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Otto Valentin hat in seinem Buch „Die Überwindung des Totalitarismus“ eine gute und gültige Definition von Monopolen geliefert. Hier ein Auszug aus seinem Werk:

 

Das vollständige Monopol

Unter einem vollständigen Monopol verstehen wir den Ausschluss der Konkurrenz. Falls die Konkurrenz ausgeschlossen ist, vermag der Monopolinhaber besondere Monopolpreise und als deren Folge besondere Monopolgewinne zu erzielen. An sich kommt das vollständige Monopol verhältnismäßig selten vor. Denn wer ist schon - wenn man von den gesetzlich begründeten Fiskal- und sonstigen rechtlichen Monopolen absieht - ohne Konkurrenz?

Die klassischen Ökonomen haben das Monopol stets nur in diesem Sinne verstanden, also stets den Ausschluss der Konkurrenz gemeint, wenn sie vom Monopol gesprochen haben. Im Übrigen aber haben sie die Konkurrenz für frei gehalten. Das war ein schwerwiegender Trugschluss, auf den wir noch näher eingehen werden. In Wahrheit stellt das vollständige Monopol nur einen Grenzfall dar, nämlich den Gegenpol der freien Wirtschaft. Zwischen diesen beiden Polen aber, der freien Konkurrenz einerseits und dem Ausschluss der Konkurrenz andererseits, dehnt sich das weite Gebiet der Konkurrenzbeschränkungen. Das sind die zahlreichen Fälle, in denen die Konkurrenz weder frei noch ausgeschlossen, sondern auf einen mehr oder weniger großen Kreis von Personen beschränkt ist. Diese Konkurrenzbeschränkungen, die von der klassischen Lehre unbeachtet geblieben sind, bezeichnen wir als unvollständige Monopole.


Das unvollständige Monopol

Die erwähnten Beschränkungen der Konkurrenz nehmen in der Wirtschaft einen überaus breiten Raum ein. Wohin man auch blickt, fast überall beherrscht das unvollständige Monopol das Feld und macht eine freie Konkurrenz unmöglich.

Aus der Vielzahl der unvollständigen Monopole ragen besonders das Bodenmonopol und das vom Geldstreikmonopol abgeleitete Kapitalmonopol hervor. Beide Monopole bestehen seit Menschengedenken und gewinnen noch ständig an Bedeutung. Das Bodenmonopol wird mit der steigenden Bevölkerungsdichte immer drückender empfunden; das Kapitalmonopol entwickelt sich immer mehr zum ausschlaggebenden Monopol, weil die moderne Technik, indem sie die primitiveren Erzeugungsmethoden, die mit wenig Kapital auskamen, im steigenden Maße aus der Konkurrenz verdrängt, den Besitz von Kapital zur unumgänglichen Voraussetzung der Beteiligung an der Konkurrenz gemacht hat. Wer nicht über genügend Kapital verfügt, ist von der Konkurrenz ausgeschlossen.

Die Konkurrenzbeschränkungen sind nach Conrad den vollständigen Monopolen völlig wesensgleich, was einerseits an ihren wirtschaftlichen Auswirkungen und andererseits an ihrer Bewertung erkennbar ist. Genau so wie das vollständige Monopol zu besonderen Monopolpreisen und Monopolgewinnen führt, muss auch das unvollständige Monopol Preise und Gewinne zur Folge haben, die von denen der freien Konkurrenz abweichen. In der Bewertung kommt die Wesensgleichheit dadurch zum Ausdruck, dass überall dort, wo ein Objekt einen Zins trägt, sein Preis durch die bekannte Kapitalisierung berechnet wird. Beim Ankauf etwa von Boden oder einer Fabrikanlage, einer Eisenbahn usw. wird soviel Geld als Gegenwert bezahlt, dass sein Zinsertrag der gleiche ist wie der des Kaufobjektes. Es werden somit zwei Zinsquellen gegeneinander ausgetauscht.

