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Manche Ideen bleiben unverständlich, wenn man sie das erste Mal hört – und manche Ideen werden auch durch dicke Bücher nicht besser!

Dies betrifft die Mehrzahl aller Vorschläge zur „Neuordnung unseres Geldwesens“, die seit Beginn der Finanzkrise verbreitet werden – und leider auch die so genannte „Monetative“.

Nun haben sich Professoren-Titel schon oft als gänzlich ungeeignetes Qualitätsmerkmal erwiesen, zumindest was Punkte wie „Umsetzung“ und „lückenlose Logik“ angeht. Und auch wenn mehrere Professoren die gleiche Idee für gut befinden, spricht dies noch lange nicht zwangsläufig für die Richtigkeit derselben! Um eine Idee auf ihren „Wert“ hin zu untersuchen, bleibt daher jede Leserin und jeder Leser aufgerufen, sich selbst über die Stichhaltigkeit der Argumente und die Praktikabilität der Lösungsvorschläge ein eigenes Urteil zu bilden.

Gerade was das die Themen „Geld“, „Währung“ und „Währungsverwaltung“ angeht, sind es eher die Fragen der Leser, die einen Pfad durch das Dickicht der ökonomischen Irrlehren schlagen können, als die wohlfeilen Vorschläge angeblich „kluger Köpfe“, die mit viel Eleganz und Eloquenz vorgetragen werden. Aber eine Idee, die den Anspruch erhebt, unser Geldwesen auf gesunde Beine zu stellen und die Währungsfrage zu lösen, muss allen Fragen standhalten und auf restlos alle nebulösen Ausführungen verzichten. Wie anders will man sonst den „Nebel um das Geld“ lichten und die „Blinden Flecken der Ökonomie“ erhellen?

Eine Idee, die sich trotz „geistiger Akrobatik“ nicht gänzlich aufschlüsseln lässt und immer wieder unbeantwortete Fragen hinterlässt, letztlich also mehr Fragen aufwirft als beantwortet, bezeugt mit großer Wahrscheinlichkeit nur die Fehler in ihrer eigenen Theorie. Auch Professoren können nicht von der Pflicht entbunden werden, auf lässige und schludrige Beweisführungen zu verzichten. Annahmen können nicht im luftleeren Raum stehen gelassen werden – zu schnell erwachsen daraus falsche Behauptungen, die ganz sicher nicht dazu taugen, ein tragfähiges theoretisches Fundament für einen Vorschlag darzustellen, der den Anspruch erhebt, in die Praxis umgesetzt zu werden.

Die „Vollgeldidee“ von Professor Huber – offensichtlich die Basis der „Monetative“, welche sich als eine „Initiative für eine Reform der Geldschöpfung“ versteht – ist eine der Ideen, die, selbst wenn man sie wohlwollend analysiert, mehr Fragen aufwirft denn beantwortet. Prof. Huber offeriert eine Lösung, die bei genauer Betrachtung bei der Auswahl geeigneter Geldmaßnahmen durchfällt, weil Huber die erste Ursache für die Verwerfungen im Finanzbereich an einer Stelle ausmacht, die bereits ein Symptom, also schon Wirkung ist. Er kann Ursache und Wirkung nicht genau ausmachen und daher auch nicht genau zuordnen. Zugegebenermaßen ist es in einem kybernetischen System auch sehr schwierig, sich nicht von den vielfältigen und auch dramatischen Fehlentwicklungen ablenken zu lassen und den eigenen Geist so lange nicht ruhen zu lassen, bis man zur ersten Ursache aller Verwerfungen durchgedrungen ist. Bis dorthin gelangt Prof. Huber jedenfalls nicht. Er bleibt bei der so genannten „Geldschöpfung der Geschäftsbanken aus dem Nichts“ hängen und sieht in der Bekämpfung und Niederschlagung dieses Symptoms die Beseitigung unser Schwierigkeiten mit dem Geld.

Diese „Geldschöpfung aus dem Nichts“ ist sicherlich ein Phänomen der kapitalistischen Geldordnung, doch zählt sie zu den Maßnahmen, welche die Geschäftsbanken zu ergreifen gezwungen sind, um den Geldkreislauf mit einem „werthaltigen und zurückhaltbaren Geld“ in Schwung zu halten. „Die Homöopathisierung der Sicherheiten“ ist eine andere Zwangsmaßnahme, an der sich die Banker die Hände schmutzig machen müssen.

