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Die Wahrheit ist auf dem Vormarsch. Glücklicherweise. Der obige Beitrag von Volker Pispers geht zunächst einmal in die berühmte "richtige Richtung". Was im deutschen Fernsehen leider nicht allzu oft vorkommt.

Umso wichtiger ist es, einiges an diesem "kostbaren Moment" zu korrigieren, denn leider liegen "Wahn" und "Wahrheit" oftmals nur allzu eng beieinander. Analysieren wir daher dieses seltene "Juwel" der deutschen Fernsehunterhaltung einmal etwas genauer, denn wichtiger noch als die korrekte Identifizierung eines Problems ist es, dafür auch die richtige Lösung anzubieten! Zumindest dann, wenn daran gelegen ist, die „grausamen Fehler“ des 20sten Jahrhunderts, die unterm Strich Millionen unschuldige Menschen das Leben gekostet haben, nicht endlos zu wiederholen.

Genau in diese Richtung gehen aber die Vorschläge von Volker Pispers, der zum Glück nur Kabarettist in Deutschland ist und nicht Baggerführer in Griechenland. Um Griechenlands Staatsschulden abzubauen schlägt er nämlich vor, Villen in Hellas Nobelgegenden abzureißen – martialisch und ganz und gar nicht zielführend.

Mit seinen Vorschlägen bringt Pispers das Publikum zum Lachen – und dafür wird er schließlich bezahlt! Doch leider scheint es ihm bitterernst mit seinen Vorschlägen, so empört und zornig wie er wirkt über das finanzielle Establishment. Was bei seiner Wut herauskommt sind zumindest gut gefüllte Abendkassen. Doch etwas weniger Wut könnte ihm helfen, den Notstand in seiner Ursache zu erfassen und Wahn und Wahrheit klarer zu trennen – im Interesse einer echten „Aufklärung“ seines Publikums.

Richtig erkannt hat Volker Pispers, dass sich „Schulden und Vermögen im Kapitalismus die Waage halten“ und dass „die reichsten 10 Prozent der Bevölkerung über 60 % des Vermögens besitzen“ (auch wenn er nur von den 34 % Barvermögen spricht). Doch eignet sich Volker Pispers deshalb schon als Experte in Wirtschaftsfragen? Wie tauglich sind seine Vorschläge, Bulldozer in hellenistischen Villenvierteln gegen säumige Steuerzahler einzusetzen und griechisches Schwarzgeld aus der Schweiz zurückzuholen? Das "Privateigentum" scheint für Pispers keinen besonders hohen Stellenwert zu genießen. Leider müssen seine Vorschläge, wie die Staatsschulden Griechenlands abbauen sind, dennoch und auch gerade deswegen in die Kategorie „Wahn“ fallen, es sei denn, wir ignorieren die folgenden Zusammenhänge:

SchwarzgeldWem gehört das griechische Schwarzgeld, die 200 Milliarden in der Schweiz? Vermutlich zahlreichen Privatleuten. Wie viel davon, gehört dem griechischen Staat? Alles? Wohl kaum. Was ist denn überhaupt „Schwarzgeld“? Zunächst einmal „ehrlich“ verdientes Geld (wenn auch sicher gelegentlich aus illegalen Geschäften), das dann unehrlich am Fiskus vorbeigeschleust wird. Gehört es damit vollständig dem Fiskus, nur weil es an ihm vorbeigeschleust wurde? Nicht unbedingt. Aber wie viel gehört dem Fiskus, also dem Staat? Sollte es die Hälfte sein, dann wären dies 100 Milliarden Euro und diese Summe würde das Schuldenproblem beim Ausbruch der Krise – bei einem Schuldenstand von 350 Mrd. Euro – eben nicht gelöst haben.

Denken wir ein wenig über Steuern nach:

Könnte die unterlassene Besteuerung der Sachwerte der Vermögenden die Ursache der Krise sein? Anders gefragt: Könnte mit der nachträglichen Besteuerung die Krise in Griechenland beendet werden? Steuern sind ein Reizthema. Soviel ist klar. Je höher die Steuerlast für jede Art von Einkommen in einem Land ist, desto weniger bleibt den Empfängern der Einkommen in der eigenen Tasche. Das betrifft die Vermögenden ebenso wie die „kleinen Leute“. Umgekehrt gilt: Je geringer die Steuerlast ist, umso mehr verbleibt den Einkommensempfängern.

Da der Staat sich ausschließlich aus Steuergeldern finanzieren kann, kann er seinen tatsächlichen und vermeintlichen Aufgaben nicht ausreichend nachkommen, wenn die Einkünfte der Bürger nicht durch Steuern geschmälert würden. Käme der auf diese Weise geringer finanzierte Staat nur seinen Aufgaben nicht ausreichend nach, wäre das nicht weiter schlimm. Denn: Auch private Firmen können Schulen bauen, können Krankenhäuser bauen und ausstatten, können Personal für die Müllabfuhr stellen, usw. usf. Wie viel „Staat“ ein Gemeinwesen braucht, erscheint daher alles andere als unumstritten.

