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Dieses Mal meldet sich Heinz Bude, Soziologe an der Universität Kassel - selbstverständlich Buchautor - in Spiegel Online zu Wort. Dort schreibt er über die deutschen Facharbeiter, die er als Quelle der Wertschöpfung in Deutschland bezeichnet:
„IG-Metall-Chef Berthold Huber weiß, dass diese Klientel nicht zu "sozialen Unruhen" neigt. Das ist was fürs Lumpenproletariat, aber doch nichts für den deutschen Facharbeiter. Was in diesen Menschen, dem Herz des Modells Deutschland, gerade passiert, muss man anders ernst nehmen. Den meisten ist klar, dass die Wut auf die Schuldigen nichts ändert. Es geht vielmehr darum, die Kraft zum Standhalten zu stärken. Es gibt bei ihnen die Bereitschaft, dem Sturm zu trotzen, und diesen gelackten Typen mit den Streifenhemden und den angelsächsischen Ausdrücken zu zeigen, wozu man auch in Zeiten der Krise in der Lage ist. Und zwar nicht als schlauer Trittbrettfahrer, sondern als ein selbstbewusstes Kollektiv, das auch dann die Maßstäbe nicht verliert, wenn die in Berlin nicht mehr weiterwissen.“


Wie kann ein studierter, lesekundiger Mensch, solch ein Zeugs verbreiten? Jetzt sollen die deutschen Facharbeiter gegen die Weltwirtschaftskrise antrotzen und standhalten. „Standhalten“ und „trotzen“, das sind Begriffe aus der Kriegswirtschaft. Man ruft die eigenen Mannen dazu auf, dem Sturm der Mongolen zu trotzen oder in Jericho sollte den Posaunen des Josua standgehalten werden. Nun geht es darum, der Krise zu trotzen und standzuhalten.
Man fragt sich, wie lange deutsche Facharbeiter, bereits gebeutelt im wahrsten Sinne des Wortes durch Lohnverzicht und Kurzarbeit, mit Blick in die Abgründe von Hartz IV - quasi mit der Schlinge um den Hals – nun von Lohn und Einkommen losgelöst, standhält. Vor allen Dingen: wo soll er sich denn zum Standhalten denn aufstellen? Sichtbar im schwäbischen Vorgarten oder doch lieber still und heimlich hinterm Haus? Kann sich die Ehefrau auch dem Standhalten anschließen oder muss der gute Mann da alleine durch? Dürfen Kinder schwindeln, wenn die Freunde zu Besuch kommen und der Papa im Garten steht und vom tagelangen Standhalten irgendwie schon etwas angefressen aussieht? Darf man auch im Bett liegend standhalten oder muss man dafür aufstehen?
Und den Trotz, wo soll er ihn hernehmen, der brave Mann, dessen Sorgen man anders ernst nehmen muss als die Sorgen des Lumpenproletariats vor den Toren der JobCenter? Soll er in den Kindergarten gehen, und sich den Trotz abgucken? Trotz-Praktikum bei Lohnfortzahlung vielleicht? Und wem soll er dann trotzen und wogegen soll er antrotzen? Soll er öffentlich trotzen oder privat? In Gruppen oder alleine? Kann er das noch in der Kantine des ehemaligen Arbeitgebers machen oder organisiert Verdi für die Trotzer was anderes? Gibt es trotz Krise dann Trotzgeld? Oder Standgeld? Oder muss der Standhalter am Standplatz eher Standgebühr bezahlen? Wer am längsten durchhält ist dann Standesälterster, wer einknickt kommt vors Standgericht? Fragen über Fragen und keine Antwort.
Die Parole des Trotzens und Standhaltens an die „facharbeiterschaftliche Mitte der deutschen Gesellschaft“ (O-Ton Heinz Bude) reizt eben zu dererlei Fragen, die Lust zur Demontage des Schreiberlings nimmt von Zeile zu Zeile zu. Lächerlich sind die Parolen. Doch was gerade geschieht ist keineswegs lächerlich und schon gar nicht mehr lustig.

Was wir brauchen ist:

a) die Klarheit und das Wissen, was denn die tatsächliche Ursache für die Krise ist.
b) das Know How und die Kompetenz, wie die Störungen ursächlich zu beseitigen sind.
c) die Kraft zur Veränderung.


Herr Bude, Herr Bude. Ihre Parolen sind irgendwie nicht das, was wirklich gebraucht wird. Auch wenn Sie kein gelackter Typ im Streifenhemd sind und sich keiner angelsächsicher Ausdrücke bedienen.
Wer in diesen Zeiten wirklich etwas zu sagen haben will, muss mindest schon einmal etwas von der Lösung der Währungsfrage gehört haben. Außerhalb der Hörsäle versteht sich.

Angelika Garbaya

 

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