Page 10 - Die Ausbeutung, ihre Ursachen und ihre Bekämpfung
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mittel  gibt  dem  Unternehmer  die  Möglichkeit,  den   Unterschied,   der
            zwischen dem Gebrauchswert und dem Tauschwert der Ware Arbeitskraft
            liegt, für sich zu beanspruchen. So ist auch der Beweis erbracht, dass die
            Ausbeutung des Menschen allgemein zurückzuführen ist auf das Privat-
            eigentum an den Produktionsmitteln. Der Sozialist, der die Ausbeutung
            beseitigt wissen will, hat keine andere Möglichkeit, als Ja und Amen zu
            der  Forderung  zu  sagen,  wonach  die  Produktionsmittel  verstaatlicht
            werden müssen.

            So folgt aus dem Satze, dass die Arbeitskraft eine Ware sei, zwangsläufig
            die Forderung nach dem Kommunismus. Mit dem Nachweis, dass nicht
            die  Arbeitskraft,  sondern  das  Arbeitsprodukt   Gegenstand   des  Lohn-
            vertrages ist, ergibt sich für den Sozialisten die Notwendigkeit, sich nach
            allen Richtungen hin neu zu orientieren. Theoretisch, wirtschaftlich und
            politisch. Er steht vor der Notwendigkeit, eine neue Lohntheorie, eine
            neue  Kapitaltheorie,  eine  neue  sozialpolitische  Bewertung  des  Privat-
            eigentums an den Produktionsmitteln herbei zu schaffen. Denn alles, was
            er in diesen Beziehungen bisher gesagt und geglaubt hat, ist nicht mehr
            theoretisch begründet. Der wissenschaftliche Sozialismus steht und fällt
            mit der Behauptung, dass die Arbeitskraft eine Ware sei.

            Die Freigeldlehre geht ebenfalls bei ihren Untersuchungen über die Natur
            des Kapitals von der Marx'schen Formel des Tausches aus. G-W-G', d.h.
            Geld-Ware-Mehrgeld.   Sie  setzt  aber  nicht,  wie  Marx  es  tut,  kritiklos
            voraus,   dass   das   Geld  ein  vollkommenes  Äquivalent  der  Waren   sei,
            sondern findet in der von Marx selbst formulierten allgemeinen Gestal-
            tung des Tausches den Beweis, dass das Geld mehr ist als ein Äquivalent.
            Die Marx'sche Formel G-W-G' ist für sie unmittelbarer Beweis, dass das
            Geld ein selbständiges Kapital ist, dass das G' nicht Produkt einer ewig
            wiederholten Prellerei ist, sondern Ergebnis einer Überlegenheit des Geld-
            besitzers  über  den Warenbesitzer, also  Produkt  eines wirtschaftlichen
            Machtfaktors.
            Die Freigeldlehre hat sich aber nicht damit begnügt, das G' als Beweis für
            die Kapitalnatur des Geldes hinzustellen, sondern hat auch die Frage
            beantwortet, warum das Geld den Waren als Kapital gegenüber treten
            kann. Sie gibt darüber folgende Erklärung: Die Ware ist ihrem Verfertiger
            oder ihrem Besitzer direkt nutzlos. Um Nutzen aus ihr zu ziehen, muss die



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