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Die Kuh auf dem EisIm November 2013 veröffentlichten wir den Artikel "Herr Brichta wagt sich aufs Eis", welcher den "Negativzins" thematisierte, der damals gerade in die Diskussion kam. Seit Anfang Juni 2014 ist die "Parkgebühr" nun Realität und wird, wie Spiegel Online HIER berichtet, auf "Geld" erhoben, welches die Geschäftsbanken bei der EZB "lagern". Die Anführungsstriche sind wichtig, da hier in Kürze einige Begriffe zu klären sein werden, ohne die dieser Diskurs uns nicht wirklich "auf Kurs" bringen kann. Und einen solchen wollen wir hier führen, um letztlich die sprichwörtliche Kuh wieder vom Eis zu bekommen.

Denn vor einigen Tagen wurden wir von Herrn Brichta aufgefordert, eine Stellungnahme von ihm unter unserem Artikel zu veröffentlichen, da dieser "Missverständnisse und Halbwahrheiten" verbreite und es daher ein "Gebot der Fairness" sei, ihm diese Gelegenheit zu geben. Wir taten dies - und der Diskurs war eröffnet. Ursprünglich wollten wir eine "never ending story" vermeiden, doch Herr Brichta schrieb uns: "Ich habe überhaupt keine Angst vor einer never ending story, im Gegenteil: Wenn man sein Geschriebenes ernst nimmt, so wie ich, dann hat der geneigte Leser am meisten davon, wenn es einen Diskurs gibt, in dem alle Argumente ausgetauscht werden. Das mag für alle Beteiligten zwar anstrengend sein, aber nur so kann das geschriebene Wort wirklich seinen Zweck erfüllen." Dieser Diskurs, dessen Anfang am Ende des oben genannten Artikels nachzulesen ist, sei hiermit eröffnet.

Herr Brichta antwortet auf die "Anmerkung von Tomas Klünner":

1. In meiner Bemerkung über den Negativzins beim Schwundgeld hatte ich bewusst keine Angaben darüber gemacht, für welche Arten von Geld er erhoben werden soll. Mir ging es also nur ums Prinzip - und dieses ist selbstverständlich vergleichbar.

2. Sichteinlagen bei Banken mögen zu Gesells Zeiten zwar noch keine große Rolle gespielt haben, aber wenn Sie heutzutage mit Ihrem Vorschlag auch nur einigermaßem Ernst genommen werden wollen, lieber Herr Klünner, müssten Sie diese genauso behandeln wie Bargeld. Das heißt, dann müsste der "Negativzins" selbstverständlich auch für Sichteinlagen bei Banken gelten.

3. Daran anschließend kommen wir schon zu einer interessanten Detailfrage: Wo wollen Sie dann die Grenze ziehen? Wenn nur Sichteinlagen "bestraft" würden, andere Einlagen aber nicht, wäre es ein Leichtes, auszuweichen und Geld zum Beispiel auf Tagesgeldkonten zu horten. Da hat man es ja auch täglich verfügbar.

Auf diese "Replik" antwortet nun Angelika Garbaya:

Bei der Gesell'schen Theorie wird strikt zwischen "Geld" und "Anspruch auf Geld" unterschieden. Geld sind Münzen und Geldscheine, der fassliche Schotter sozusagen. Alle Guthaben, Sichtguteinlagen auf Banken (Girokonten, Sparkonten, Tagesgelder) sind "Anspruch auf Geld".

Das sind wichtige Ausgangspunkte, die man denkerisch einfach mal annehmen muss, wenn man die Funktionsweise von "Schwundgeld" verstehen will! Das ist ungefähr so wichtig wie ein Mensch wissen muss, was eine "Gerade" ist, wenn man ihm ein Quadrat erklärt. Ohne das grundlegende Verständnis von einer Geraden kann man sich die Erklärung des Quadrats einfach mal sparen...

Sicherlich sagt der Volksmund zu allem "Geld", doch Wissenschaft ist noch nie deswegen ernsthaft geworden - und in der Folge auch ernstgenommen worden - weil sie mit umgangssprachlichen und umgangsdenkerischen Modellen gearbeitet hat. Um eine gezielte Geldmengensteuerung vornehmen zu können, mithin die allgemeine Preisstabilität herbeiführen zu können, werden nur die Geldscheine mit einem Datumstempel versehen. Das reicht im Sinne der Gesell'schen Theorie aus, um aus unserem problematischen Geld ein perfektes Geld, eine Währung, zu machen.

Wenn Sie diese schlichte Unterscheidung zwischen "Geld" und "Anspruch auf Geld" geistig nicht machen wollen, dann ist das schon so, dass wir völlig aneinander vorbei reden und in zwei völlig unterschiedlichen Gelduniversen leben. Funktionalität wird zumeist von sehr einfachen und klaren Grundprinzipien gewährleistet. So ist es auch mit der Währung, jener Tat, die aus dem Geld ein monopolfreies Tauschmittel macht.

Antwort von Raimund Brichta:

Ihre Unterscheidungen und die endlosen Diskussionen darüber sind mir durchaus bekannt, liebe Frau Garbaya. Ich halte diese Diskussionen aber für müßig, weil sie vom Kern des Problems ablenken.

