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Bild ParkgebührAuf n-tv online äußert sich Raimund Brichta in einem Artikel zu dem  Plan der Europäischen Zentralbank, einen „negativen Strafzins für Banken einzuführen, wenn sie Geld bei der EZB parken“. Dieser Plan erscheint Raimund Braichta nicht „absurd“, sondern ganz im Gegenteil „konsequent“.

Nicht, dass sein Artikel über den Negativzins völlig absurd wäre, das ist er durchaus nicht. Dennoch stechen ein paar Ungereimtheiten relativ schnell ins Auge. Zum Beispiel: Wenn die Geldanlage „bestraft“ wird, wer legt dann noch an? Und wenn keiner mehr anlegt, woher bekommen dann die Kreditnachfrager ihre Kredite?  Sparen soll hier - begründet mit dem Gesetz von Angebot und Nachfrage - geahndet werden. Damit die Berge - gemeint sind Vermögen und Schulden - nicht in den Himmel wachsen. Doch der Plan hat einen riesigen Haken. Denn unter den wirtschaftlichen Gegebenheiten, in denen der Geldbesitz dem Warenbesitz überlegen ist, ist das Wachstum dieses Bergpaares die Bedingung für den Fortgang allen Tauschens und Wirtschaftens.

Es stellen sich Fragen aus drei Perspektiven:

1. Was geschieht, wenn die Berge wachsen dürfen (was sie nicht unbegrenzt können) und
2. was geschieht, wenn es sich ausgewachsen hat, oder
3. was geschieht, wenn einer das Wachstum zu stoppen gedenkt, bevor es sich ausgewachsen hat?

Schauen wir uns an, wieso ist die wechselseitige Ausweitung der Vermögen und Schulden so wichtig für das Funktionieren eines Wirtschaftskreislaufes ist.

Geht es nicht auch ohne Vermögen und Schulden? Ja und Nein lautet die entschiedene Antwort. Ohne Geld gibt es in einer entwickelten Arbeitsteilung keinen Tausch. Und ohne Tausch kann die Produktion nicht aufrechterhalten werden. Denn die Produzenten sind immer mehr auf einen funktionierenden Tausch angewiesen. Allein die Produktion einer Reißzwecke erfordert mehrere hundert Tauschvorgänge. Wie soll das ohne Geld bewerkstelligt werden?

Wer nicht planwirtschaftlich produzieren will, kommt um das Management von Überschüssen nicht herum. Überschüsse sind jedoch die Kehrseite des Mangels, des Verlustes beim Wirtschaften, beim Produzieren und Handeln. Überschüsse und Mangel drängen von ihrer Natur her zu einem Ausgleich. Denn auf Dauer können nur alle gewinnen oder alle werden verlieren. Einige sind als Produzenten näher dran an der Nachfrage, an der Verbindung von Geld und Bedürftigkeit. Andere wiederum weniger. Kommt jetzt das überschüssige Geld, das an anderer Stelle genauso zwingend fehlen muss, nicht zurück in den Kreislauf, dann können die Verlierer einpacken und ihre Produktion einstellen. Sie benötigen das Geld der Gewinner, damit sie ihre Produktion verbessern können, besser am Bedarf ausrichten können, kosteneinsparende Investitionen vornehmen können, den Kauf einer Maschine erwägen, damit weniger Fehler und weniger Personalbedarf die Folge sind. Oder sie stellen ihre Produktion auf andere Produkte um, welche dringender gebraucht werden und einen besseren Absatz – eine höhere Nachfrage - versprechen.

Nun könnten die Gewinner den Verlierern ihre monetären Überschüsse leihen, einfach so aus reiner Einsicht in diese Notwendigkeit. Jeder Gewinner wird über verwandtschaftliche oder freundschaftliche Art und Weise mit der Verliererseite irgendwie verbunden sein und nicht wollen, dass der Pleitegeier über ihnen kreist. Doch an dieser Einsicht mangelt es gewaltig, vor allem deshalb, weil sich die Verliererseite ihrer Unterlegenheit gewiss ist und von sich aus die Überschüsse mit Versprechen der Mehrung in ihre Fänge lockt. Sie bieten den Zins an, oder besser gesagt, sie beugen sich ihrem Schicksal, nicht anders in den Besitz des notwendigen Geldes gelangen zu können. Und manche Vermögenden unterstützen ja mit dem eingenommen Zins auch die Verliererseite, sicher ohne sich dessen bewusst zu sein, dass die Verlierer umso mehr Unterstützung bedürfen, je weiter die Zinsnahme zeitlich voran schreitet.

