Vermögensberge, die letztlich in der Spekulation landen. Das Geld wandert von „unten nach oben“, von „arm zu reich“, „von der Arbeit zum Besitz“.

Dem Geld ist es völlig wurscht, wie alt seine Nutzer sind oder wie die Arbeitsverträge lauten!

Wäre unser Geld als reines Tauschmittel gestaltet, so wäre es den Zentralbanken möglich, eine reelle und gezielte Geldmengensteuerung vorzunehmen und alles vorhandene Geld bliebe im Kreislauf.

Dann und nur dann, würden die Löhne nicht sinken!

Dann und nur dann, gäbe es genügend Arbeit für alle!

Dann und nur dann gäbe es so etwas wie Gerechtigkeit!

Dann und nur dann hätten wir alle eine ziemlich coole Zukunft vor uns!

Die Krise ist da. An manchen Orten sogar schon die Katastrophe! Wenn wir Mensch bleiben wollen, dann müssen wir erkennen, dass der Kapitalismus uns alle auseinander reißt. Er zerreißt Familien, weil der eine hier Arbeit findet, der andere vielleicht ans entgegengesetzte Ende der Welt reisen muss, um für sich und die Familie das Brot zu verdienen. Er ist wie eine Decke, die immer kürzer ist und nur der, der am stärksten an ihr reißt, etwas gewärmt wird. Die Verlierer frieren erbärmlich. Viele können sich keine Moral mehr erlauben, weil es um das Überleben geht. Die Suche nach den Schuldigen spaltet die Gesellschaften völlig auf. Jede Gruppe taugt zum Buhmann, selbst die Alten. An diesem Punkt angekommen, sollten wir doch aufwachen und uns fragen, ob wir uns von einem fehlerhaften Geldwesen in Monster verwandeln lassen wollen, die in ihren Eltern die Verursacher für die miese Lage ausmachen.

Wer sich etwas mit Zahlen und Funktionen auskennt, der kann sich ausrechnen, dass einer Volkswirtschaft mit einem derart veralteten Geld nur wenige Jahrzehnte bleiben, in denen alle Signale auf Grün stehen, die Unternehmen gedeihen, es genügend Arbeit gibt und wirklich großartige Projekte verwirklicht werden können. Der Zinseszinseffekt beendet diese Phasen immer! Schleichend am Anfang. Doch immer schneller wachsen die wenigen Vermögensberge auf der einen Seite, und immer schneller wächst das Heer der Menschen, die völlig mittellos im Nirgendwo landen. Am Ende verwandeln sich die Gesellschaften in barbarische Horden, die sich gegenseitig morden.

Es wäre gut, wenn unsere Journalisten und Wirtschaftsredakteure zumindest so viel von den Dingen verstünden und ihren Beitrag zur Lösung leisten würden. Dem Kapitalismus müssen wir ein Ende setzen, damit sich die freie Marktwirtschaft entfalten kann.

 

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