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Ist es in der Freiwirtschaft einem Unternehmer möglich, Monopole aufzubauen und zu erhalten?

Wir gehen dieser Frage nach, indem wir uns gedanklich in die Zukunft versetzen.

Der Großinvestor in der Freiwirtschaft

Versuchen wir nunmehr konsequent, uns in die Rolle eines Supereigentümers an Produktivkapital (Maschinen, Anlagen, Fabriken, Markenrechten) hinein zu versetzen:

Wer ein Großprojekt vom Zaun brechen will, braucht andere Giganten. Partner. Wer überall Tunnel graben will und neue Materialien verwenden will und Gemeinschaften und Individuen vernetzen will, braucht einen langen Atem und vor allem viel Leumund und viel, viel Geld. Freigeld. Wenn sich viel, viel Freigeld in der Hand eines Unternehmers konzentrieren konnte, dann deshalb, weil er immer einen Tick schneller war als der Wettbewerb und  sich immer als Erster den größten Gewinn einstecken konnte, bevor der Wettbewerb diesen wieder egalisierte. Dann galt es wieder in einer anderen Sache der Erste zu sein. Danach kam der Gewinn, wieder der Wettbewerb und so ging es Jahr für Jahr. Dem Unternehmer in der Freiwirtschaft gelang also der Coup, soviel Kohle zu machen, wie sonst nur ein verwöhnter Geldbesitzer in der uns (noch) umgebenden Zinswirtschaft.
Nun hat er - durch persönlichen Fleiß - diese Riesenmenge an Freigeld, die weit über seinen persönlichen Bedarf hinaus ausreichend ist, sich nächstes Jahr zur Ruhe zu setzen, um endlich  Mal der Letzte zu sein, der ans Erfinden und Projektieren denkt. Damit er jedoch einst in den Geschichtsbüchern ordentlich gefeiert werde, will er noch einen Schlag machen und ein gigantisches Projekt durchziehen:
den gesamten Warenstrom und Personenverkehr
in seiner Stadt unter die Erde zu legen.
Landesweit oder weltweit mögen andere diesem Beispiel folgen. Klar ist, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis er seine möglichen Gewinne wieder mit anderen teilen muss.
Woher kommt der Gewinn aus diesem Projekt, aus dieser Unternehmung?
Jeglicher wirtschaftlich definierte Gewinn resultiert aus dem positiven Verhältnis, von betriebswirtschaftlichem Nutzen bzw. Einnahmen zu Aufwendungen bzw. Ausgaben.
Diese Einnahmen entstehen nur dann, wenn auf der anderen Seite, die Ausgaben dafür "bereitstehen". Andere müssen ebenfalls viel Geld verdienen, damit sie es auch für große Projekte ausgeben, auf ihr Geld verzichten können.
Andere müssen den Nutzen haben wollen, damit so etwas wie Gewinn dabei herauskommt.
Auch wenn es sagenhaft viel Geld wäre, die unser fiktiver Großinvestor einzusetzen hätte, er würde es lassen, wenn die Nachfrage sich nicht schon lange lautstark gemeldet hätte.
Nachfrage ist hier das Zusammentreffen von Wollen und Können, von Bedarf und Geld.
Schon hier wird klar, dass die Monopolisierung schon aus diesem Grund an irgendeinem Punkt an ihre eigenen Grenzen stößt. Jemand der anderen Erwerbsmöglichkeiten streitig macht (das Wesen eines Monopols) sägt an dem Ast, der auch ihn immer besser tragen können soll, es jedoch immer weniger tut.
Der Reichtum einer Gesellschaft ist das Ende von Arm und Reich. Sind alle reich, ist keiner wirklich reich. 
Nehmen wir für unseren Fall weiter an, dass der Vorteil aller Produzenten, die Gewinne aller Produzenten sich in der Freiwirtschaft positiv auf alle Wirtschaftsteilnehmer einschließlich ihrer nicht erwerbstätigen Familienangehörigen ausgewirkt haben. Die wirtschaftliche Potenz der Einzelnen - und damit auch die der Gemeinschaft - ist ausreichend, um nach solch einem anspruchsvollen wirtschaftlichen Ziel zu streben, wie es die Untertunnelung ganzer Siedlungen und Städte wohl darstellt.
Soll dieses Ziel erreicht werden, müssen zahllose Unterprojekte verwirklicht werden, die Geld und Initiative, Unternehmungsgeist erfordern. Dafür braucht unser Investor die freie Kooperation der möglichen Beteiligten. Werden Löhne gezahlt, braucht es moderate Löhne, sonst lässt keiner von seinem Job, den mittlerweile fast jeder hat nicht ab. 
Großprojekte brauchen Überschüsse. Überschüsse an Energie. Der arbeitsfähige Teil einer Stadt kann nicht alles stehen und liegen lassen, um sich einer heroischen Aufgabe zuzuwenden, die jedoch aus heutiger Sicht dem Luxus zuzuordnen ist. Das weiß auch ein Großinvestor.
Eine der Bedingungen für solch ein Großprojekt ist, dass alle potentiellen Nutzer einen Teil dazu beitragen können, sei es finanziell oder durch Mitarbeit. Es sind genug Maschinen vorhanden, genug Planer haben genug Zeit und genug Tiefbauarbeiter haben früh genug Feierabend, um sich nach diesem noch frisch einer anderen Aufgaben zuwenden zu können. Nur wenn die Dinge so liegen, kann solch ein Projekt gestartet werden. Die örtliche Bodenverwaltung hat grünes Licht gegeben, weil nach erfolgreicher Umsetzung wieder mehr Platz für Ansiedlungen aller Art in der untertunnelten Gemeinde ist. 30 Prozent mehr Nachfrage durch neue Siedler hat einer ausgerechnet  Das würde sich auf die Pachteinnahmen auswirken. Hier sieht die Kosten Nutzen Rechnung gut aus. Deswegen beteiligen sich auch ganz viele Mütter - den Begünstigten aus den vorhandenen Pachteinnahmen - an diesem Projekt. Zumindest finanziell unterstützen sie dieses Projekt.
Es gibt also viele, die sich einen Gewinn ausrechnen. Und jeder, der sich hier tatsächlich Gewinn ausrechnet und 1 und 1 zusammenzählen kann, macht sich mit billigem Geld selbstständig, um mitzuverdienen. Außerdem schätzt der pfiffige Unternehmer jene, die ganzen Abteilungen seines Unternehmens Konkurrenz machen. Meist spalten sich immer wieder die Fähigsten unter den abhängig Beschäftigten ab und gründen ihr eigenes Unternehmen. Der Arbeitskräftebedarf ist einfach immerzu hoch. Die Löhne in seiner eigenen Firma kann er allerdings nicht mit den Kosten für diese Unternehmungen vergleichen. Seine Löhne muss er hochhalten. Immer wieder fällt also sein Gewinn auf ein geringeres Mass zurück.