Der Zins oder die Preissteigerung bringen das überschüssige Geld wieder dahin wohin es gehört. Zu den Produzenten, die nicht vom Geldbesitz leben. Der Zins bewirkt jedoch eine Umverteilung des Geldes hin zu jenen, die Geld weniger nötig hatten und Überschüsse verleihen konnten – um damit ihre Überschüsse weiter zu mehren - und weg von jenen, deren Bedarf nur noch dadurch gedeckt werden kann, indem man sich weiter verschuldet und noch größere Risiken und Verluste und Anstrengungen auf sich nimmt um das Geliehene zurückzuzahlen.

Die Schuldner begrenzen das Spiel des Wachstums der Vermögen ins Unendliche. Und dahin - ins Unendliche - wollen die Vermögen, denn dieses Potential steckt in ihnen. Der Zins, ist ein Verdoppelungsfaktor. Bei 7,2% Zins verdoppeln sich eingesetzte Beträge innerhalb von 10 Jahren. Aus 10.000 Euro werden nach 10 Verdoppelungen also nach 100 Jahren 10.240.000. Der Ausgangsbetrag hat sich bei diesem zugegebenermaßen komfortablen Zinssatz in einhundert Jahre vertausendfacht. In zweihundert Jahren hat sich bei anhaltend gutem Zins der Betrag um das Millionenfache vermehrt. Dann liegen bereits 10,5 Milliarden auf der Bank.

Das ist das Spiel. Hat es nicht auch schon vor 200 Jahren Familien gegeben, die ihre Überschüsse angelegt haben, und einen Teil davon immer wieder angelegt haben, sodass dieses Rechenbeispiel nicht aus der Luft gegriffen ist?

Würde vor diesem Hintergrund die Anlage von Geld bestraft, dann wird der zumindest temporäre Ausgleich von Gewinnen und Verlusten unterbunden. Die Schuldner, bzw. die Verlierer bleiben auf ihren Waren sitzen und werden sie am Ende auch zu Schleuderpreisen verkaufen, um überhaupt in den Besitz von etwas Geld zu kommen. Von den erzielten Schleuderpreisen können aber nicht mhr alle Lieferanten ausreichend bedient werden und damit kann die Produktion leider nicht mehr aufrechterhalten werden. Die komplette Produktionslinie kommt ins Stocken, weil Teile ausfallen. Damit erliegt die Produktion. Das zieht natürlich auch die Gewinner mit in die Tiefe, die bisher mit Verlierern Geschäfte gemacht haben. Die Zahlungsunfähigkeit des Schuldners ist die schlechte Nachricht für den Vermögenden, für den Gewinner. Die Entstehung dieses Dilemmas ist dem Gewinner selten bewusst.

Zu der Erkenntnis, dass die Vermögens- und Schuldenpaare (wobei dieser Begriff eine völlig falsche Assoziation hervor ruft, denn die Vermögen haben die 10% und die Schulden die 90%, sowohl national, als auch international, das sind höchsten noch Paare in psychologischer Hinsicht, im Sinne von "auf einander angewiesen sein") nicht ins Endlose wachsen können kann man Herrn Brichta durchaus gratulieren. Vielleicht kommt daher seine Zustimmung zu solch einem Vorschlag, dieses Wachstum jetzt einfach administrativ zu hemmen. Doch es ist ein Aufruf, die Wirtschaft kollabieren zu lassen, mit der Rechtfertigung, dass, wenn wir einfach so weitermachen, der Kollaps noch viel dramatischer ausfällt.

Das lassen wir nicht gelten. Denn, Herr Brichta: Für die meisten von uns macht es keinen Unterschied, ob sie aus 1000 Metern Höhe in die Tiefe fallen oder aus 10.000 Metern. Aufprall bleibt Aufprall!

