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Das Geld macht uns Probleme und so kommen nicht wenige auf den Gedanken, das Geld doch gänzlich abzuschaffen. Es könne doch wieder getauscht werden. Und so entstanden Tauschbörsen, Tauschringe, Seminare über das Leben ohne Geld und all das vergrößerte die Fangemeinde für eine Wirtschaft, die ohne Geld auskommt und in der Menschen ihre Produkte wieder gegenseitig tauschen.
Aus unserer Sicht handelt es sich hierbei um nicht realisierbare Vorstellungen. Wir weisen solchen Konzepten den Platz in der Rubrik „Sozialromantik“ zu. Allerdings sind wir in einer Sache mit den Verfechterinnen und Verfechtern dieser Idee einig: Auch wir haben genug von einem Geld, das uns mehr Probleme macht, als es an Lösungen bietet und genug von einem Geld, das am Ende die Volkswirtschaften, die es erblühen ließ, doch wieder vernichtet. Heute bringt uns unser Geld alle in eine Situation, in der unsere gesamte Kultur vom wirtschaftlichen Ruin bedroht ist. The clash of civilization.

Statt Geld abzuschaffen, muss es verbessert und funktionstüchtig gemacht werden. Wie das geht, ist seit 100 Jahren kein Geheimnis mehr. Allerdings ist das Wissen darüber noch nicht weit genug verbreitet. Ein Geld, das nur noch Tauschmittel ist, kann nicht mehr das anrichten, was es heute anrichtet. Es ist kein Machtmittel mehr und kann nicht mehr dazu benutzt werden, um die große Mehrheit der Menschen „über den Tisch zu ziehen“ und sie bis aufs Hemd auszuplündern. Währungskrisen gehören der Vergangenheit an und damit auch große wirtschaftliche Krisen, die die gesamte Menschheit an den Rand der Vernichtung bringen. Ein solches Geld zu gestalten, stellt absolut keine Schwierigkeit mehr dar. Weil wir über das Wissen verfügen, wie ein nebenwirkungsfreies Geld zu gestalten ist, wollen wir dieses Wissen verbreiten und möglichst viele Menschen sollen entscheiden, welchem Zukunftsentwurf sie zustimmen. Was eine Rückkehr zur Tauschwirtschaft tatsächlich bedeutet, wollen wir an dieser Stelle kurz umreißen.

Tauschwirtschaft ist die Wirtschaft, die der Marktwirtschaft vorangegangen ist. Die geldbasierte Marktwirtschaft ist eine Antwort auf die Probleme, die unsere Vorfahren mit der Tauschwirtschaft im Laufe der Jahrtausende bekommen hatten. Wer in etwa nachfühlen möchte, wie sich eine Welt heutzutage ohne Geld anfühlen würde, der stelle sich eben unsere Welt einfach für einen Moment ohne Geld vor. Ihr Geldbeutel ist leer. Es gibt keine Geldautomaten mehr und auch keine Münzen im Sparschwein. Keine Bankkonten und keine Postanweisungen. Wie sollte nun der heutige Warenverkehr organisiert werden? Auf heutigem Niveau? Wo zum Beispiel die Entstehung eines Chips für Computer vom Sandkorn bis zu seiner Vollendung in etwa 800 Arbeitsschritte unterteilt ist, die auf verschiedenen Kontinenten stattfinden? Doch auch weniger aufwendige Dinge würden uns „höllische“ Schwierigkeiten bereiten. Wie käme jeder an seine Brötchen morgens beim Bäcker? Wenn der Bäcker zum Beispiel nichts anzufangen weiß, mit Äpfeln, die ich anzubieten habe? Und wie sollten sich Experten tauschenderweise ernähren, die sich auf die Meeeresbodenerforschung spezialisiert haben? Wieviele Tauschvorgänge wären zu bewältigen, bis ein ICE-Zug zusammengebaut ist? Wieviel Tassen macht ein Steak? Wieviele qm² geweißte Wand eine Stunde Strom?
Wenn man beginnt, sich das das Unvorstellbare vorzustellen, dann könnte man den Eindruck gewinnen, dass sich die Tauschhandelsfans den Tauschhandel inklusive der Segnungen der geldbasierten Marktwirtschaft ausmalen. Alles soll in etwa so bleiben wie es ist, doch gleichzeitig soll auch alles ganz anders werden. Besser, leichter, natürlicher, freundlicher. Doch den Lichtschalter soll man ruhig weiterhin anknipsen können, auch der Kühlschrank braucht nicht unbedingt zu fehlen und U-Bahn würde man auch schon ganz gerne weiterfahren. Wieviele Tauschvorgänge bis zum fertigen Kugelschreiber von statten gegangen sind, kann man sich leicht ausrechnen. Wie leicht und schnell diese Tauschvorgänge mit Geld zu organisieren sind, kann man sich auch denken. In Sekundenschnelle. Über Lädergrenzen und Ozeane hinweg. Keine Sprachbarriere, keine Zeitzone  - nichts behindert den Tausch, wenn Geld im Spiel ist. Selbst wenn Geld noch Muscheln wäre. Nun male man sich aus, wie lange ein Kugelschreiberproduzent tauschen müßte, um alles beieinander zu haben, was man braucht, um Kugelschreiber zu produzieren. Dass dies kaum gelingen wird, ist naheliegend. Dann werden wir eben wieder mit Gänsekielen zu schreiben haben. Aber erst, wenn genug Menschen bereit sind, Gänse zu züchten. Das würde unsere Gärten und Parks nachhaltig verändern. Gänsemagd wäre wieder ein Beruf. Ging es früher den Gänsemägden so gut? Der Maler Julius Seitz hat vor etwa 100 Jahren das Bild „Gänseliesel“ gemalt. Gänseliesel hütet ihre Gänse an einem wunderschönen See, Autos verpesten auch nicht die Luft, doch Schuhe hat sie keine an. Und das war zu einer Zeit, als die Marktwirtschaft schon seit Jahrtausenden geldbasiert funktionierte.
Kurz und gut, die Idee, dass Menschen wieder zum Tauschhandel zurückkehren ist einfach völlig irreal. Was sie aber nicht hindert, sich in manchen Köpfen richtig festzusetzen. Dort nehmen sie dann den Platz weg für die Lösungen, die Hand und Fuß haben und uns weiterbringen.
Diese Idee in Windeseile abzutun ist nicht unhöflich. Wir haben keine Zeit mehr für Höflichkeiten. Unsere Verluste wachsen schon jetzt in atemberaubender Schnelligkeit und geben bereits den Blick frei für die Vorstellung des Totalverlustes unserer Kultur. Es ist höchste Zeit, dass wir in der Ökonomie gedanklich die Spreu vom Weizen trennen.
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