Neulich gerade hat unser Großinvestor durchblicken lassen, dass für die Herstellung der unterirdischen Röhren bestimmte Materialien notwendig seien. Gleich bekam er ein paar Kündigungen aus seinem Unternehmen und ein paar Angebote für die Herstellung der Röhren auf den Tisch. Das Materialproblem scheint gelöst, jedoch wieder nur um den Preis, etwas von seinen Gewinnerwartungen herunter gehen zu müssen.
Sicherlich wird der Ruhm in erster Linie ihm gehören, doch den hat er sich doch auch redlich verdient? Wenn der Unternehmer außer dem Ruhm auch noch sein eingesetztes Kapital wieder sehen will, dann müssen es auch alle wollen. Wie soll er sonst einfach das Projekt starten, wenn nicht alle das Produkt haben wollen? Kann er jemanden zwingen, seine Waren aus einem Schacht in sein Wohnzimmer zu holen? Wie bekommt der Unternehmer die Übereinkunft der gesamten Gemeinschaft das Ding durch zuziehen? Einfach drauflos zu produzieren, und dann die Kosten nicht wieder herein zu bekommen? Wäre nicht schlimm. Doch dann wäre er wirklich der King of Logistik: „Großprojektor spendet Humbugshausen eine Tunnelstadt.“ Keiner will's bezahlen aber alle wollen es haben. Wie auch immer. Irgendwann bekommt der Unternehmer das Okay der User. Und dann die Kohle dazu. Er alleine. Und er untertunnelt seine Stadt.

Und dann wollen alle in diese Stadt ziehen und die Mieten steigen. Dann kommt jemand auf die pfiffige Idee es in der Stadt nebenan genauso zu machen. Und dann geht alles ganz schnell, denn das Ding kennt nun schon jeder und jeder weiß was es bringt, und keiner muss mehr in endlosen und kostenintensiven Versammlungen überzeugt werden.
Das Kapital des Großinvestors ist noch gebunden, sonst hätte er jetzt gerne auch noch das zweite schnellere - weil weniger kostenintensivere Vorbereitung verschleißende  - Projekt durchgezogen. Das zweite Projekt wäre dem pfiffigen Unternehmer lieber gewesen. Hätten, würden, wären. Nun sind andere am Zug, denn: der 2. Versuch ist der billigere und die Nachfrage ist immer noch ungebrochen. Und an billiges Geld heranzukommen, stellt für die niemals ruhende Konkurrenz kein Problem mehr dar.

Die Zusage der Bevölkerung der Städte kommt eindeutig daher, dass sie nun eine höhere Lebensqualität haben als vorher. Die Strassen sind ruhig und sauber, die Kinder haben endlos Platz sich zu verteilen, damit man den Lärm überall gleichmäßig hört. Nämlich fast nicht. Und die Gefahren für die Jüngsten und Ältesten haben sich auch merklich verringert. Alle können sich dank eines ausgeklügelten Bestellkreislaufes immer wieder beliefern lassen und haben mehr Zeit sich um andere schöpferische Dinge zu kümmern.

Wenn der Großinvestor doch nur selbst so viel Zeit gehabt hätte, dann hätte er vielleicht noch bessere Ideen gehabt, wie er sich noch viel deutlicher von der Konkurrenz hätte absetzten können. Und wieder: hätten, würden, wären.