Wirklich retten kann uns nur ein neutrales Geld, das keinen Zins erpressen kann. Nicht, weil es aus welkenden Blättern besteht, sondern weil ein Ablaufdatum bzw. ein Entwertungsdatum darauf vermerkt ist und dem Geld so die Endlichkeit zurückgegeben wird, welche die Ware zeitlebens nie eingebüßt hat. Wenn wir vom selten vorkommenden Gold einmal absehen. Mit diesem endlichen Geld wird der Kreislauf nicht unterbrochen. Alle die Geld brauchen, bekommen es zurück von jenen, die vorteilhafter produziert und getauscht, bzw. verhandelt haben. Und können nun ebenfalls – bei voller Gültigkeit betriebswirtschaftlicher Gesetzmäßigkeiten – ihre Produktion optimieren oder umstellen, bzw. auf nachfrageintensivere Segmente ausweichen, dorthin wo kostendeckend produziert werden kann. Immer kann der Markt geräumt werden, ob mit oder ohne Ersparnisbildung. Den Fleißigsten gehört auch weiterhin und sogar erstmals die Welt und nicht dem Privilegierten, dessen Vorfahren vor 200 Jahren 10.000 auf die Kante gelegt und vergessen haben. 10 Mrd. Vermögen bringen bei nur 3% Zins im Jahr immerhin 30 Millionen, bzw. 2,5 Millionen im Monat. Dafür muss eine Oma lange stricken.

Wenn die Banken nun die ersten sein sollen, deren Versagen sanktioniert wird, die Einlagen der frustrierten Sparer an noch frustriertere Schuldner weiterzuleiten - für die einen ohne ausreichenden Zins, für die anderen mit immer noch viel zu viel Schuldzinsen im Vergleich zu den schwindenden Einkommens- und damit auch Rückzahlungsaussichten in einer rezessiven Wirtschaftsphase -, dann kann das nur zum Erliegen der Spar- und Investitionstätigkeit führen und damit zum Stillstand der Wirtschaft.

Dann bleibt das Geld zu Hause und die EZB muss es drucken, um wenigstens zu versuchen, den Kreislauf dadurch aufrechtzuerhalten. Das tut sie ja schon heute. Und zwar in einem Ausmaß, dass all jene, die heute noch hoffen, den allgemeinen Preissturz zu überleben - dann, wenn die Warenproduktion auf dem historischen Tief angelangt ist -, von der Wirklichkeit eines Besseren belehrt werden. Denn auch sie werden mitanschauen müssen, wie sich die inzwischen aufgestauten Geldmassen - die von der Anlage auch noch abgehalten wurden - über das bisschen an restlichen Waren hermachen und die Preise dafür weit über den Mond treiben werden. So lange, bis keiner mehr das Geld annehmen möchte, so schnell wie es an Wert verliert.

Den Aufruf zum Horten des Geldes im Interesse einer falschen Ausrichtung oder Korrektur einer falschen Spartätigkeit – nämlich auf der Basis einer die Umverteilung der Vermögen auf die Spitze treibenden Zinspräsenz - infolge einer historisch entstandenen Fehlkonstruktion des Geldes können wir leider nicht unterschreiben.

Wir bleiben beim Datumsstempel auf dem Geldschein, der einzig wahren Lösung! Nur damit kann die Fallhöhe auf vielleicht 3 Meter reduziert werden. Und das ist, ohne Sprungtuch, auch schon ganz schön hoch.

Stellungnahme von Raimund Brichta zu diesem Text:

Ein Facebook-User hat mich erst jetzt auf Ihren Beitrag aufmerksam gemacht, lieber Jens Kasten. Deshalb gestatten Sie mir ein paar Anmerkungen zu Ihrem Beitrag, der einige Missverständnisse und Widersprüche enthält.

1. Auch wenn es inhaltlich nichts zur Sache beiträgt, gestatten Sie mir mit Blick auf Ihre Überschrift zunächst den Hinweis, dass man die Zusammensetzung aus Präposition und Artikel im Deutschen ohne Apostroph schreibt. Richtig muss es also heißen: aufs Eis.

