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Arbeit ist eine Ware; das Recht auf Arbeit bedeutet soviel, den Staat zwingen zu können, diese Ware abzunehmen, respektive zu kaufen. Der Staat bezahlt die Arbeit, die Ware, mit Geld und der Arbeiter benutzt das Geld, um dafür Lebensmittel einzutauschen. Was macht der Staat mit der Arbeit, mit der Ware, die er von dem Arbeiter abgenommen? Er verkauft sie dem Manne der dem Arbeiter die Lebensmittel für das vom Staate erhaltene Geld lieferte. Der Staat vermittelt also den Austausch zwischen der Ware des Arbeiters mit der des Landwirts. Das Recht auf Arbeit bedeutet somit den Staat zwingen zu können, diesen Austausch zu vermitteln, und um dies tun zu können, muss der Staat seinerseits das Recht haben, von dem Bauer die Abnahme der Ware des Arbeiters zu erzwingen.Recht auf Arbeit bedeutet also soviel, jemand zwingen zu können, sein Eigentum gegen eine x-beliebige andere Ware umtauschen zu müssen. Dies ist ungerecht, denn wenn ich ein Paar Stiefel zum Verkauf habe und möchte dafür eine Uhr erhalten, so wird mich doch niemand zwingen können, die Stiefel für eine Krawatte herzugeben, gegen einen Zylinder, den ich nie gebrauche. Wenn der Mann meine Stiefel haben will, dann soll er mir die Uhr liefern, oder eine andere Ware, die ich brauche, keine Krawatte, und wenn er mir die Uhr liefern kann, dann braucht es keines Zwanges, um mich zum Tausch zu veranlassen.

Wenn heute z. B. die Frauen auf den klugen Gedanken kämen, die Korsette als unmodern zu erklären, so würden jedenfalls die Korsettarbeiter ohne Arbeit sein. Wenn das Recht auf Arbeit bestünde, so wäre doch jedenfalls der Staat verpflichtet, diesen Arbeitern Beschäftigung zu verschaffen, und da diese Arbeiter nur das Korsettfach kennen, so müsste der Staat, um Abnehmer für die Korsette zu haben, das Korsett-Tragen für obligatorisch erklären. Dahin würde das Recht auf Arbeit führen, dass der Staat Arbeiten machen ließe, welche von niemand verlangt werden, Arbeiten die nur gemacht würden, um sie verderben zu lassen.

Die Münzreform sichert jedem Arbeit; so lange eine rostende Banknote im Umlauf ist, ist auch Arbeit vorhanden. Findet ein Mann trotzdem keine Arbeit, dann kann er es keinem Geldmangel zuschreiben, auch keiner Geschäftskrise und Überproduktion, sondern einfach dem Umstand, dass niemand seine Arbeit braucht. Findet ein Totengräber keine Arbeit, dann muss er es dem Umstand zuschreiben, dass keine Menschen sterben und er muss ein anderes Gewerbe erlernen, er hat aber nicht das Recht zu verlangen, dass die Menschen in größerer Menge sterben sollen, nur um ihn zu beschäftigen. Niemand hat das Recht, anderen seine Ware aufzudrängen, auch nicht dem Staate, sondern jeder muss die Wünsche der anderen berücksichtigen und ein anderes Gewerbe erlernen, wenn es notwendig wird. Die Münzreform macht nicht allein eine große Anzahl von Kaufleuten, Bankiers und Rentiers überflüssig, sondern eine noch viel größere Anzahl von Wichse-, Krawatten und Zylinderarbeitern. Alle diese Leute werden Arbeit finden, nicht in ihrem Fache, sondern als Maurer, Landwirte, Gärtner, Astronomen, Soldaten etc. Statt Stiefel zu wichsen, wird der Hausknecht an den großen Linsen riesiger Sterngläser polieren, statt Heringe zu bändigen, wird der Kaufmann als Naturforscher den dunklen Kontinent bereisen.

Silvio Gesell, Band 1, Seite 132


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