Im Klartext: Es ist vollkommen egal, wie man die unterschiedlichen Formen von Geld bezeichnet, wichtig ist nur, wie diese Formen in der Praxis genutzt werden. Es kann hier also nicht darum gehen, ob ich etwas "geistig nachvollziehe" oder nicht, sondern nur darum, welchen Zweck man mit seinen Vorschlägen erreichen will.

So liegt den Gesellschen Vorschlägen durchaus eine richtige und wichtige Erkenntnis zugrunde. Nämlich die, dass Geld langfristig damit überfordert sein kann, sowohl die Funktion des Zahlungsmittels als auch die des Wertaufbewahrungsmittels zu erfüllen (bzw. erfüllen zu müssen).

Und da zu Gesells Zeiten tatsächlich hauptsächlich Bargeld (= Zentralbankgeld) als Zahlungsmittel genutzt wurde, war sein Gedankenansatz richtig. Inzwischen hat sich die Welt aber verändert und das hauptsächliche Zahlungsmittel ist das Geld der Geschäftsbanken geworden, das nur als Giralgeld existiert - oder meinetwegen auch als "Ansprüche auf Bargeld", über Bezeichnungen lassen Sie uns bitte nicht streiten.

Wenn also eine Gesellsche Geldreform in Richtung "Schwundgeld" überhaupt eine Wirkung haben könnte, dann nur, sofern das Haupt-Zahlungsmittel Giralgeld dabei genauso behandelt würde wie das Bargeld, das inzwischen sogar schon zu einer Art Nebenzahlungsmittel geworden ist.

Dieser Umstand steckt hinter meiner Bemerkung in Bezug auf das "Ernst-genommen-Werden" Ihrer Vorschläge. Würde man den "Strafzins" nur aufs Bargeld anwenden, würde dieses lediglich noch weiter aus dem Gebrauch verdrängt und durch Giralgeld ersetzt. Und die Banken würden sich freuen, da ihnen Bargeld ohnehin ein Dorn im Auge ist. Der Gesamteffekt wäre jedenfalls vernachlässigbar.

Herzlicher Gruß,
Raimund Brichta

Auf diese Replik antwortet Angelika Garbaya:

Hallo Herr Brichta,

bevor Sie die Unterscheidung zwischen "Geld" und "Anspruch auf Geld" nicht selbst gemacht haben (anstatt nur über das Vorhandensein von diesen Unterscheidungen informiert zu sein) und die Dinge von dieser Prämisse aus betrachen, können Sie die Gesell'sche Theorie nicht falsifizieren! Ein Ding der Unmöglichkeit. Um eine Sache, einen Umstand wahrhaft bewerten zu können, muss man sich schon darauf einlassen.

Das Bezahlen mit "Ansprüchen auf Geld" ist schon seit Jahrhunderten gang und gäbe, und die häufige Wiederholung des Glaubensatzes "zu Gesell`s Zeiten wurde hauptsächlich nur Bargeld als Zahlungsmittel eingesetzt", macht die Behauptung nicht wahrer. Schon zu Gesell's Zeiten hatten wir so etwas wie eine Weltwirtschaft! Und auch schon einige Zeit davor.

Auf Geldscheine und Münzen - also Bargeld - kann und wird die Menschheit aufgrund der preisbildenden Funktion von Geld nicht verzichten. Weshalb also irgend jemandem Bargeld "ein Dorn im Auge" sein sollte, erschließt sich mir nicht. Die Vorstellung, man könne ausschließlich mit "Giralgeld" wirtschaften, ist abwegig, monströs und absurd. Die Verwaltung könnte noch nicht einmal die NSA stemmen. Die verschiedenen "Regiogeld-Tauschbörsen-Initiativen" erst recht nicht!

"Strafzins" macht keinen Sinn. Die vor uns liegende Zeit wird das beweisen. In der Geldtheorie von Gesell kommt man ohne ihn aus. Dass die heutigen "Währungshüter" versuchen, sich und uns allen damit etwas Luft zu verschaffen ist wohl wahr, aber immer noch die reinste Pfuscherei. Doch diese "Währungshüter" kommen ja auch ohne die Unterscheidung zwischen "Geld" und "Anspruch auf Geld" aus!

Alleine deshalb würde ich es sehr begrüßen, wenn Sie diese Unterscheidung Ihren weiteren Überlegungen tatsächlich einmal zugrunde legen würden. Das tun nicht viele! Wenn Ihre Belohnung nicht das befreiende Erleben von Logig und Widerspruchsfreiheit ist, sogar den Lichtblick eröffnet, dass das Wähungsproblem gelöst werden kann, dann können Sie diese Unterscheidung ja wieder sein lassen.

Wenn Sie darauf bestehen, dass es einerlei ist und dass es keinen wichtigen Unterschied zwischen "Geld" und "Anspruch" auf Geld gibt, dann weiß ich nicht, was wir weiter diskutieren sollen. Sie hätten damit das Gespräch, zumindest das sinnvolle und weiterführende Gespräch, beendet.

Beste Grüße, Angelika Garbaya

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