Woher sollte noch mal die Arbeitslosigkeit kommen?
Weil jetzt keiner mehr einkaufen muss? Besorgt wegen der Verkäuferinnen oder der endlosen Reihe von Spediteuren und nicht zu vergessen die Straßenbaufirmen, die ewig die Straße aufrissen und wieder zuklebten? Nun, der Bau der Trassen und Tunnel wird bestimmt einiges in Wallung bringen. Da mit diesem Projekt der Arbeitskräftebedarf steigen wird, werden auch die Löhne in dieser Zeit steigen. Die Verkäuferinnen werden mit ihrem Mehr an Einkommen sicherlich eine brauchbare und notwendige Qualifizierung hinbekommen. Dann werden sich mit den neuen Möglichkeiten auch neue Bedarfe auftun. Die Röhren müssen befüllt werden, die Dinge müssen nach wie vor bewegt werden. Da gibt es Wartungsaufwand. Die überflüssigen Dinge über Tage sind ja auch noch nicht vollständig wieder zurückgebaut. Was tun jetzt mit den ganzen überflüssigen Straßen, wenn jetzt der ganze Pkw und Warenverkehr unter die Erde gebracht wurde? Was machen wir nun mit den Relikten unserer alten Infrastruktur? Vielleicht: Naherholung und Wissenschaft ansiedeln wegen der Ruhe. Kinderreiche werden sich um diese Gegend reißen. Es sollte einem also nicht bange werden, wenn man an die künftigen Betätigungsfelder derer denkt, deren Zustimmung für dieses Projekt notwendig sein wird.

Der Großinvestor kann Großes und Heroisches leisten, auch in der Freiwirtschaft. Doch es wird ihm nicht möglich sein, andere vom Wettbewerb auszuschließen und auf Dauer allein den ganzen Gewinn einzustreichen. Das wird keinem mehr möglich sein.

Zusammenfassung: 

Das Wesen des Monopols ist die Behinderung und Ausgrenzung von Wettbewerb. Diese Besonderheit des Wirtschaftens wird durch Freigeld mehr als erschwert.

Geld, das nicht mehr warten will, um ausgegeben zu werden, das sich dem Tausch hingeben will, und auch seinen Inhaber dafür begeistern kann, tut sich sehr schwer, das volle Programm der Wettbewerbsverzerrung zu erlernen und zu pflegen.

Wettbewerbern Steine in den Weg zu legen, ist eine Tätigkeit, die den Gesetzen von Aufwand und Nutzen unterliegt.

Der Nutzen ist vermeintlich der gleiche wie vorher. Wir wissen nun, dass sich langfristig die Behinderung der anderen rächt. Mit einer Rezession, die auch Riesenunternehmen wie General Motors an die Wand fahren lässt.

Der Aufwand wird nun erschwert. Leihgeld wird billiger. Das ruft nach immer neuen Unternehmungen. Es müssen immer mehr Wettbewerber "geschädigt" werden.

Das Geld dafür ist nicht mehr so geduldig, kann nicht mehr warten, bis der "richtige" Redakteur eine nicht recherchierte Ente in die Welt setzt, also für ihn lügt.

Wirbt er Spitzenkräfte von der Konkurrenz ab, so muss er seine Kosten erhöhen, und auch seine Preise. Doch gerade hier werden kleinere Firmen, sowieso schon Vorteile haben, so dass er eher auf seine eigenen Spitzenleute aufpassen muss.

Was nützen aufgeblasene Strukturen, wenn plötzlich Geld für effektivere Strukturen am Markt vorhanden ist?

Jetzt gibt es auch Preiskampf - nur auch etwas anders herum.

Keine Kapitalkosten aus der Vergangenheit zu haben, bedeutet noch nicht im Wettbewerb um die geringeren Kosten, vorn zu liegen. Nicht in der Freiwirtschaft, wenn Leihgeld gering bis nicht verzinst werden muss. Da können Kapitalkosten mit Hilfe von effektiven Strukturen mehr als kompensiert werden.

Wiederkehrender Wettbewerb drückt sofort auf den über die Jahre der Wettbewerbslosigkeit viel zu hoch geschossenen Preis.

Dieser zu hohe Preis bildete schon lange keine natürliche Rückmeldung für den Monopolisten, über die Güte und Effektivität der Produktion. Schlendrian und Verschwendung halten Einzug, wenn dieses natürliche Feedback durch die Monopolbildung selbst versagt.

Mit diesen Geistern plagt sich unser Monopolist sofort und andauernd herum, sobald Leihgeld günstig zu haben ist.

Nur mit ausreichender Qualität und effektiven Strukturen kann er sich am Markt behaupten, und das bedeutet, dass er den ganzen künstlichen Apparat, - das Relikt aus dem fehlenden Wettbewerb - zerlegen oder zerschlagen muss, um an diese Strukturen zu gelangen, mit denen ein Gleichgewicht zwischen Kosten und Ergebnis erzielt werden kann. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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