Prof. Huber nennt seinen Vorschlag zwar Vollgeld, doch befasst er sich leider nur unzureichend mit dem was Geld ist, wie es funktioniert, welche Wirkungen es in der Volkswirtschaft entfaltet und wie es gestaltet sein muss, um zu dem reibungslosen Tauschmittel werden zu können, auf das jedes einzelne menschliche Lebewesen auf diesem Planeten hinsichtlich seiner Zukunftsaussichten so dringlich angewiesen ist. Prof. Huber befasst sich erst gar nicht mit dem Gegenstand selbst, sondern gleich und nur mit dessen Verwaltung. Es interessiert ihn also weniger, ob ein Auto eine Bremse hat, sondern ausschließlich, wer Autos produzieren darf und wem sie wie zur Verfügung gestellt werden. Wenn sich der Kolben im Motor aber fest gefressen hat, dann wird die Kiste nicht durch eine Verstaatlichung zum Laufen gebracht! Der Wechsel von Zuständigkeiten bedeutet eben keinen Zugewinn an Kompetenz und Know How. Eher die gegenläufige Tendenz ist zu befürchten, betrachte man den allgemeinen ökonomischen Informationsstand in den Reihen von Regierung und Verwaltung.

Um den Fehler in der Vollgeldidee besser erkennen zu können, sei auf diesen Text verwiesen.

Deshalb bleiben wir bei unserer Meinung: „First things first!“ Wer vom Geld etwas verstehen will, der muss sich auch mit dem Gegenstand selbst befassen. Daher sei an diese Stelle eine kurze Zusammenfassung darüber gemacht, welche Bedingungen ein Geld, das sich in seiner ausgegebenen Menge präzise steuern lässt, tatsächlich erfüllen muss.

1.    Die Unbegrenztheit des potenziellen Geldstoffes
(Die Elastizität, die Geldmenge an eine expandierende Warenmenge – auch bei rückläufigem Ressourcenverbrauch – anzupassen).
2.    Die Unbrauchbarkeit des Geldstoffes für andere Dinge als zum Tausch
(Vermeidung unwillkürlicher Verknappung).
3.    Die Begrenztheit des Geldstoffes durch Gültigkeit
(Knappheit, Schutz vor illegaler Vermehrung).
4.    Die Begrenzbarkeit des Geldstoffes
(Sicherstellung von Knappheit, Steuerung der Geldmenge).

Die Geldmengensteuerung – also die Frage, ob mehr Geld in den Kreislauf muss oder ob gar welches dem Kreislauf entzogen werden muss, um die allgemeine Preisstabilität zu garantieren – darf keiner „Interessensgruppe“ überlassen bleiben. Geldmengensteuerung ist sicherlich eine Aufgabe für jene Menschen, die weitsichtig genug sind, um in einer kurzfristigen Vorteilsnahme keinen langfristigen Gewinn zu erblicken. Damit scheiden alle unsere gegenwärtigen staatlichen Funktionsträger aus. Punkt. Doch auch der integerste Währungsamtsleiter braucht einen verlässlichen Indikator, der ihm anzeigt, ob die ausgegebene Geldmenge ausreicht oder eben nicht. Bei Prof. Huber liest man zu diesem Punkt nicht viel mehr als: „Die Zentralbank kann fortlaufend soviel Geld zur Verfügung stellen, wie nach ihren Marktindikatoren benötigt wird.“ Scherzkeks, möchte man anmerken. Von welchen „Marktindikatoren“ ist die Rede? Von der Arbeitslosenstatistik? Den Import-Export-Zahlen? Von welchem Quartal? Den Vermögensentwicklungen? Wer liefert die Tabellen mit den jeweiligen Indikatoren? Die Schuldner oder die Gläubiger?

Völlige Transparenz und Funktionalität kann man sich hingegen von einer Index-gesteuerten Währung versprechen, wie sie Gesell vorgeschlagen hat. Demzufolge gilt es, sich den so genannten Großhandelsindex zu Nutze zu machen, um an dessen Entwicklungen untrüglich – sofort und ohne die Beeinflussung durch bestimmte Interessensgruppen – erkennen zu können, ob die Preise im Allgemeinen sinken (worüber ein sinkender Index Auskunft gibt) oder aber steigen (was an einem steigenden Index abgelesen werden kann). Mit den dann jeweils notwendigen Maßnahmen brauchen wir uns hier nicht aufzuhalten, denn darüber ist auf unseren Seiten alles Notwendige jederzeit nachzulesen.

Nach Prof. Huber gibt der Staat „schuldenfreies, also zins- und tilgungsfreies Geld“ in den Umlauf. „Wieviel, Herr Professor?“, können wir da nur fragen. Und zwar: „Wie viel ganz genau, bitte!?“ Mit dieser Frage will sich der Herr Huber jedoch nicht so sehr abmühen, denn er hält es nur „idealerweise“ für wichtig, dass die Entwicklung der Geldmenge Schritt hält mit der Entwicklung der Wirtschaftsleistung – und vom „Ideal“ darf (zumindest im Kapitalismus, der durch Herrn Hubers Vorschläge nicht angetastet wird) bekanntlich ruhig ein wenig abgewichen werden, nicht wahr, Herr Huber?