2. Das, was Sie als “Ungereimtheiten” bezeichnen, sind keine Ungereimtheiten meines Artikels, sondern – wenn überhaupt – Ungereimtheiten unseres Geldsystems. Für diese bin ich aber nicht verantwortlich, sondern ich lege sie in meinem Buch “Die Wahrheit über Geld” sowie in zahlreichen Kolumnen sogar offen.

Sie fragen zum Beispiel: “Wenn die Geldanlage „bestraft“ wird, wer legt dann noch an?” Genau dies ist ja der Hintergrund für die von mir beschriebene Entwicklung: Die zunehmenden Massen an Geldvermögen, die nach Anlage suchen, treffen nicht mehr auf ausreichende Kreditnachfrage solventer Schuldner. Die Folge ist, dass es sich die solventesten Schuldner leisten können, immer niedrigere Zinsen zu verlangen und irgendwann der eine oder andere von ihnen sogar noch Geld dafür bekommt, wenn er sich Geld leiht (schon geschehen etwa bei Bundesschatzbriefen). Dies sorgt für ordentlichen Druck auf die Geldvermögensbesitzer, und zwar in zweierlei Hinsicht: Zum einen müssen sie ihr Geld zunehmend auch weniger solventen Schuldnern zur Verfügung stellen, wenn sie noch einigermaßen auskömmliche Renditen erzielen wollen. Dies wiederum führt in der Folge dazu, dass Teile dieser Geldvermögen aufgrund von Pleiten solcher Schuldner ausradiert werden. Zum anderen werden Geldvermögensbesitzer zu Ausweichreaktionen gedrängt, zum Beispiel zur Bargeldhortung und zum “freiwilligen” Auflösen von Geldvermögen, etwa durch Umschichtung in Sachvermögen oder durch zunehmenden Konsum.

Dies alles zeigt Ihnen eine systembedingte Tendenz, den Geldvermögensbesitzern die Hortung und Vermehrung ihres Vermögens zu erschweren. Diese Tendenz ergibt sich automatisch und hängt vor allem vom Reifegrad des Systems ab. Es handelt sich also – und das ist ganz wichtig – nicht um einen “Plan”, der von irgendwelchen Leuten verfolgt würde, und schon gar nicht um einen “Lösungsvorschlag” meinerseits.

Letzteres ist übrigens ein Phänomen, dem ich auch an anderer Stelle zuweilen begegne. Leute missverstehen meine Analysen als “Lösungsvorschläge”, oder sie fordern solche von mir. Ich halte es dagegen für viel wichtiger, abzuschätzen, was uns voraussichtlich an Entwicklungen erwartet, als irgendwelchen “Lösungsvorschlägen” anzuhängen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit ohnehin nicht realisiert werden.

Wenn Sie hier also mit Blick auf meine Kolumne von einem “Plan” reden, der einen “riesigen Haken” habe, unterliegen Sie einer Fehleinschätzung. Ziel der Kolumne war es nicht, den Leserinnen und Lesern einen Plan vorzustellen, sondern sie darauf vorzubereiten, dass uns Negativzinsen in den nächsten Jahren noch häufiger begegnen werden. Die Entwicklung seither gibt mir Recht, denn die EZB hat nun wie erwartet einen Anfang gemacht. Aber auch sie hat damit keinen “Plan”, der alles zum “Guten” wenden würde. Sie fügt sich damit lediglich den Zwängen, die von den Rahmenbedingungen vorgegeben werden. Das Einzige, was sie damit – und mit allen ihren anderen Schritten – erreicht, ist, den Zusammenbruch weiter in die Zukunft verschieben. Die Fallhöhe wird also weiter vergrößert.

Gruß, Raimund Brichta

Antwort von Jens Kasten:

Sehr geehrter Herr Brichta,

Ihren Entgegnungen ist wenig zu entgegnen.
Sie haben schlicht Recht, mit den meisten Ihrer Behauptungen über die gegenwärtigen Trends in Bezug auf Kreditnachfrage und Angebot.

In meiner Entgegnung habe ich einen möglichen „Plan“ der EZB, - ich glaube noch nicht mal, dass sie unter dem Verdacht steht, einen substantiellen Plan zu besitzen – attackiert. Wenn ich Ihnen eine gewisse Anhänglichkeit, bzw. Zustimmung zu diesem „Plan“ zu Unrecht „angedichtet“ haben sollte, dann sei dies hiermit widerrufen.