Nicht jeder Staat, der die Steuern senken möchte wandelt auf griechischen Pfaden. Und nicht jeder Staat, der ein Maximum an Steuern einzutreiben in der Lage ist, ist damit auf der sicheren Seite und von keinerlei Finanzkrisen bedroht.

Tatsächlich muss niemand befürchten, dass die vom Staat eingenommenen Gelder nicht schnell genug wieder in den Wirtschaftskreislauf zurückgelangen könnten, aus dem sie gekommen sind. Dazu ist der Staat, jeder Staat, viel zu „bedürftig“. Der Staat könnte durch seine Monopolstellung erreichen, dass die Einkommen auf eine Art und Weise verteilt werden, dass Geldbesitz und Bedürfnisse nicht zu weit auseinanderdriften. Dazu werden die Einnahmen des griechischen Staates aber nicht benutzt. So wie die aller anderen Staaten auch nicht.

Auch der deutsche Staat vermag es nicht, die Mehreinnahmen aus seiner wahrscheinlich besser organisierten Fiskalpolitik für die Verminderung der Schere zwischen Arm und Reich zu verwenden! Auch und besonders in Deutschland vergrößert sich die Diskrepanz zwischen dem Geldbesitz der Besitzenden und den existenziellen Bedürfnissen der Produzenten. Auch in Deutschland gibt es für den Staat kein Entrinnen, was die Herabstufung seiner künftigen Kreditwürdigkeit angeht.

Daher bleiben Fragen: Was können wir aus der Griechenlandkrise lernen? Können andere sich retten, indem sie die Griechen fallen lassen? Ist genug für alle da? Wären die richtigen Schlussfolgerungen nicht notwendigerweise die, mit denen die Griechen selbst gerettet werden könnten?

Steuererhöhungen sind umstritten und keineswegs ein sicherer Ausweg aus einer Krise, deren Hauptmerkmal nicht allein die Staatsverschuldung ist. Die Vermeidung von Schwarzgeldern durch eine effizientere Fiskalpolitik kann Produktivität und Geldumlauf behindern, indem weniger produktive Bereiche besser auf Kosten der produktiven „leben“ können. Dass eine höhere Steuerlast automatisch die Produktivität der Steuerzahler hebt, ist nicht überliefert - auch nicht in der langen griechischen Kulturgeschichte. Den Griechen pauschal „Unvermögen“ zu unterstellen oder ihre Fiskalpolitik als Ursache hinzustellen, löst weder das Problem der Griechen, noch löst es das Problem, das weltweit nicht mehr zu leugnen ist. Die Staatsverschuldung hat weltweit Dimensionen angenommen, die eine herkömmliche Rückzahlung schlicht ausschließen, selbst wenn die Schlupflöcher für Steuerhinterzieher immer kleiner werden und schließlich auf null reduziert sein sollten.

Die Dynamik der Schulden- und Vermögenpaare und damit die rein rechnerische Unmöglichkeit, irgendwann die Schulden zurückzahlen zu können, ist keine Hexerei. Sie fußt auf der fehlenden Gleichheit zwischen den Tauschobjekten und ihrem Tauschmittel.

Waren und Geld stehen nicht auf einer Stufe!

Solange dem Geld das Ablaufdatum fehlt, das jeder Ware – zumindest unsichtbar – aufgedruckt ist, bleibt es im Handel stets überlegen. So kann es regelmäßig einen Vorteil erlangen, der einen immer größer werden Teil der Weltbevölkerung dazu zwingt, sich Geld leihen zu müssen, weil es bei den Besitzenden immer mehr wird und sich dort über die vorhandenen Bedürfnisse hinaus vermehrt, während es den Produzenten immer schneller und häufiger am nötigen Tauschmittel gebricht. Auf diese Weise wird der Schuldendienst mit mathematischer Sicherheit immer schlechter zu leisten, was den Weg des „Sparens“ als Holzweg entlarvt.

Es geht nicht darum, deutschem Hochmut vorzubeugen, sondern der Dummheit im Allgemeinen! Das Leid der Griechen wird das unsere und das aller anderen sein – und am Ende sogar das der Reichen dieser Erde! Denn ohne Arme gibt es auch keine Reichen und das Lachen über deren vermeintlichen Versäumnisse wird uns schwer im Halse stecken bleiben, wenn wir uns bald schon in ihrer Situation befinden.

Daher können wir allen Menschen – auch Volker Pispers – nur empfehlen, sich mit der Wahrheit zu befassen, die allein die Lösung sein kann, anstatt über im wahrsten Wortsinne „wahn-witzige Lösungen“ zu lachen!

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