Page 9 - Die Ausbeutung, ihre Ursachen und ihre Bekämpfung
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Der Unternehmer ist ein Kaufmann. Er handelt mit den Rohstoffen, die
            seine Arbeiter verbrauchen und mit den Erzeugnissen, die die Arbeiter
            abliefern, besser gesagt, die sie ihm verkaufen. Die Maschinen sind als
            Darlehen zu betrachten, die der Unternehmer den Arbeitern gibt, deren
            Zins er im Lohn und Stücklohn abzieht oder verrechnet und die ihm
            gleichzeitig als Pfand dienen. Wären die Arbeiter allgemein kreditwürdig,
            so würden die Arbeiter das Geschäft, das der Unternehmer macht, selber
            machen   können.  Vorausgesetzt,   dass  sie   auch  die  dazu   nötigen
            Kenntnisse besäßen – ähnlich wie das die Pachtbauern tun.
            Ziehen wir die Folgerungen aus dem eben Gesagten: soviel wie Marx auf
            dem Satz, dass die Arbeitskraft eine Ware sei, aufgebaut hat, soviel muss
            auch mit diesem Satz wieder einstürzen. Marx sagt: „Der Wert der Ware
            Arbeitskraft richtet sich nach ihren Produktionskosten.“ Diese Folgerung
            liefert Marx die allgemeine Lohntheorie. Er braucht keine andere, da sie
            sich aus dem  Satz, dass die Arbeitskraft eine Ware sei, vollkommen
            logisch ergibt. Treten Widersprüche auf mit den Tatsachen, so muss die
            Erklärung anderswo gesucht werden, da der Satz, die Arbeitskraft sei eine
            Ware, als Axiom außerhalb der Kritik steht und da die Folgerung, dass der
            Wert sich nach den Produktionskosten richtet, unerschütterlich feststeht.
            Im dritten Band müht sich Marx auch redlich mit der Klärung dieser
            Widersprüche ab.
            Aus der Lohntheorie, die Marx aus seinem Axiom, dass die Arbeitskraft
            eine Ware sei, zieht, ergibt sich wiederum mit vollkommener Logik die
            allgemeine Kapitaltheorie, die Erklärung für die allgemein anerkannte
            Ausbeutung. Er sagt: Der Unternehmer kauft die Ware Arbeitskraft zu
            ihrem vollen Wert, also ohne Prellerei. Er kauft sie aber nicht wegen ihres
            Tauschwerts, also nicht als Kaufmann. Er kauft sie als Konsument, um sie
            zu verbrauchen. Die Ware Arbeitskraft hat aber die Eigentümlichkeit, dass
            ihr Gebrauchswert größer ist als ihr Tauschwert, d.h., dass der Verbrauch
            der Ware Arbeitskraft ein Produkt ist, das größer ist als die Produktions-
            kosten dieser Kraft, größer also als der Lohn.  Der Unterschied ist der
            Mehrwert. Die Kapitaltheorie ist fertig.
            Als Käufer für die Ware Arbeitskraft kommt natürlich nur ein Konsument
            dieser Ware in Betracht, und konsumieren lässt sich diese eigentümliche
            Ware nur mit Hilfe der Produktionsmittel. Der Besitz der Produktions


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