Wie lange und ob wir Negativzinsen in den kommenden Jahren häufiger begegnen hängt davon ab, wie hoch die von Ihnen erwähnte Fallhöhe noch vergrößert werden kann.

Wenn ich respektiere, dass es sich bei Ihren Ausführungen nicht um Lösungsvorschläge, um Ansätze davon oder um vermeintlich zu geringe Distanz zu vermeintlichen Lösungsvorschlägen anderer handelt, bleibt der Wunsch, die Situation im Hinblick auf ihre Auswirkungen dieser Zinsentwicklung etwas gründlicher zu beleuchten.

Die meisten Schuldner sind am Ende. Den Vermögenden bleibt es überlassen, ihr Vermögen unter diesen Umständen längerfristig zu verleihen, oder es zu lassen.
Sparen wird vor allem für die Kleinsparer zu einer echten „Krepelei“.
Die großen Sparer sind eh zum Zocken übergegangen. Ich spreche hier nicht von absoluten Entwicklungen, sondern von Trends.
Niedrige Zinsen stellen sich vor allem dann ein, wenn die Nachfrage nach Krediten sich verringert. Das Angebot an verleihbarem Vermögen ist hoch.
Die Not der Wirtschaft, der Bedarf an Krediten, ist ungebrochen.
Doch der Kreditbedarf und die Kreditnachfrage sind leider, leider nicht annähernd kongruent.
Die Rückzahlungsaussichten von Krediten sind so schlecht, dass einige potenzielle Kreditnehmer davon Abstand nehmen, selbst wenn sie theoretisch dafür 5 % weniger zurückzahlen müssten.

Doch woher sollen diese Belohnungen denn in der Realität kommen.
Die Banken generieren ihre Einnahmen aus den Zinszahlungen der Schuldner, nicht deswegen weil die Gläubiger den Banken dafür Geld zahlen, dass sie ihr Vermögen verwalten.
Sollten Banken, dazu übergehen, Schuldner zu „belohnen“, woher soll das Geld dafür kommen? Hier fehlt mir schlicht die Phantasie dazu.
Als Sparer würde ich dann Kredite aufnehmen, um das Geld woanders wieder hinzupacken, und für diesen Transfer von einem auf das andere Konto zu profitieren. Und welche Sparer sollen das finanzieren wollen?
Was übersehe ich nur an diesem Szenario?

Doch wenn die Lage in Bezug auf Kreditnachfrage und Angebot so ist, wie sie ist und wie sie auch von Ihnen nicht in Frage gestellt wird, so unterscheiden sich in der Konsequenz unsere Gefühlslagen zu den Auswirkungen dieser Schieflagen.
Nun ziemt es sich nicht, andere wegen anderer Gefühlslagen zu rügen oder zu meiden.

Wer keinen plausiblen Weg aus dieser Misere weisen kann, der ist nun mal darauf zurückgeworfen, die Situation zu beschreiben, und zu hoffen, dass damit jemand was anfangen kann.

Negativzinsen sind mitnichten ein auch nur mittelfristig Bestand haben könnendes Phänomen.
Der Begriff müsste jeden in Geldfragen gesund denkenden Menschen provozieren.
Warum sollten Sparer von ihrem Geld abgeben? Aus Einsicht? Warum sollten sie es den Schuldnern geben, wenn sie nicht mehr oder gar noch weniger zurückbekommen, wenn sich die Risiken mehren, dass sie es überhaupt zurückbekommen? Das macht doch alles keinen Sinn. Pardon, das macht für mich keinen Sinn.
Auch die Banken haben dafür keine Generalvollmacht, ohne ihre eigene Existenz und ihre Existenzberechtigung massiv in Frage zu stellen.

Insofern behaupte ich vorläufig schließend, dass wir dem Negativzins eher in Form von Hirngespinsten noch häufiger begegnen werden. In der Realität wird sich damit nichts in Richtung auf ein Modell, einen Plan manifestieren.

