Page 16 - Die Ausbeutung, ihre Ursachen und ihre Bekämpfung
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wie man dem Geld den Giftzahn ausbrechen kann. Und die Antwort
            darauf wäre dann einfach die Sache der Techniker gewesen, die für
            solche Probleme immer eine Lösung finden. Proudhon hat keinen solchen
            Fragesteller, keinen „äquivalenten Mitarbeiter“, gefunden. Er war auf sich
            selbst gestellt. Marx war in die eigene Formulierung des Kapitals verliebt.
            Er konnte sich in die Gedankengänge Proudhons nicht hinein finden. Er
            bekämpfte ihn.
            Durch   die  Tagespolitik  wurde  Proudhon   von  der  wissenschaftlichen
            Ausarbeitung seiner Erkenntnisse abgelenkt. Er nahm seine Erkenntnisse
            mit ins Grab. Die Bücher, die er hinterließ, waren bei den Kapitalisten
            verpönt und bei den Sozialisten durch Marx diskreditiert worden. Nur die
            Anarchisten hatten ihn nicht vergessen. Sie interessierten sich aber für
            andere Gedankengänge Proudhons. So blieb die Proudhonsche Lehre
            vom Kapital  so  gut wie  unbeachtet,  trotz  aller  Bemühungen  Gustav
            Landauers. Marx beherrschte das Feld.

            Die Fragen, die Proudhon offen ließ, hat die Freigeldlehre beantwortet:
            „Das Geld ist Kapital, weil sein Angebot nicht dem gleichen Drucke
            ausgesetzt ist, wie das Angebot von Waren. Bei der Preisbildung kann
            dieser Umstand von den Geldbesitzern ausgebeutet werden, nach der
            allgemeinen Handelsformel Geld, Ware, Mehrgeld.“
            Wenn wir darum das Geld so gestalten, dass der Druck, unter dem das
            Warenangebot steht, auch auf das Geldangebot übertragen wird, so fällt
            die Übermacht des Geldes dahin. Dann ist der Tatbestand da, den Marx
            bei seiner Untersuchung bereits als gegeben voraussetzte. Wenn das Geld
            im Besitze des Kaufmannes, des Bankiers, des Sparers, der Spekulanten
            ebenso schnell verdirbt wie die Ware verdirbt, wenn der Besitz des Geldes
            mit denselben Unkosten verknüpft ist wie der Besitz von Waren, wenn
            der   Geldbesitzer  mit  einem   Substanzverlust  zu   rechnen  hat,  der
            proportional mit der Zeit wächst, die das Geld in seinem Besitz verbleibt,
            dann sind Geld und Ware äquivalent und dann wird es undenkbar, dass
            der Besitzer des Geldes dem Besitzer der Waren einen besonderen Abzug
            dafür machen kann, dass er darauf verzichtet, den Handel auf die lange
            Bank zu ziehen. Denn dann würde ja der Schaden, der den Warenbesitzer
            für eine Preisermäßigung  mürbe machen  soll, in gleicher Stärke  den
            Geldbesitzer treffen.



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