Für uns aber ist das Ideal genau der Punkt, den es anzusteuern gilt! Punktlandung in jeglicher Hinsicht, denn eine „ungefähre Geldmengensteuerung“ leistest sogar unsere heutige Geldverwaltung. Und wie wir leidvoll erfahren, wird letztlich jedes „Ungefähre“ in der Geldmengensteuerung, jeder „Schuss ins Blaue“ sozusagen, am Ende ganz gefährlich für die Preisstabilität. Bei unserer zukünftigen Geldverwaltung darf es daher nicht mehr um „ungefähr“ gehen. Davon hatten wir schon die letzten Jahrhunderte mehr als uns allen lieb ist! Wir müssen auch nicht mehr mit diesem „ungefähr“ vorlieb nehmen, denn für eine präzise und gekonnte Geldmengensteuerung haben wir alle Komponenten zusammen.

Nach Prof. Huber wird die Zentralbank dank seiner „Vollgeldreform“ noch ausdrücklicher das, was sie jetzt bereits ist – indem sie dann auch noch für unser aller Girokonten verantwortlich zeichnet. Darauf meinen wir, locker verzichten zu können! Hingegen müssen wir auf der Klärung der Frage bestehen, aus wieviel Geld die so genannte „schuldenfreie Geldbasis“, die der Staat via Aufträge an verschiedene Gewerke (Brückenbau, Wohnungsbau, Straßenbau, etc.) in die Wirtschaft gibt, bestehen soll? Welche Scheine zählen dann nicht mehr zu dieser „Geldbasis“ und wie werden diese kenntlich gemacht? Etwa mit einem Aufdruck: „Vorsicht zinstragend“?

Weiterhin bestehen wir auf einer Antwort auf die Frage, wie es mit der „Vollgeldreform“ gelingen soll, die „schuldenfrei herausgegebene Geldbasis“ stets im Wirtschaftskreislauf zu halten? Was genau ist der Mechanismus, der das Geld immer schön im Umlauf hält? Wenn die „Zinslenkung der Finanzwirtschaft“ bestehen bleiben soll, müsste es ja auch möglich sein, dem interessierten Bürger genau zu erklären, welches Gremium wie und mit welchen Entscheidungen die Zinsen dann lenkt, oder?

Prof. Huber will mit seiner Reform zwar nicht die Banken verstaatlichen, jedoch das bisher „teilverstaatlichte Geld“ gänzlich verstaatlichen. Eine weniger geneigte Kritik hätte die Ausführungen von Huber bereits an diesem „teilstaatlichen“ Punkt weggewischt, denn damit katapultiert er sich selbst ins wissenschaftliche Nirwana. Unser Geld ist ganz und gar nicht teilverstaatlicht. Nichts am Geldschein ist sozialisiert, alles hingegen privat. Und deswegen kann auch jeder mit seinem Geld machen, was er will. Er kann sich sogar am Bankschalter die Zigarre damit anzünden und mehr als ein Stirnrunzeln des Schalterbeamten braucht er nicht zu befürchten. Selbst wenn hinter ihm ein Polizist oder der Zentralbankchef oder der Finanzminister höchstpersönlich steht.

Die vollkommen private Natur des Tauschmittels und seine „Besserstellung gegenüber Waren“ ist ja gerade das Problem, das eine gezielte Geldmengensteuerung bis heute schon im Ansatz scheitern lässt. Und so versteht Prof. Huber es vollends, das Richtige zu fordern (Verstaatlichung des Geldes und eine unabhängige Währungsverwaltung) und zur Erreichung des Ziels den völlig falschen Weg zu beschreiten. Auch das ist eine Kunst für sich.

Zu guter Letzt sei noch ein Wort zu seinen praktischen Umsetzungen verloren. Um aus unseren Sichtguthaben das so genannte Vollgeld zu machen, sollen zu einem bestimmten Stichtag die „bisherigen täglich fälligen Verbindlichkeiten der Bank gegenüber den Kunden zu Verbindlichkeiten der Bank gegenüber der Zentralbank werden.“ Wie geduldig Papier ist, sieht man an diesem Satz. Nehmen wir an, dieser Stichtag wäre der 1.1.2011. Ab diesem Datum werden also sämtliche Verbindlichkeiten, die die Bank bisher gegenüber ihren Kunden hatte, zu Verbindlichkeiten, die sie nunmehr gegenüber der Zentralbank hat. Mit wie vielen besetzen Bankvorstandspositionen rechnet Prof. Huber am 2.1.2011? Wer hält schon gerne seinen Kopf in eine Schlinge, von der gar nicht abzusehen ist, wie schnell sie sich zuzieht und wer überhaupt das andere Seilende in den Händen hält?

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