Leider begehen wir in diesem Jahr das Andenken an den Beginn des 1. Weltkrieges und nicht das Gedenken an jenen Mann, der schon Jahre vorher aufgezeigt hat, wie dieser vermutlich hätte verhindert werden können. Silvio Gesell.
Wenn man von Kreditkarten und allerlei Schnickschnack im Bankenwesen absieht, so entdecke ich mehr Parallelen zu heutigen Entwicklungen als mir lieb sein kann.
Der Ausweg wird diesmal kein kontinentaler und auch kein interkontinentaler Waffengang sein. Er könnte dennoch schrecklicher werden als alles bisher Vorstellbare.

„Die Natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld“ erschien zwar erst 1916, doch gebrach es nicht an „Eingaben“ Gesells an vermeintlich höchste Stellen.
Auf jeden Fall sind die in diesem Werk angestellten Analysen, das Stichhaltigste, das Vernünftigste, das Plausibelste, was mir je auf dem Gebiet der Nationalökonomie begegnet ist.
An diesem Niveau sollte sich jeder messen, der mit Ideen über Makroökonomie entweder sein Geld verdient oder verdienen möchte.

Viele Grüße
Jens Kasten

Entgegnung von Raimund Brichta:

Dann sind wir uns ja im Großen und Ganzen einig, lieber Jens Kasten.

Gestatten Sie mir nur noch eine Anmerkung zu diesem Statement von Ihnen:

"Insofern behaupte ich vorläufig schließend, dass wir dem Negativzins eher in Form von Hirngespinsten noch häufiger begegnen werden. In der Realität wird sich damit nichts in Richtung auf ein Modell, einen Plan manifestieren."

Auch daraus entnehme ich wieder Ihre Tendenz, den Negativzins im Allgemeinen als bewusstes Vorhaben zu interpretieren, mit dem irgendjemand irgendetwas bezwecken will. Nach meiner Analyse ist der Negativzins dagegen eine zwangsläufige Folge des Reifegrades unseres Geldsystems. Er stellt sich - zumindest in bestimmten Bereichen bei äußerst kreditwürdigen Schuldnern - automatisch aufgrund der Marktkräfte ein. Bei schon extrem hoher Verschuldung und genauso extrem hohem Angebot an Geldvermögen, das nach Anlage sucht - also in einer Situation wie der, die wir erreicht haben - MUSS der Preis fürs Geld, also der Zins, weiter sinken, um die Spirale aus noch mehr Schulden und noch mehr Geld in Gang halten zu können. Aber er hält sie nicht nur in Gang, sondern er verlangsamt auch ihre Dynamik, was zusätzlichen Zeitgewinn bringt.

Das heißt, er ist systemnotwendig. Damit verlängert das System seine Lebensdauer, indem es das Horten von Geld immer unattraktiver macht. Im Übrigen zielt das, was Ihr großes Vorbild Gesell vorgeschlagen hat, im Kern in die gleiche Richtung: Das Schwundgeld (auch wenn Sie diese Bezeichnung nicht gerne hören mögen, ich verwende sie trotzdem, weil ich sie treffend finde) wird im Laufe der Zeit bei Hortung durch eine Art Negativzins ebenfalls reduziert.

Anmerkung von Tomas Klünner

Der letzte Satz von Herrn Brichta ist leider inhaltlich falsch: Das "Schwundgeld" wird bei Hortung nur dann "durch eine Art Negativzins reduziert", WENN ES ALS BARGELD GEHORTET wird! Wenn es auf einem Sparbuch liegt, wird es weder mehr (sofern gesättigte Kapitalmärkte den Zins bereits bis auf 0 gedrückt haben), noch weniger (sofern die index-bezogene Geldpolitik der "freigeldemittierenden Institution" bereits für das Verschwinden der Phänomene "Inflation" und "Deflation" gesorgt hat). In diesem Fall wird das Geld lediglich  "tauschkraftstabil" verwaltet, so dass der Sparer für sein Geld in 10, 50 oder 100 Jahren immer noch die gleiche Menge an Waren kaufen kann, die er HEUTE dafür bekommt. Erst dann werden wir (erstmals in der Geschichte der Menschheit) mit Recht von einer "Währung" reden können! Das war das Ziel von Silvio Gesell - das ist unser Ziel!

Die Antwort von Herrn Brichta auf diese Anmerkung und weitere Beiträge zum Thema finden sich im Diskussionsthread Diskurs "auf Kurs"

 

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