Die unvollständigen Monopole, vor allem das Bodenmonopol und das vom Geldstreikmonopol abgeleitete Kapitalmonopol haben die Berufsökonomen in der Regel völlig übersehen. Selbst Conrad hat lediglich das Boden- und Kapitalmonopol, nicht aber das ursächliche Geldstreikmonopol als solches erkannt. Im Allgemeinen hat man, weil etwa die Bodeneigentümer untereinander und die Kapitaleigentümer untereinander in Konkurrenz stehen und weil Vertragsfreiheit herrschte, die freie Konkurrenz irrtümlicherweise für verwirklicht gehalten. Man hat ständig von einer „freien Wirtschaft“ gesprochen, obgleich es eine solche noch nie gegeben hat. Hier liegt der tiefere Grund für das Auseinanderklaffen von Wirtschaftslehre und wirtschaftlicher Praxis, auf das wir noch ausführlich zurückkommen werden.

Neben der erwähnten Einteilung der Monopole nach dem Grade ihrer Vollständigkeit teile ich sie ihrem Ursprung nach in natürliche und künstliche Monopole wie folgt ein:


Natürliche Monopole

Sie beruhen darauf, dass gewisse Produktionsmittel oder örtliche Schlüsselstellungen von Natur aus nur in begrenzter Menge vorhanden sind. Hierher gehört der Boden als unentbehrliches Produktionsmittel für den Betrieb der Land- und Forstwirtschaft, für den Betrieb von Bergwerken, Wasserkraftwerken, Mineralquellen, den Wohnungsbau, die Schifffahrt (zum Beispiel Kanäle, Häfen) usw. Der Boden ist also ein natürliches und zugleich unvollständiges Monopol, denn die Konkurrenz ist bei ihm nicht ausgeschlossen, sondern auf den Kreis der Bodenbesitzer beschränkt. Das natürliche Bodenmonopol wird allerdings durch das heutige Bodenrecht noch erheblich verschärft.


Künstliche Monopole

Diese gliedern sich in:

a) rechtliche Monopole

Das sind durch Gesetz geschaffene Monopole, wie Marken-, Muster-, Erfinder-, Autorenschutz; Privilegien, wie das Notenemissionsprivileg; Konzessionen als Voraussetzung für die Ausübung eines Gewerbes; Fiskalmonopole usw.; diese rechtlichen Monopole sind in der Regel - soweit sie eine Konkurrenz ausschließen, wie etwa beim Notenemissionsprivileg - als vollständige, im übrigen jedoch, das heißt insofern sie die Konkurrenz lediglich einschränken, wie etwa bei Gewerbekonzessionen, als unvollständige Monopole anzusehen;

b) verabredete Monopole

wie Kartelle, Truste, Arbeiterkoalitionen, usw.. In diesen Fällen handelt es sich um unvollständige Monopole, weil sie die Konkurrenz nicht ausschließen, sondern nur einschränken;

c) faktische Monopole

Das sind solche, die weder durch Gesetz noch durch Verabredung begründet sind, sondern de facto bestehen. Das bei weitem wichtigste Monopol dieser Art und - neben dem Boden - das wichtigste Monopol überhaupt, ist das von den Berufsökonomen als solches nicht erkannte Geldstreikmonopol, das, wie noch gezeigt werden wird, zwangsläufig ein allgemeines Kapitalmonopol  nach sich zieht. Sowohl beim Geldstreik- als auch beim Kapitalmonopol handelt es sich um unvollständige Monopole; denn die Konkurrenz ist bei ihnen nicht ausgeschlossen, sondern auf den Kreis der Geldkapital-, bzw. Sachkapitalbesitzer beschränkt. Beide Monopole gehören zu den künstlichen Monopolen, weil sie, wie noch gezeigt werden wird, der von Menschen geschaffenen fehlerhaften Währungsverfassung und der gleichfalls mangelhaften Form des heutigen Geldes ihr Dasein verdanken.

Faktische Monopole bestehen auch dort, wo gewisse Unternehmungen von vornherein darauf angelegt sind, die ganze in Betracht kommende Nachfrage zu decken (Straßenbahnen, Wasser-, Gas- und Elektrizitätswerke, Post, Telefon, Telegraph usw.). Das Auftreten einer Konkurrenzunternehmung ist in der Regel nicht möglich, weil ein Unternehmen gleicher Art nicht ertragsfähig wäre. Wenn derartige Unternehmungen auf Grund eines Privilegs errichtet werden, das dem Inhaber das ausschließliche Betriebsrecht sichert, liegt kein faktisches, sondern ein rechtliches Monopol vor.

 

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